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Aufschieberitis vs. Prokrastination

Früher hat man Projekte aufgeschoben. Genauer: Man hat Hausaufgaben, Referate und das Lernen für Klausuren aufgeschoben. Heute wird stilsicher prokrastiniert, und das mit ganz schön viel Können; denn gerade wir Autoren sind Meister der Prokrastination.

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Gibt es einen Unterschied zwischen Aufschieberitis und Prokrastination?

Ich habe noch nie einen Autor gesehen, der etwas aufschiebt. Mir hat noch nie jemand gesagt, dass er das Schreiben an seinem Roman aufschiebt. Wie das aussehen würde, frage ich mich und denke dabei daran, dass ein Autor den Computer meidet und Dinge macht, die ihm Spaß machen, weil er gerade keinen Spaß am Weiterschreiben hat.

Und genau da ist tatsächlich der Unterschied zwischen Aufschieben und Prokrastinieren!

Wenn man Prokrastination betreibt, so tut man meist Dinge, die einem ähnlich unangenehm sind wie die eigentliche Aufgabe. Man putzt die Fenster, wischt den Boden oder sortiert endlich mal die Steuerbelege, nur um nicht mit der verhassten eigentlichen Aufgabe beginnen oder fortfahren zu müssen.
Wenn man aufschiebt, so tut man Dinge, die einem gefallen. Man hängt in der Youtube-Warteschleife, rennt draußen durch die Gegend oder liest ein gutes Buch.

Ich glaube, die innere Haltung zu der eigentlichen Aufgabe hat ein bisschen was damit zu tun, ob wir prokrastinieren oder aufschieben. Haben wir eine Aufgabe von außen bekommen (so wie Hausaufgaben vom Lehrer in unserer Schulzeit), so wollen wir lieber etwas Schönes tun und die Zeit gut nutzen. Wir schieben also auf und vergnügen uns, statt zu arbeiten.
Gleichzeitig kann auch die Tatsache, dass uns das Ziel nicht bewusst ist, zu Aufschieberitis führen. Schulkinder haben Probleme damit, die siebte Gedichtsanalyse mit dem Traum, später als Sportjournalist um die Welt zu reisen, zu verknüpfen. Auch die Unterscheidung von Butan und Metan im Chemieunterricht lässt keine klare Zielgerade zwischen dem Hier und Jetzt sowie dem eigenen Katzencafé zu.
So schieben wir auf, wenn es darum geht, sich in Gedanken mit etwas Schönerem zu befassen. Die Ursache: Die Ziele sind nicht klar.
Müssen wir aber eigenverantwortlich arbeiten und können unsere Zeit selbst einteilen, wie etwa beim Schreiben eines Romans oder beim Erstellen der Bachelorarbeit, so haben wir ein schlechtes Gewissen, sobald wir aufschieben wollen. Denn wir kennen unsere Ziele, die wir durch die derzeit unliebsamen Aufgaben erreichen wollen und wissen, dass es getan werden muss. Dass es sinnvoll ist und eigentlich kein Weg daran vorbeiführt.
Ich denke, dass es genau an diesen Stellen zur Prokrastination durch Hausarbeit und ähnlichem kommt.

Prokrastination kann viele Ursachen haben

Wer an einem Roman schreibt, kennt das Ziel. Wir Autoren haben keine Aufschieberitis-Probleme, die eine Ursache in viel zu unkonkreten, weit entfernten und prekären Zielen haben. Wir wissen, wo wir hinwollen und prokrastinieren dennoch so viel. Und dafür gibt es mehrere Ursachen, wie ich bei der Recherche für diesen Artikel herausgefunden habe.

Wir prokrastinieren, wenn unser Herz an etwas anderem hängt.

Auch, wenn das Ziel des fertiggestellten Romans deutlich ist, kann es sein, dass das Autorenherz an etwas ganz anderem hängt. Ob es (wie es bei mir derzeit der Fall ist) ein Blogging-Projekt ist, ein Hobby bzw. eine völlig andere Beschäftigung oder eine ganz neue Idee, die endlich verwirklicht und verschriftlicht werden will: Manchmal hängt unser Herz nicht am richtigen Fleck. Frage dich, wenn du dich beim Prokrastinieren erwischt, worauf du jetzt am meisten Lust hast und woran dein Herz wirklich hängt.

Prokrastination mit Überforderung als Ursache:

Willst du einen Roman schreiben, der 100.000 Worte umfasst? Hat dein Plot zwanzig Handlungsstränge, deren Koordination komplizierter Erscheint als das Dirigieren eines 200-Mann-Orchesters? Und dann prokrastinierst du auch noch? Es kann sein, dass du überfordert bist. Deine Ziele sind zu hoch, du weißt nicht, wie du alles bewältigen willst und dir fehlt es an Struktur. Wo du anfangen sollst und in welcher Zeit du dein geplantes Projekt durchziehen kannst, davon hast du vielleicht keinen blassen Schimmer. Wenn du dir einen humanen Zeitplan mit einer Menge Puffer zusammenstellst und die Grundzüge des Zeit- und Projektmanagements lernst, wirst du der Prokrastination entkommen.

Du belohnst dich nicht!

Putzt du die Fenster, so sind sie anschließend sauber. Beantwortest du E-Mails, so ist das Postfach leer. Liest du Wikipedia- und Blogartikel, bist du danach informierter.
Der deutlichste Unterschied zwischen Aufschieberitis und Prokrastination ist meiner Meinung nach (wie schon erwähnt) die Tätigkeit, die man zur Arbeitsvermeidung durchführt. Ist es etwas, das Zeit totschlägt und Spaß bereitet, so ist es Aufschieben. Prokrastination ist es, wenn die Arbeit mit anderer Arbeit vermieden wird. Ich kann mir gut vorstellen, dass das am fehlenden Belohnungsgefühl liegt. Gerade Arbeiten im Haushalt erzielen schnell Ergebnisse.
Frage dich mal, ob die Ursache deiner Prokrastination darin liegt, dass du dich nicht belohnst. Wenn du ein Kapitel fertiggeschrieben hast, schreibst du womöglich das nächste. Ist ein Roman beendet, so geht es sofort an die Überarbeitung. Womit kannst du dich belohnen? Vielleicht hilft dir das effektiv und schnell, nicht mehr zu prokrastinieren.

Wenn du trotz aller Tipps gerade nicht umhin kannst, als zu prokrastinieren, so tu’ es doch mit folgendem Video:

Kann das hinkommen? Ist das der Unterschied zwischen Aufschieberitis und Prokrastination? Was meinst du? Und: Haben dir meine Ursachenerforschungstipps gegen die Prokrastination geholfen? Lass’ es mich gerne in den Kommentaren wissen.

kia_kahawa

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