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Wann lohnt sich der Künstlersozialkasse Beitrag?

Der Künstlersozialkasse Beitrag ist theoretisch günstiger und teurer als die freiwillige Versicherung.

Als Autor, der selbstständig arbeitest, hast du im Prinzip zwei Möglichkeiten. Wenn du den Artikel bis zum Ende liest, wird dir sogar eine dritte Möglichkeit auffallen, aber hier geht es hauptsächlich darum, ob du dich über die Künstlersozialkasse oder freiwillig selbst versichern solltest.

Künstlersozialkasse Beitrag

Zu diesem Artikel kam ich, als ich den Tweet meines geschätzten Autorenkollegen Timon L. Thöne gesehen habe. Folgt man dem Link, gelangt man zu einer Petition, die eine gerechte Behandlung von Selbstständigen bei der Sozialversicherung verlangt. Genau darüber möchte ich hier unter anderem aufklären.

Das Problem mit der freiwilligen Versicherung von selbstständigen Autorinnen und Autoren ist, dass diese mit einer sogenannten Mindestbeitragsbemessungsgrenze berechnet werden, wenn sie sich versichern. Diese ist ganz schön hoch…

 

Wie teuer ist es, sich selbst zu versichern?

Wenn du dich als Autor selbst versichern möchtest, wird angenommen, dass du 2.231,25 € im Monat einnimmst. Wenn du weniger verdienst, hast du Pech gehabt und musst an die Krankenversicherung dennoch das zahlen, was sich aus diesem fiktiven Beitrag berechnet.

An die Krankenversicherung zahlst du 14,6 % deines Einkommens zuzüglich Zusatzbeitrag. Für die Pflegeversicherung fallen 2,55 % oder 2,8 % an, je nachdem, ob du über 23 und kinderlos (2,8 %) bist oder die Elterneigenschaft hast oder jünger als 23 bist (2,55 %).

Du zahlst also für Kranken- und Pflegeversicherung mindestens 382,66 € für diese beiden Versicherungen.

Wärst du bei der Künstlersozialversicherung versichert, bräuchtest du ein Einkommen von etwa 4.462 €, um diesen Beitrag an KV und PV zu zahlen.

Das ist das Problem, das im oben genannten Tweet bzw. der verlinkten Petition angesprochen wird.

Verdienst du als Autor 1.000 Euro brutto, zahlst du mindestens 382,66 € Krankenversicherung. Um Steuern, Miete und Überleben zu sichern, bleiben dir also knappe 618 €. Ich als Autorin weiß, wie schwer es vor allem in der Anfangszeit ist, zum ersten Mal überhaupt 1.000 € zu verdienen. Daher bin ich umso empörter über diese unmenschliche Mindestbeitragsbemessungsgrenze.

Aber wir müssen auch fair sein: Wenn deine Existenzgründung von der Bundesagentur für Arbeit unterstützt wird, wird nur ein Einkommen von 1.487,50 € angenommen und du zahlst für Kranken- und Pflegeversicherung „nur“ 255,11 € zuzüglich Zusatzbeitrag für Krankenkasse und Aufschlag für kinderlose Ü23 Personen für die Pflegeversicherung.

So oder so ist es gerade für uns geringverdienende Autoren unheimlich schwer und teuer, sich selbst zu versichern. Da freut man sich, vom Künstlersozialkasse Beitrag profitieren zu können! Oder?

Dennoch gibt es einen entscheidenden Vorteil: Du brauchst keine Rentenversicherung!

Die gesetzliche Rentenversicherung kostet 18,7 %. Und würdest du zu deinem 1.000-Euro-Einkommen und den mindestens 383 € Kranken- und Pflegeversicherung auch noch 187 € in die Rente einzahlen müssen, hättest du 57 % deines Einkommens allein für die Sozialversicherung abgedrückt. Viel Spaß in der Selbstständigkeit!

Der kleine Trost ist, dass du auf die Rente verzichten kannst. Ich persönlich halte die Rente für mich für überflüssig, weil ich keinen Grund sehe, irgendwann mit dem Schreiben aufzuhören. Ich sorge nicht für das Alter vor.

Schauen wir mal rüber zur KSK und wie teuer der Künstlersozialkasse Beitrag ist.

 

Wie teuer ist der Künstlersozialkasse Beitrag?

Im Artikel darüber, wie du in die Künstlersozialkasse kommst, habe ich bereits unkonkrete Zahlen zum Künstlersozialkasse Beitrag genannt. Du zahlst etwa 19 % deines Einkommens als Künstlersozialkasse Beitrag über die KSK an die jeweiligen Träger. Doch das möchte ich dir hier konkret aufschlüsseln:

Der Krankenkassenbeitrag beträgt 14,6 %. Davon zahlst du 7,3 % und die KSK bezuschusst dich zu 7,3 %. Den Zusatzbeitrag (zwischen 0,8 % und 1,5 % ist alles möglich) musst du selbst bezahlen, das ist nicht nur beim Künstlersozialkasse Beitrag so, sondern auch in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen und eigentlich überall. Dafür darfst du dir auch deine Krankenkasse trotz Künstlersozialkasse Beitrag selbst auswählen.

In der Rentenversicherung werden 18,7 % fällig. Du zahlst 9,35 % Künstlersozialkasse Beitrag und die KSK legt das gleiche Geld obendrauf.

Die Pflegeversicherung kostet 2,8 %, wenn du keine Kinder hast und über 23 Jahre alt bist. Bist du jünger und / oder hast Kinder, so kostet die Pflegeversicherung 2,55 %. 1,275 % werden von der KSK bezahlt, die anderen 1,275 % (oder im oben genannten Fall die übrigen 1,525 %) musst du selbst zahlen.

Insgesamt zahlst du für Renten-, Pflege- und Krankenversicherung durch die KSK mindestens 18,725 % deines Einkommens, anstelle von mindestens 36,65 %, wenn du dich bei gleichen Leistungen selbst versichern würdest (und mehr als die Mindestbeitragsbemessungsgrenze verdienen würdest).

 

Würdest du also 1.000 € im Monat verdienen, würden dir für die Sozialversicherung (incl. Rentenversicherung!) nur 187,25 € abgezogen. Bei gleichem Einkommen lag dieser Wert für diese drei Versicherungen bei etwa 570,00 €, wenn du dich selbst versichert hättest.

Geringverdienende Autoren haben durch die KSK erst eine Chance, sich selbstständig zu machen. Wer weder Künstler noch Publizist ist, hat meiner Meinung nach keine Chance auf Selbstständigkeit ohne dicke Kredite, Förderungen oder gespartes Vermögen.

 

Ein Vergleich bei hohem Einkommen als Autor

Angenommen, du verdienst 2.300 Euro im Monat und hast somit die Mindestbeitragsbemessungsgrenze für Selbstständige bei der freiwilligen Versicherung überschritten. Wie viel zahlst du in welche Kasse ein?

Wenn du dich selbst versicherst, zahlst du mindestens 17,15 % deines Einkommens (14,6 % + Zusatzbeitrag + 2,55 % + Zuschlag) an die Krankenkasse.

Du hast bei einem Einkommen von 2.300 Euro im Monat also 402,50 € zu leisten und hast somit eine Kranken- und Pflegeversicherung, aber keine Rentenversicherung. Für das Alter vorsorgen kannst du immerhin auch durch andere Mittel und Wege.

Der Künstlersozialkasse Beitrag beträgt, wie ich im vorherigen Abschnitt schon errechnet habe, 18,725 %. Bei einem Einkommen von 2.300 Euro zahlst du also mindestens 430,68 € für Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.

 

Gibt es eine Alternative zu diesen teuren Möglichkeiten?

Ach ja, da war ja noch etwas. Es gibt eine Alternative zur KSK und zum selbst Versichern, aber ich weiß nicht, wie ratsam sie ist. Lassen wir Moral und sowas mal außen vor; Das muss jeder selbst entscheiden. Ich kenne jemanden, der ist seit vielen, vielen Jahren Student. Und er erzielt selbstständige Einkünfte.

Studenten werden gesondert behandelt und aufgrund ihrer Studenteneigenschaft werden sie nicht mit einer Mindestbeitragsbemessungsgrenze von über 2.000,00 € berechnet, sondern mit nur 991,67 € Einkommen. Daher zahlt man als Student nur mindestens 163,63 € zuzüglich Pflege-Zuschuss und Krankenkassen-Zusatzbeitrag.

Es kann sich also durchaus lohnen, sich in einem N.C.-freien Studienfach einzuschreiben und die Semestergebühren (Ach nein, die wurden ja abgeschafft. Das nennt sich ja jetzt Beitrag und kostet immer noch scheißviel.) von durchschnittlich 880 € jährlich zu zahlen, um die monatlichen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge von 430 € auf 164 € zu drücken.

Aufs Jahr gerechnet zahlst du als selbstständiger „Student“ für deine Krankenversicherung mindestens 1.963 € und für die Uni beispielsweise 880 €. Insgesamt kommen Kosten von grob 2.844 € auf dich zu.

Wenn du diesen Umweg nicht gehst und dich selbst versicherst und unter der Mindestbeitragsbemessungsgrenze liegst, kostet dich die Krankenversicherung mindestens 5.160 € im Jahr.

Sich als Selbstständiger in ein Studienfach einzuschreiben, spart dir 2.316 € im Jahr und deine Existenz wird nicht von der monströsen, unhumanen Sozialversicherung aufgefressen.

Aber mal im Ernst.

Das kann doch nicht wahr sein. Dagegen müssen wir etwas tun.

Auch, wenn wir als Autoren durch die Künstlersozialkasse privilegiert und beschützt sind und es uns eigentlich sehr gut gehen kann, sollten wir uns anschließen!

Lest den Text, empört auch, macht bei der Petition mit, geht irgendwem damit auf den Geist und macht richtig Radau! Ich mache auch mit. Versprochen.

 

Fazit

Für Geringverdienende ist die KSK ein Muss. Selbst versichern geht nur mit großen finanziellen Einbußen, wenn du nicht genug verdienst. Ist dein Einkommen niedrig, bedroht die Krankenkasse unter Umständen deine gesamte Existenz.

Verdienst du mehr als die Mindestbeitragsbemessungsgrenze von 2.231,25 € im Monat, so ist es günstiger, sich selbst zu versichern. Die KSK ist ab diesem Punkt absolut gesehen teurer. Die 1,5 %, die der Künstlersozialversicherung Beitrag in diesem Fall die Kosten der freiwilligen Versicherung überschreitet, enthält allerdings eine komplette gesetzliche Rentenversicherung zu 18,7 % deines Einkommens.

Ich halte die Künstlersozialkasse für die richtige Adresse für uns. Auch, wenn ich das Konzept „Rente“ eigentlich ablehne.

Und zu der Option mit dem Student-Sein: Es ist eine Behelfs-Methode, die dich vor dem Untergang bewahrt, wenn du selbstständig bist und wenig Einkommen hast, oder die dir den Einstieg erleichtert. Solange die Gesetze für Nicht-Künstler und Nicht-Publizisten bei der Sozialversicherung so widerlich sind, sollten wir alle unsere Stimmen dagegen erheben.

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