Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten, 51 Sekunden

5 Tipps, wie man eine Lesung vorbereiten kann

Ich habe auf der Leipziger Buchmesse meine erste eigene Lesung gehalten. Lesungen waren für mich bis dahin ziemliches Neuland. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt keiner einzigen beigewohnt.

man-2589896_1280

So wie die Buchmesse meine erste Messe überhaupt war, und ich gleich mit einem eigenen Stand gestartet habe, war auch meine erste Lesung. Ich war nicht einfach nur da, sondern hatte ein Publikum von etwas mehr als fünfzig Menschen.

Das zweitwichtigste neben der Standorganisation war für mich also: Lesung vorbereiten!

In diesem Beitrag zeige ich dir, wie du deine erste Lesung vorbereiten kannst.

Ich hoffe, dass dir meine Vorgehensweise ein wenig helfen wird, deine eigene Lesung vorzubereiten.

 

Vorbereitung der eigenen Lesung

 

Strukturiere deine Lesung!

Während einer halbstündigen Lesung wirst du wohl kaum eine halbe Stunde aus deinem Buch vorlesen. Schon gar nicht von Anfang an! Das bietet keinen Mehrwert. Die Leserinnen und Leser wollen einerseits so viel Spannendes aus deinem Buch erfahren wie möglich, aber andererseits Insider-Informationen von dir als Autor haben, die sie woanders nicht erhalten können.

Beginne deine Lesung also mit einer kurzen Einleitung. Wer bist du, was schreibst du und welches Buch steht da bei dir auf dem Tisch? Worum geht es grob und weshalb wirst du nun die folgende Stelle vorlesen?

All diese Fragen kannst du in einem geschickten Text formulieren, der die Lesung direkt in den ersten Abschnitt lenkt. Lies anschließend einen Ausschnitt, der idealerweise mit einem Cliffhanger endet.

Bevor du den zweiten Abschnitt liest, solltest du zwischendurch den Fortgang des Buches erläutern. Gib dem Leser Orientierung, bevor du den zweiten Abschnitt liest.

In eine Lesung von 30 Minuten Dauer solltest du nicht mehr als zwei Abschnitte vorlesen. Ist der zweite Abschnitt geschafft, sorge dafür, dass die Zuhörer wissen wollen, wie es weitergeht. Stehe für Fragen bereit und schließe die Lesung mit dem Hinweis darauf, wo man dich im Folgenden treffen und mit dir sprechen kann.

 

Was willst du eigentlich vorlesen?

Für deine Lesung solltest du idealerweise mehr als einen Abschnitt vorlesen. In einer halben Stunde empfehle ich dir zwei Auszüge, in einer ganzen Stunde drei bis maximal vier – je nachdem, wie nachvollziehbar die Handlung ist und wie du die Textpassagen wählst.

Die Texte, die du aus deiner Geschichte vorliest, sollten ohne große Vorkenntnisse verständlich sein. Natürlich kannst und sollst du ein paar einleitende eigene Worte sprechen, die den Einstieg in den Text erleichtern, und du kannst auch deine Welt oder Charaktere vorstellen, die man zu Beginn der vorgelesenen Szene kennen sollte.

Doch halte diese Stellen kurz. Zuhören ist schwerer als lesen und so sollten deine Passagen einfach nachvollziehbar sein.

Wichtig ist, dass die einzelnen Szenen, die du den potentiellen Leserinnen und Lesern schmackhaft machst. Sie müssen schlüssig und für die Zielgruppe relevant sein. Gleichzeitig sollten sie einen eigenen Spannungsbogen haben, sodass man immer mehr erfahren möchte.

Einen Cliffhanger solltest du niemals im ersten Lesungsteil einbringen. Ein offenes Ende mit dem Drang der Leser, herauszufinden, wie es weitergeht, eignet sich idealerweise für die letzten Worte. Mit Worten wie „Ob der Protagonist aus diesem Schlamassel wieder herauskommt, finden Sie heraus, wenn Sie das Buch kaufen“ lässt sich eine Lesung hervorragend abschließen.

 

Bereite deinen Lesungstext gut vor!

Drucke deinen Lesungstext mit doppeltem Zeilenabstand und ausreichend Seitenrändern aus. Anschließend solltest du in deinem Text Markierungen vornehmen, die dir das Vorlesen erleichtern werden. Das kannst du natürlich auch kurz vor der Lesung in deinem eigenen Buch machen, wenn dir das angenehmer ist.

Ob du aus dem Buch oder einem ausgedruckten Text vorliest, lässt sich genau so beantworten wie die Frage, ob du im Stehen oder im Sitzen lesen sollst. Tu, was dir gut tut und was zu dir passt! Nur, wenn du dich wohlfühlst und es dir so einfach wie möglich machst, wird deine Lesung Erfolg haben!

Farbige Markierungen bei Pausen und für die Passagen, in denen etwas besonders betont werden soll. Verschluckte Konsonanten habe ich beispielsweise unterstrichen oder eingekringelt. Wenn ich in meiner alltäglichen Sprache etwas undeutlich ausspreche oder Silben vermische, hilft im Lesungstext ein senkrechter Strich mitten im Wort.

Ich nehme Markierungen vor für:

  • Betonungen
  • Wörtliche Rede (Stimme verstellen!)
  • Silben getrennt aussprechen
  • Endungskonsonanten deutlich aussprechen
  • Lautstärke / Dynamik
  • Legato / Staccato
  • Pausen

Du musst dich dabei nicht an den Zeichen von Profis orientieren, sondern kannst du deine eigene Zeichensprache entwickeln. Das Wichtigste ist, dass du weißt,was du meinst und dass du damit arbeiten kannst.

 

Besuche andere Lesungen

 

Je nachdem, wie viel Zeit dir bis zu deiner eigenen Lesung bleibt, kannst du deine Lesung vorbereiten, indem du andere Lesungen besuchst. Höre Autorinnen und Autoren des gleichen Genres zu und versuche, dir direkt nach der Lesung zu notieren, was du richtig gut fandest.

Was erfolgreiche Autoren gut machen, darfst du in deiner Lesung selbstverständlich nachahmen. Auch kannst du so ein Gefühl dafür kriegen, welche Textpassagen dem Leser Lust auf mehr machen.

Hast du nach einer Lesung Lust, das Buch zu kaufen, überlege, womit der Autor das geschafft hat. Das können viele Gründe sein:

  • Der Autor ging offen und freundlich auf das Publikum zu
  • Die Textstellen haben dich in ihren Bann gezogen
  • Durch einen Cliffhanger willst du mehr erfahren
  • Eine Charaktervorstellung hat dich beeindruckt
  • Du willst mehr über den Autor erfahren

Du siehst also: Es gibt durchaus mehrere Gründe, ein Buch nach einer Lesung kaufen zu wollen.

Versuche also nicht, alles perfekt zu machen, sondern konzentriere dich auf deine Stärken. Putze de Stärken deines Buches ebenso heraus wie deine eigenen und versuche nicht, die eierlegende Wollmilchsau zu sein.

Übrigens: Je mehr du liest, desto besser kannst du schreiben. Je mehr Lesungen du hörst, desto leichter kannst du deine eigene Lesung vorbereiten!

 

Lesung vorbereiten durch Üben und Kritik

 

Suche dir einen Verbündeten.

Ich hatte vor meiner ersten Lesung einen Verbündeten, der mich gecoacht und unterstützt hat. Er hat mir beim ersten Vorlesen geholfen und Tipps gegeben, wie ich Texte zu betonen habe. Natürlich wusste ich vorher, dass man langsam, deutlich und gefühlt ein bisschen übertrieben betonen muss, und dass Vorlesen wie Schauspiel ist, doch das theoretische Wissen ist wie eine Glaswand.

Du siehst hindurch und weißt, wie es dahinter aussieht. Doch du machst es dennoch nicht. Mit einem Verbündeten, der dir offen und ehrlich sagen kann, wenn du Fehler machst oder nicht gut vorliest, dann wird das Glas zur Luft und du kannst hindurchgehen. Wende dich an eine vertrauensvolle Person, die dir und der du am Herzen lieg(s)t und lass‘ dich begleiten. Das war für mich die klügste Entscheidung vor meiner ersten Lesung.

 

Lass einen ausgewählten Personenkreis deine Lesung kritisieren.

Hast du zunächst für dich gelesen und dann mit deinem Verbündeten das Vorlesen und das Anwenden der Kritikpunkte geübt, solltest du dir einen kleinen Kreis suchen. Das können Freunde sein, die Mitglieder eines Autorenstammtisches oder ein paar Freiwillige aus einem Forum.

Du kannst entsprechend:

·         eine Live-Konferenz bei Skype schalten

·         eine Wohnzimmerlesung abhalten

·         ein Video deiner Lesung aufnehmen und privat bei Youtube hochladen

·         eine Audio-Datei per Mail rumschicken

Mir persönlich hat es geholfen, die Lesung im Vorfeld als Video aufzunehmen und an andere Autoren zu schicken, die mir konstruktives Feedback gegeben haben. Achte darauf, dass du Kritik nur von Leuten bekommst, die dir ihre ehrliche Meinung sagen können und dich nicht aus Prinzip mit Samthandschuhen anpacken! So wurden mir auch zur Körpersprache und Gestikulation Kritikpunkte genannt, die ich mir im Vorfeld umgewöhnen konnte.

 

Lesung vorbereiten in 5 Schritten:

 

Zusammengefasst lauten meine fünf Tipps für dich:

  1. Strukturiere deine Lesung. Konzipiere dabei auch die Vorstellung deiner Person und der Protagonisten und plane mehrere Lesungsteile ein, zwischen denen du den Fortgang der Geschichte in eigenen Worten zusammenfasst.
  2. Bereite deinen Lesungstext, ob auf Papier ausgedruckt oder im Buch, gut vor und markiere dir Wichtiges, worauf du beim Vorlesen achten möchtest.
  3. Höre dir andere Lesungen an!
  4. Suche dir einen Verbündeten, der dir scharfe und ehrliche Kritik liefert. Übe mit ihm! Idealerweise sollte er mit zur Lesung kommen.
  5. Halte die Lesung vorab vor einem ausgewählten Personenkreis, dem du vertraust und der dir ehrliche Kritik geben kann.

 

Übrigens: Bei rhetorikpirat.de habe ich einen Gastartikel geschrieben, in dem ich dir Tipps für die erste Autorenlesung verrate, die du während der Lesung anwenden kannst. Willst du diese 5 Tipps erfahren? Dann klicke hier!

Wie war deine erste Lesung? Hast du Tipps zum Vorbereiten einer Lesung, die du mit uns teilen möchtest? Dann bereichere mich und andere Leserinnen und Leser in den Kommentaren mit deinem Input!

kia_kahawa

Spenden für mehr hilfreiche Tipps:
http://patreon.com/kiakahawa


 

Teilen, ohne dass es weniger wird! Folgen ohne Stalking:
Benachrichtige mich per Mail über die nächsten Neuerungen!
Schau mal vorbei...
Einblicke in das Leben einer Autorin
Wenn du willst, schau dir Facebook an

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.