Autorenleben

Die plötzliche Konfrontation mit der Realität

22. Januar 2017

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Die plötzliche Konfrontation mit der Realität

Diesen Zeitabschnitt meines Lebens nenne ich: “Realität”. Denn genau das habe ich in den letzten Wochen, fast schon Monaten, gelernt: Was wirklich real ist und wie es sich anfühlt, wenn man die Realität nicht ganz begreift. Ich habe seit Mitte Oktober alles am eigenen Leibe erlebt, was in jedem 08/15-Roman vorkommt:

Schwäche, Verzweiflung, Wut, Trauer, Hilfesuchen und nicht finden, plötzliche Katastrophen und Lebenskrisen, Pech, Krankheit… Und dann, am 6. Januar, ganz plötzlich, wurde alles… Zu schön, um wahr zu sein.

Was passiert ist und wie das alles kam, möchte ich dir jetzt schildern. Offen, ungeblümt, ehrlich. Es geht um meine Situation, um missgünstige Arbeitgeber, Pech im Leben, immensen Verwaltungsaufwand, Fehler im “Sozialstaat” und Menschlichkeit, die ich noch nie so erlebt habe. Ein kleiner Spoiler: Es endet mit “Danke”.

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Die Vorgeschichte

Ein Wort vorweg: Ich will so wenig jammern wie möglich und den Beteiligten so wenig Zacken aus der Krone brechen wie möglich. Also halte ich es verhältnismäßig kurz und es kann sein, dass offene Fragen und Löcher in der Geschichte hinterbleiben. Diese fallen dann aber in die Kategorie “Privatsphäre” und brauchen nicht näher beleuchtet werden. Also, hier die Eckdaten der Vorgeschichte:

 

Zunächst kam die Depression. Ich schwamm aus der Realität heraus.

Sie war eigentlich schon immer da. Seit ich Halbwaisin bin, war in meinem Kopf etwas nicht richtig. Normal war ich nie, darüber bin ich sehr froh. Einen Klinikaufenthalt hatte ich bereits in 2007 hinter mir; ambulante Therapie zwei Mal ein Jahr. Letztes Mal auch mit Medikament, immer auf einem Dorf, wo man schnell Termine bekommt und flexibel ist. Aber im Oktober 2016 brach Depression über mich ein. Ob es an Unterforderung in meiner Ausbildung lag, an den alten, leidenden Großeltern oder an meinem Stressteufelskreislaufkopf, der sich selbst immer ein bisschen überfordern muss. “Ausgelastet sein” nenne ich das, was für andere immer als manisches, hyperaktives Verhalten beschrieben wird.

Also wurde ich krankgeschrieben. Von meiner Hausärztin. Ich bekam wieder das Antidepressivum, mit dem ich keine allzu schlechten Erfahrungen hatte und bekam durch eine lange Krankschreibung die Zeit, mir einen Therapeuten zu suchen. Abstand zu gewinnen und bei Bedarf auch mal einen ganzen Tag unter der Bettdecke zu verbringen. In der Ecke zu hocken und zu weinen, aus Angst vor der passiven Suizidalität. Bücher zu lesen und kreativ zu schreiben, um zu sehen, dass es eine Zukunft gibt. In dieser Zeit wurde ich aufgepeppelt, auch von meinen Freunden. Danke an alle meine Freunde und den Verein der BartBroAuthors, die mich alle zu diesem Zeitpunkt schon massiv unterstützt haben. Durch euch hatte ich bis Ende November Mut und Kraft. Ich wusste, dass es weitergeht. Trotzdem war ich nicht so ganz in der Realität. Ich war aus dem Alltag genommen, musste nicht funktionieren. Überall war Watte und Verständnis. Ich durfte “ich” sein.
Ich wusste, dass ich mir helfen lassen muss und dass meine Ausbilderin mir nicht den Kopf abreißen wird, wenn ich ihr offen und ehrlich sage, wie die Sache ist: Ich bin depressiv. Ich brauche Hilfe, und wenn es nur eine Entlastung von wenigen Wochenstunden ist, damit der heißersehnte Therapiebedarf nicht “on top” auf meinen Wochenplan kommt und mich noch mehr belastet.

Also habe ich mich getraut. Ich habe meine Ausbilderin angerufen und ihr die Sache erzählt. Sie reagierte nach meinen Worten “Ich brauche Ihre Hilfe” und “Ich möchte Ihnen meine Situation erklären” unglaublich freundschaftlich. Aufmerksam. Gütig. Also erzählte ich alles. Es ging in mir bergauf, als sie sagte, sie wolle mich unterstützen. Eine Azubine wie mich will der Betrieb nicht verlieren, denn ich leiste tolle Arbeit und sei sehr sorgfältig bei meinen Aufgaben – mit Ausnahme zunehmender Flüchtigkeitsfehler in den letzten Wochen, als die Depression wie eine schwarze Wolke auf mich zurollte. Auf meine Frage nach der verkürzten Arbeitszeit reeagierte sie verständlicher Weise nicht mit einem “Na klar, machen wir sofort!”, sondern mit einem “da halte ich Rücksprache mit dem Chef. Aber seien Sie sich sicher: Wir unterstützen Sie, soweit es uns möglich ist!”. Mit freundlichen Worten des Dankes, ihrerseits für meine Ehrlichkeit, meinerseits für diesen riesigen Stein, der mir vom Herzen gefallen war, beendeten wir das Telefonat. Sie wolle mich in wenigen Tagen zurückrufen und einen Gesprächstermin über das weitere Vorgehen informieren. Ich war befreit. Alles würde besser werden.

An dieser Stelle möchte ich sagen: Ich habe meine Ausbilderin noch nie hoch in den Himmel gelobt. Sie hat sich sehr bemüht – menschlich wie auch ausbilderlike war sie für mich immer angenehm. Nicht super-mega-bewundernswert, aber angenehm. Gut. Ich fühlte mich wohl. Nicht super-mega-hyper-wohl, aber es war eine annehmbare, solide und gute Ausbildung in dieser Kanzlei mit dieser Ausbildung. Gut. Note zwei. Es gibt Negatives aus der Ausbildung, ja. Zwei Minus vielleicht. Manchmal. Aber es gibt mehr Positives als Negatives; das sagt auch jeder Lehrer, der seinem Schüler auf eine Klausur eine 2 oder 2- gibt. Das sollte jedem Leser bei den folgenden (und den darauf folgenden) Worten im Hinterkopf bleiben! Das ist mir wichtig! Denn – spoiler – es geht bergab.

 

Er sagte: “Überraschung!”

Tage vergingen. Ich ließ meine Krankmeldung nicht verlängern, denn der Mut kam zurück. Die Medikamente begannen zu wirken und ich wollte immer weniger tot sein. Sterben wollte ich nie – bei passiver Suizidalität ist es eher ein “ich will schlafen und später aufwachen, wenn es nicht mehr so wehtut, zu fühlen, denken, atmen”.

Dann war es Montag. Der Montag vor dem Donnerstag, an dem ich wieder zur Arbeit gehen konnte. Montag, der 5. Dezember 2016. Ich rief bei der Krankenkasse an, weil mein Zahnarzt irgendwas mit einer Krone wollte. Heil- und Kostenplan. 690 Euro Eigenanteil. Härtefall als Azubi. Und die in der Krankenkasse sagten: “Wie? Sie wurden zum 30.11. abgemeldet. Sie sind nicht mehr versichert?!”. Lachend entgegnete ich, dass da ein Fehler vorliege. Ich sei nun schon einen ganzen Kalendermonat krank und die Meldung, die bei der Krankenaksse eingehen müsste, sei eine Unterbrechungsmeldung. Das macht man lohnsteuerrechtlich, habe ich auf einem Deminar bei der DATEV gelernt. Ich kleiner Möchtegern-Streber-Lohnbuchhalter.

Klären soll ich diesen Fehler. Kein Ding! Also rief ich in der Kanzlei an, denn meine Ausbilderin hatte sich nicht gemeldet. Mit zwei Kindern und viel zu tun ist das verständlich; immerhin bin ich nicht der Mittelpunkt des Universums; schon gar nicht als Azubi! Und wenn ein Fehlerchen in der Lohnbuchhaltung vorkommt, haben die bestimmt viel zu tun. Habe ja meine Buchhaltungen nicht erledigt und muss von den anderen Kolleginnen ersetzt werden. Irgendwie konnte es mich auch ehren, dass viel zu tun war, wenn ich weg war. Irgendwie fühlte ich mich klug. Und wichtig. Als echter Bestandteil der Kanzlei.

Dann ging alles ganz schnell. Ich wurde zum Chef durchgestellt, von einer Kollegin, die ich nicht kannte. Die wurde neu eingestellt, während ich krank war.

“…  Krankenkasse, Fehler wegen Abmeldung …”, begann ich zu sagen. Wollte noch ergänzen: “Ausbilderin… Wollte anrufen… alles ok?… Stand der Dinge… Freue mich, Donnerstag wiederzukommen…”

Aber dazu kam es nicht. Chef sagte in etwa: “Das mit der Krankenkasse hat schon seine Richtigkeit. Schauen Sie in Ihren Briefkasten.”

Und ich sah in den Briefkasten. Die Abmeldung bei der Krankenkasse hatte – zunächst rein formal – seine Richtigkeit.

 

Der schlimmste Monat meines Jahres 2016

Es war Dezember. Genauer gesagt: es war der 5. Dezember 2016. Ein Montag. Ich war noch krankgeschrieben, sodass ich am 8.12. zum ersten Mal wieder zur Arbeit gehen würde. Und ich hielt eine Kündigung in der Hand. Zwei DinA4-Seiten. Fristlose Kündigung. Zum 30.11.2016. Datum: 01.12.2016. Empfangen durch den Briefkasten: am 5.12.2016. Mir schossen zunächst drei Ideen durch den Kopf.

  1. Vor einer Kündigung muss eine Abmahnung erfolgen
  2. Azubis haben besonderen Kündigungsschutz
  3. Darf man gekündigt werden, wenn man krank ist?

Ich recherchierte und kam auf drei Antworten:

  1. Nicht, wenn das Vertrauensverhältnis über alle Maße hinaus erschüttert ist
  2. Nicht, wenn das Vertrauensverhältnis über alle Maße hinaus erschüttert ist
  3. Nicht, wenn das Vertrauensverhältnis über alle Maße hinaus erschüttert ist

Und das war laut Kündigung der Fall: Dadurch, dass ich Bücher schreibe, gehe ich einer unerlaubten Nebentätigkeit nach. Dass dieses Verhalten vertragswidrig ist und zur Kündigung führt, sei mir bewusst gewesen. Ich würde die Ausbildung als “Nebenjob” betrachten und meine Ausbilderin anlügen, indem ich mir eine Krankheit wie die Depression ausdenke, um in Vollzeit schreiben konnte.

Ich war out of order. Weg. Komplett in der Depression versunken. Ein paar Panikattacken, tiefe Depression und Hilfe-Schreie später bekam ich wieder Luft. Aber fassen konnte ich es nicht. Auch wie diese Kündigung aufgebaut war, raubte mir den letzten Atem. Meine Ausbilderin hatte meine Facebook-Seite ausgedruckt. Und jedes Mal das Wort “arbeiten” mit einem Textmarker hervorgehoben. Ob ich nun sagen würde, ich arbeitete an einem besonders hübsch ausgemalten Mandala oder ich arbeitete in einer Stahlfabrik, war dabei unerheblich. Es ging nur um das Wort. Um das Wort einer Person, die auf Facebook unter einem Pseudonym zuhauf vorausgeplante Beiträge veröffentlicht. Ich gebe zu: Bis heute weiß und wusste ich nicht, ob das rechtsverbindlich ist. Ich ging nicht davon aus, denn würde ich euch auf facebook glaubhaft machen, ich würde jeden Abend joggen gehen, so ist das kein Alibi, sollte ich zum selben Zeitpunkt eine Bank ausrauben. Würde ich euch erzählen, ich baute eine Kathedrale – so ist der Facebook-Post kein Beweis. Oder weniger Beweis als der Grundstein. Ich hatte angekündigt, das Hörbuch zur Krankheitensammlerin aufzunehmen. Das war noch nicht geschehen, weil ich es von der Kraft her nicht schaffte. Aber auch das war fein säuberlich ausgedruckt und markiert an der Kündigung hintendran.

Der Nachweis für mein Depression-vortäuschen-und-Vollzeitautorin-sein war ebenfalls ein Facebook-Post, in welchem ich angab, dass ich mir vorgenommen hatte, in 30 Tagen 16.000 Worte zu schreiben. Das sind etwa 500 Worte am Tag. Es war der Monat, in dem ich erkrankt war und Angst hatte, als depressiver Mensch unter der Bettdecke zu versauern. Bis 13 Uhr zu schlafen, mein Leben aus dem Griff zu verlieren.

Und mir wurde empfohlen, jeden Tag eine halbe Stunde zu schreiben. Und danach spazieren zu gehen. Irgendwie sollte ich Struktur in den Tag bringen, vorallem auch, weil ich in diesem Monat viele Therapeuten anrufen und ausprobieren musste. Aber meine Ausbilderin betrachtete dies als Vollzeitjob: 500 Worte am Tag schreiben. Das sind bei einem Vollzeitjob von acht Stunden etwa ein Wort pro Minute. Aber gut, ich will nicht über die Schreibgeschwindigkeit bzw. Vorstellung von Schreibgeschwindigkeiten anderer Menschen urteilen.

Mein Chef wusste schon lange, dass ich Bücher schreibe. Er genehmigte mir mit Datum September schriftlich, dass ich auf der Leipziger Buchmesse 2017 einen Tag in der Berufsschule fehlen durfte, um – Zitat – “mein selbstgeschriebenes Buch als Aussteller auf der Leipziger Buchmesse vom 22.03.2017 – 26.03.2017 zu promoten”. Schriftlich. Ich habe das schriftlich. Es war bekannt. Seit langem. Die zwei Wochen Kenntnis über einen möglichen Kündigungsgrund zieht hier nicht. Ich könnte einen Rechtsstreit gewinnen. Meine Ärztin bescheinigte mir fix meine Diagnose und ich reichte einen Schlichtungsantrag ein. “So nicht, nicht mit mir!”, dachte ich mir und bekam wieder Energie.

Doch die Energie à la “Nicht mit mir!” und der Wunsch, mich zu wehren, wechselte sich schnell mit Zeiten der Kraftlosigkeit ab. Ich bekam Angstzustände. “Was ist, wenn…?”, fragte ich mich. Habe mich gefragt, warum mir ein Mensch so etwas antun konnte. Fühlte, wie abhängig ich von meiner Ausbildung war und wie weh es tat, am 8. Dezember nicht in die Kanzlei zu gehen. Schnell war ich überzeugt davon, dass alle gegen mich stünden und dass ich alles falsch gemacht hätte. Bis ich mich an den Tiefpunkt des Dezembers 2016 suhlte. Ich hatte eine Panikattacke mit folgendem Inhalt:

“Wenn mir der Chef verbieten kann, eine halbe Stunde am Tag zu schreiben, dann darf er mir alles andere auch verbieten. Muss ich ihn dann telefonisch immer informieren bzw. um Erlaubnis bitten, wenn ich eine Mütze stricken will und diese dann bei ebay verkaufe, weil ich zu viele Mützen habe? Darf ich noch Trompete im Posaunenchor spielen, oder ist das eine unerlaubte Nebentätigkeit, wenn wir unseren Obulus bekommen? Darf jeder Chef seinen Mitarbeiter fristlos kündigen, wenn er in einer Band spielt, Bilder malt, Marathons läuft oder Youtube-Videos dreht?”

Ich zog mich zurück. Hatte Angst. Angst davor, Teil dieser Arbeitswelt zu sein. Angst davor, ein Sklave launischer Menschen zu sein, die mit meinem Schicksal machen, was sie wollen. Wie es den betrieblichen Erfordernissen entspricht, kann man mich jederzeit über Nacht rausschmeißen. Da ich aber von guten Freunden aufgepeppelt wurde, raffte ich mich auf.

“Geh zum Arbeitsamt, du kriegst Arbeitslosengeld!”, sagten sie. “Zieh vor Gericht, mit Beratungsschein geht das auch für arme Azubis wie dich! Du bist im Recht! Das kann man nicht mit dir machen!” Erleichtert wartete ich auf die Einladung zum Schlichtungsverfahren der Steuerberaterkammer. Noch erleichterter stellte ich mich beim Arbeitsamt vor. Erst Arbeitslosengeld I, dann Arbeitslosengeld II. In einem Atemzug, denn als Azubi beträgt das Arbeitslosengeld I so ziemlich gar nichts. Und ich begann einen Vollzeitjob als Arbeitslose. Anträge, Ämter. Fünf Termine (!!) der Kategorie “bin nicht zuständig, ich mache nur XXX” in der Agentur für Arbeit vergingen, bevor ich meien Unterlagen samt Kontoauszüge und Mietvertrag zur Kopie abgeben durfte. Die Rente wollte bescheid wissen, Krankengeld für die ersten Tage im Dezember beantragt werden, Arbeitgeberbescheinigungen aller Arbeitgeber der letzten 24 Monate mussten eingeholt werden, Kindergeld und BAB werden abbestellt und jeder will alle Bescheinigungen und alle Erklärungen von den jeweils anderen Ämtern haben.

Es war inzwischen kurz vor Weihnachten. Meinen Geburstag reduzierte ich auf ein Minimum, denn nach Feiern war mir nicht. Silvester fiel aus, ich verbrachte es gemeinsam mit meinem Freund daheim. Ich wollte Ruhe. Einen Tag ohne Papier und Formulare. Dann wurde es Januar und ich wusste: 2017 wird mein Jahr. Alles wird gut werden. Ganz bestimmt!

 

Der 6. Januar 2017

2017 war mein Jahr. Vom 1.1. bis 5.1. war es ein tolles Jahr. Wirklich. Mein Konto ging auf die Null zu, aber ich war guter Dinge. Bald würde alles besser werden. Und auf die inzwischen 22 Bewerbungen würde ich auch schnell Zusagen erhalten. Ich flog also langsam weg von der Realität.

Dann kam der 6. Januar 2017. Ein Brief vom Arbeitsamt. Ich bekomme 12 Wochen Sperrfrist, denn ich wurde selbstverschuldet gekündigt. Die dreimonatige Sperrzeit beim Arbeitsamt sorgt gleichzeitig für eine Sanktion beim Arbeitslosengeld II. Meine Sachbearbeiterin sagte mir zunächst, ich müsse mich um Miete, Überleben und alles andere selbst kümmern. Auch um die Krankenversicherung. Ich würde mich privat versichern müssen.

So nett meine Sachbearbeiterin auch ist: Sie hat keine Ahnung. Nur durch eine liebevoll recherchierende Freundin aus dem Verein #BartBroAuthors wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich wohl krankenverischert war. Als ich mein Medikament abholen wollte, funktionierte allerdings die Karte nicht. Panik wuchs heran. Der Tag würde nicht gut werden.

Statt einen freien Tag zu machen und im Zoo zu fotografieren, hing ich also am Telefon. Jobcenter. Arbeitsagentur. Hotline. Beratungsstellen. Das Ergebnis: Ein Härte- oder Notfall bin ich nicht, denn meine Kontoauszüge der letzten vier Wochen zeigen, dass ich meine Miete gezahlt habe. “Sie sind kein Notfall. Sie brauchen weder Vorschuss noch Darlehen. Wären Sie in echten Schwierigkeiten, hätten Sie die Miete nicht gezahlt.”
Ich denke aber menschlich und nicht amtlich: Ein bisschen Diät schadet mir nicht. Es gibt Tafeln für den Notfall. Irgendwie geht das schon. Aber ich muss meine Wohnung finanzieren. Um mich neu zu bewerben, um Post zu empfangen, was den Rechtsstreit angeht, und mal ganz nüchtern betrachtet: Weil es momentan wirklich richtig kalt ist.
Weil eine Bescheinigung fehlt, streckt sich das alles über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Ich kann erst Anfang März mit einem bearbeiteten Antrag rechnen.

Die Panik war wieder da. Die Realität brach wieder über mich hinein.

Nach irrsinnigen Gedanken und Ideen meinerseits, wie ich an Geld kommen würde, um mir meine Wohnung zu finanzieren, wurde ich im Chat der #BartBroAuthors beruhigt. Panisch hatte ich schon gedacht, ich müsse mein gesamtes Hab und Gut verkaufen, und nun alles, was ich habe, bei ebay einstellen, um das irgendwie zu schaffen. Ich sah keine andere Möglichkeit.

Dann kamen Ideen aus allen Ecken. Online-Umfragen, wieder mal Ghostwriting bei Textbroker, Tests machen, Blut spenden und allerlei Zeug kam dabei zusammen. Ich habe mich entschlossen, alles gleichzeitig zu nutzen. Aber um nichts unversucht zu lassen, habe ich BlueSirens Vorschlag, Crowdfunding zu probieren, ebenfalls in Angriff genommen.

Also startete ich fix die Patreon-Seite, die ich ohnehin in Planung für Mitte/Ende 2017 hatte. Und zwar ohne kreativen Text darüber, wie toll ich bin. Sondern mit der nackten Wahrheit. Der Situation, wie es wirklich war. Ich wollte diese Seite nur kurz teilen und mich sofort danach Bewerbungen und ähnlichem widmen.

 

Und dann kam der Twitter-Aufruf

Im Verein sagte man mir schon Ende des Jahres, 2017 würde mein Jahr werden. “Komm du erstmal über’s Jahr. 2017 ist noch genügend Zeit, um awesome zu sein”, blieb mir dabei ganz besonders im Fokus. Eine gute Stunde nach meinem Twitter-Verzweiflungs-Aufruf habe ich in die Statistiken geschaut. Und war baff.

Twitter_Aufruf_Patreon_2017

Nicht nur, dass es zufällig genau 2017 Impressionen gab (das ist ein Zeichen, ganz bestimmt!), es haben auch noch nach so kurzer Zeit fast 170 Menschen auf den Link zu meiner Patreon-Seite geklickt. 170 Menschen wollten in kurzer Zeit wissen, warum ich Hilfe brauchte. Und womit. Und woher der Ausnahmezustand kam. Was da bei mir schief gelaufen war.

Nach nur zwei Stunden kamen 25 Euro über Patreon zusammen. Und nochmal 25 in Form von Einmalzahlungen durch Freunde. Nach weiteren zwei Stunden hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt. Und erstarrt vor dem Rechner zu sitzen und auf den Bildschirm zu schauen, war nicht das Einzige, was ich getan habe. Ich möchte hier mal ganz offen darlegen, wo ich in welchem Zeitraum welches Geld ergattern konnte, um zu überleben.

Ich bekam eine Bartenschaft (Patenschaft bei den BartBroAuthors). Das heißt, dass mein Vereinsbeitrag für 2016 und 2017 übernommen wurde.

Drei Stunden Arbeit bei Textbroker.de brachten mit 15,68 Euro. Dafür habe ich Texte mit insgesamt 1.650 Worten geschrieben. Und den Rest der Zeit intensiv recherchieren müssen. Die Sprachanforderungen sind sehr gering, aber der Rechercheaufwand immens. Ich verdiene bei Textbroker 0,95 Cent pro Wort. Also 0,0095 Euro. Ich betone: Mit viel Rechercheaufwand. Das sind in meinem Fall etwa 5,23 € pro Stunde. Brutto, natürlich! Am Ende des Jahres darf ich das brav versteuern. Als freie Texterin stelle ich meinen Auftraggebern bei diesem Rechercheaufwand im Schnitt 0,05 € pro Wort in Rechnung. Aber: Wer Geld braucht (und zwar schnell), darf sich für nichts zu schade sein. Ich war angekommen: In der knallharten Realität.

Irgendwann bekam ich eine Nachricht. Steuerberater, Hannover. “Twitter… Situation… Einladung… Vorstellungsgepräch…”. Die Realität war wieder weg. Ich konnte es nicht fassen. Dass so etwas wirklich geschieht und mir jemand einen Ausbildungsplatz anbietet, weil ich Not bin und einen brauche – nicht, weil ich mich ordentlich vorstelle und bewerbe und so tue, als sei alles im Lot – … wow.

Und als ich erschöpft war von den Ereignissen des Tages – es war noch immer Freitag, der 6. Januar –, bekam ich fünf E-Mails. Von fünf lieben Menschen, die lieber anonym bleiben wollten. Sie sagten jeder für sich, sie wollten mir auf ihre Weise helfen. Ein paar von ihnen verteilten Freundschaftsaufträge an mich, bei denen ich wohl für einen angenehmen Aufwand eine Rechnung schreiben darf und mir etwas dazuverdiene. Andere wollten nur meine Kontodaten und mich ohne Patreon unterstützen. Kaum waren die E-Mails abgearbeitet, wagte ich einen Blick auf die Patreon-Seite. 50 Euro (bzw. Dollar). Von Dankbarkeit überwältigt wusste ich nichts mit mir anzufengen, bekam ich doch in genau derselben weitere E-Mails. Immer mehr E-Mails. Anteilnahme. Eigene, ähnliche Geschichten. Angebote. Einige waren auch skurril und nicht so ganz ernstzunehmen, aber im Großen und Ganzen sorgte man sich um mich. Man half mir. Ich erlebte, wovon ich nicht gedacht hatte, dass es Realität sein konnte: Menschlichkeit. Hilfsbereitschaft.

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Das Wochenende verbrachte ich bei meiner Mutter. Ließ mich durchfüttern, die Seele baumeln und versuchte, Abstand zu gewinnen. Mir einen Überblick zu verschaffen, und mich ein bisschen runterzufahren, um die Aufgaben, die auf mich warteten, zu meistern.

Nach diesem Wochenende hatte mein Twitter-Aufruf die Runde gemacht. 516 Menschen hatten auf meine Patreon-Seite geklickt. Am Montag waren 12 Menschen unter den Unterstützern, von einem bis zu fünfzig Dollar ist alles dabei. 97 Dollar würde ich bekommen. [Anmerkung von Zukunfts-Kia: Die Zahlung erfolgt wohl erst Mitte Februar, noch ist nichts bei Patreon geschehen] Eine Zahl jenseits jeder Realität. So viel Geld. Das ist nicht wahr. Klar, nach einigen Tagen haben es sich einige Menschen doch noch anders überlegt und ich landete bei knappen 100 Dollar, aber dennoch ist diese Zahl unfassbar hoch für mich. Das ist mehr, als ich für einen Monat Ernährung benötige. Mehr als ein Fünftel meiner Miete. Einfach so. Dass allein über 8000 Menschen meinen Tweet gesehen hatten, war unfassbar. 8000 Menschen habe ich noch nie in der Realität gesehen. Auf einem Ort, mit einer Gemeinsamkeit. Ist es immernoch.

Gemeinsam mit den ganzen anderen Unterstützungen fehlte nun nicht mehr viel zur Miete. So ziemlich genau hundert Euro brauchte ich, um die Miete zu wuppen. Das ging schnell. Mit großer Motivation konnte es also bei mir weitergehen. Hundert Euro plus das, was ich zum Überleben brauche, in drei Wochen? Easy! Ich dachte, mir könnte nichts im Wege stehen. Ich verfasste “So schnell so viel geschafft” als Post auf Patreon und distanzierte mich wieder von der Online-Welt. Zwei Vorstellungsgespräche, das Schlichtungsverfahren, ein Tag Berufsschule, ein Gespräch mit der Schulsozialarbeiterin und drei Aufträge / Jobs warteten auf mich.

 

Schlichtungsverfahren und Zukunft

Am 12. Januar war das Schlichtungsverfahren. Und eines vorweg: Ich kann wieder lachen. Für mich ist ein bisschen die Sonne aufgegangen.

Der Schlichtungsausschuss ist professionell, rechtssicher und mit einer klaren Meinung auf meine Ausbilderin “losgegangen”. Die Quintessenz der Aussagen ist, was auch wirklich im Gesetz steht. Ich hatte daran gezweifelt, dachte, man könnte mit mir als Azubi machen, was immer man will.

Die Aussagen des Schlichtungsausschusses waren deutlich und konfrontierten mich auf erleichternde Weise mit der Realität. Auch meine Ausbilderin lernte etwas über ihren eigenen Job und die Grundlagen allgemeiner Ausbildungsrichtlinien:

1. Vor einer fristloser Kündigung gehört eine schriftliche Abmahnung.
Das ist nicht erfolgt und meine Ausbilderin bestand darauf, dass ich ein ganz besonders schlimmer Fall bin.

2. Für eine fristlose Kündigung braucht man einen triftigen Grund. Was vorlag, ist kein triftiger Grund.
Wieder besteht meine Ausbilderin darauf, dass ich so unfassbar schlimmes Vergehen erprobt habe.

3. Schreiben ist ein Hobby, genau wie Stricken und ein Instrument spielen. Und wenn ich zwei Stunden am Tag Trompete spiele, hat die Ausbilderin dazu nichts dazu zu sagen.
Ich schreibe 30 Minuten am Tag, “solch einen Umfang” wollte sie nicht genehmigen.

4. Depressionen sind eine ernstzunehmende Krankheit. Wenn der Arzt mich krankschreibt, bin ich krankgeschrieben. Das hat die Ausbilderin nicht zu beanstanden und in Frage zu stellen.
Die Ausbilderin forderte in einem Nebensatz, dass ich ihr die Diagnose hätte mitteilen müssen und der Arzt sich mit ihr in Verbindung hätte setzen müssen.

5. Ich bekomme ein qualifiziertes Arbeitszeugnis.
Zunächst wollte meine Ausbilderin eine Standard-Vorlage aus dem Internet für mich erstellen, was bescheinigt, DASS ich bei ihr gearbeitet habe, nicht, WIE ich das tat.

6. Die Kündigung ist unwirksam.
Die Ausbilderin schlug vor, statt der Kündigung zum 30.11. einen Aufhebungsvertrag zum 30.11. aufzusetzen. Damit wären ihre Interessen versorgt, nicht aber meine.

Als sie mit unseren Vorschlägen zur Schlichtung nicht einverstanden war, meinte sie, wir sollten das Verfahren abbrechen und vor Gericht weiterklären. Dann sind die beiden Fachleute aus dem Rechtsbereich (Ich glaube, die Dame und der Herr waren Anwälte), die im Ausschuss waren zum Klartextsprechen übergegangen. Sie haben ihr gesagt, dass das Arbeitsgericht genau so verfahren würde wie der Ausschuss  und dass da erhebliche Kosten auf sie zukommen würden. Die Kosten, mich bis zum Wirksamwerden eines Aufhebungsvertrages weiter zu bezahlen und freizustellen, seien vergleichbar und mit weniger Aufwand verbunden.

Das Ergebnis:
Ich bekomme für Januar bis einschließlich 31.3.2017 ein Drittel meiner Vergütung. Bin voll krankenversichert, habe Anspruch auf Kindergeld, BAB und Waisenrente. Also stehen mir 455 Euro im Monat zur Verfügung. [Anmerkung von Zukunfts-Kia: Nein. Im Januar sind es nur 288,-] Für meine 440-Euro-Miete. Aber dafür muss ich mich nicht mehr mit dem Amt rumschlagen. Habe also jetzt Zeit, mir bis spätestens zum 1.4. eine neue Ausbildung zu suchen, ohne vom Amt schikaniert zu werden. Und muss in der Zeit natürlich jobben, um mir die Miete leisten zu können. Aber das erscheint mir möglich, weil das Amt nicht mehr an mein Geld geht und auch von einem 450-Euro-Job nicht 260 Euro einbehält wegen der maximalen 100 Euro plus 20 Prozent, die man als ALG II-Beziehender verdienen darf. Die Miete ist also sicher und gemeinsam mit den Patreon-Unterstützern kann ich sogar überleben. Mithilfe eigener Bemühungen und einem guten Nebenjob neben der Bewerbungsverfahren werde ich alles gut schaffen.

Ich werde also dank Schlichtung von Obdachlosigkeit verschont. Die Obdachlosigkeit war ohnehin nicht real für mich. Ich habe sie nicht wahrgenommen, obwohl ich wusste, dass ich nach der zweiten nichtgezahlten Miete fristlos aus der Wohnung geschmissen werden konnte. Aber es war nicht so richtig greifbar.

Dass das Amt mich dennoch durch die Sperrung und Sanktion misshandelt  und fast auf die Straße gesetzt hat, bleibt natürlich im Raum. Ist aber nicht mehr mein Bier. Bis zum 31.3.2017. Heißt: Meine neue Priorität Nummer eins ist eine neue Ausbildungsstelle.

Ich bedanke mich sehr herzlich bei allen Retweetern, Patreon-Unterstützern, Privat-Unterstützern, meinen Freunden, dem Schlichtungsausschuss der Steuerberaterkammer Niedersachsen und nicht zuletzt bei meiner Ausbilderin.

Ich danke ihr dafür, dass sie mir durch ihr Verhalten mehr Misstrauen der Welt gegenüber beigebracht hat. Ich wurde ein Stück weit tiefer in die Realität gezogen. Mir wurde Ende September ein Urlaubsantrag für die Berufsschule zur Teilnahme an der Leipziger Buchmesse in 2017 als Ausstellerin meines eigenen, selbstgeschriebenen Buches, unterschrieben. Meine Ausbilderin sagte, man habe nichts davon gewusst. Auch, wenn man das mit Stempel unterschrieben hat, könne man aus den Worten “Leipziger Buchmesse (Aussteller)” nicht herauslesen, dass ich als Aussteller auf der Leipziger Buchmesse gewesen wäre. Sie versuchte, durch Social-Media-Kaffeesatzleserei Nachweise gegen mich zu finden, um mich loszuwerden. Meiner Ausbilderin danke ich sehr herzlich, dass ich durch ihr bösartiges Verhalten (anders lässt sich das leider nicht beschreiben!) eine große Lehre des Lebens lernen konnte: Vertraue niemandem, von dem du derart abhängig bist. So wohl du dich auch an einem Arbeitsplatz fühlst, es kann jederzeit dazu kommen, dass du auf der Straße sitzt. Mache dich nicht abhängig, habe Rücklagen und eine Rechtsschutzversicherung. Letztere werde ich umgehend abschließen. Ich weiß, wie der Worst-Case aussehen kann. Ich weiß, wie es ist, ganz unten zu sein. Verraten zu werden, im Stich gelassen zu werden. Mit Füßen getreten zu werden, obwohl man alles richtig machen wollte. Und ich weiß auch, wie es ist, Unterstützer unter den Freunden zu haben. Wie es ist, aufzustehen, wenn man eigentlich nicht mehr kann und am liebsten aufgeben und sterben möchte. Ich weiß, wie man als Depressiver überleben kann. Meine Ausbilderin weiß das nicht. Sie hat keine solche wertvolle Erfahrung gemacht und stellte sich mit ihrem Verhalten ein Armutszeugnis aus. Das ist traurig mit anzusehen, dass es manchen Menschen so gut geht, dass es ihnen egal ist, wie es anderen Menschen geht. Aber es ist nicht mein Bier. Ich glaube an Karma und weiß, dass ihr Schlechtes widerfahren wird, wenn sie Schlechtes verbreitet. Und mir wird Gutes geschehen, solange ich nur immer wieder aufstehe und stets versuche, mein Bestes zu tun. Das werde ich auch weiterhin. Nicht aber, ohne mich stets abzusichern oder mir selbst nicht treu zu bleiben.

 

… und jetzt?

Jetzt beginnt für mich eine spannende Zeit. Ich habe das gesamte Wochenende gebraucht, um von meiner – nun wieder realitätsfernen – Wolke der Erleichterung runterzukommen. Emotional und gesundheitlich ging das Wochenende schnell auf und ab. Ich war launisch, aufgekratzt, erschöpft. Fassungslos und entrüstet, irgendwie wirklich… ja, derealisiert.

Es ist eine Zeit der Leere, der Neuorientierung, die jetzt beginnt. Während ich mich über Wasser halte, bereite ich die Leipziger Buchmesse vor und suche den Ausbildungsbetrieb, der mich weiterbringt. Nicht den, der mir etwas verspricht, sodass ich von der Realität abhebe. Aber auch keinen, der schnell greifbar ist und mir so wenig Umstände wie möglich macht. Ich suche das Beste. Etwas Dauerhaftes. Irgendwo dazwischen versuche ich, Gesundheit und Freunde gemeinsam mit den neuen Zielen unter einen Hut zu bringen und dabei nicht durchzudrehen.

Ohne meine zahlreichen Unterstützer hätte ich zwischendurch die Hoffnung verloren. Ich hätte auch nach der Schlichtung Probleme, meine Existenz zu sichern und bin geschockt über meine Erfahrungen mit Amt und Jobcenter. Als U25 ist man dort ganz schlecht aufgehoben. Dass das deutsche Sozialsystem auf durchfütternde Eltern ausgelegt ist, die ihrer Unterhaltspflicht in vollem Umfang nachkommen, und dass schwarze Schafe unter den Ausbildern auch nicht nach solchen Vorfällen aussortiert werden und man seitens der Steuerberaterkammer mal über eine “Ausbilderlizenz” nachdenkt, schockiert mich noch immer. Auch der Steuerberaterkammer kann man mit einem lachenden und einem weinenden Auge für dieses Aufwecken und Zurückholen in die Realität danken. Die Schlichtung ist gewiss das lachende Auge. Die Tatsache, dass es solche schwarzen Schafe gibt und geben darf, ist eher traurig.

Ich finde es katastrophal, dass Auszubildende zur Steuerfachangestellten nicht einmal einen Ausbildungsnachweis schreiben müssen. Das klassische Berichtsheft, das jeder andere Azubi in der Realität schreibt, gibt es einfach nicht. So kann der Ausbilder oft machen, was er will und wir ahnungslosen Azubis, die wir doch von den Eltern durchgefüttert werden sollen, lernen nur durch solche großen Ereignisse, wie fies das Leben sein kann.

Und je fieser das Leben ist, desto erfüllter machen uns die gelungenen Versuche, das Schlechte abzuwenden.

 

Ich danke meinen Patreons Carola die Schreibseele, Andre Hansen, Pe, Torsten Jerzembeck, Mela Eckenfels, Jens van der Kreet, Oliver Klee, bluesiren, Eric F. Bone, Andreas Dotzler, Markus Nest, Jason Darkstone und Jacob Kadrmas. Natürlich danke ich auch all denen, die mir außerhalb von Patreon weitergeholfen haben, ob durch Jobs, Geld, Zuspruch oder Verbreitung der Nachrichten. Besonders zu nennen sind da Inge Hannemann, Jasmin Zipperling, Peter Hildebrand und die BartBroAuthors. Wenn ich jetzt aufzähle, wer von euch mir alles geholfen hat, so werde ich bestimmt jemanden übergehen, also verzeiht es mir, dass ich es nicht gesondert tue. Ich liebe meinen Verein!

Danke.

 

kia_kahawa

Ein Spoiler am Rande: Gestern, am 21.01.2017 erreichten mich Briefe. Einer war von der ehemaligen Ausbildungskanzlei, einer vom Jobcenter, einer von meiner Hausverwaltung und einer von der Arbeitsagentur. Es wird einen zweiten Teil dieses Blogartikels geben. Die Geschichte geht weiter. Ich bin derzeit von einer schlechten Nachricht schockiert.

Kia (*1993) produziert. Gedanken mit Menschen teilen - ob als Blog, Roman, Zeichnung, Musikstück, Sachbuch oder Hörspiel - das ist es, was am Produzieren so fasziniert.

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6 Comments
  1. Nadine Uzelino

    Ich kann dir das alles so gut nachfühlen! Auch ich mache immer noch solche Krisen durch! Vor allen, weil die Ämter selbst nicht klar kommen...Ich wünsche dir sehr viel Kraft für die aufwühlende Zeit! lg Nadine von Nannis Welt

  2. Jenny

    Unglaublich, was dir passiert ist. Die Welt ist manchmal unfassbar grausam. Doch lass den Kopf nicht hängen! 2015 ist mir auch etwas passiert, was fast mein Studium beendet hatte. Ich war exmatrikuliert, hatte keine Krankenversicherung und war finanziell sowas von am Ende durch einen anderen Menschen. Doch es wird wieder bergauf gehen!

  3. irgendwer

    Wow wirklich ein beeindruckender Text. Sehr sehr mutig von dir. Eine Depression ist etwas sehr ernstes und du kannst wirklich stolz auf dich sein. Besonders schwierig finde ich die passive Suizidalität. Nicht das Gefühl sich das Leben zu nehmen, sondern einfach morgens nicht aufwachen zu wollen, das kenne ich sehr gut. Die Tatsache das du dich Leuten darüber mitteilen kannst ist das beste Zeichen für Besserung. Ich bin mir sicher, dass viele denen es ähnlich geht wie dir, diesen Text als sehr aufbauend empfinden. Danke für die Zeilen und viel viel Gutes für das Jahr 2017!

  4. […] meinen Blogartikel „Die plötzliche Konfrontation mit der Realität“ haben viele Leserinnen und Leser mitbekommen, wie mein Jahr 2017 gestartet […]

  5. […] sind für mich da. Das habt ihr nicht nur Anfang des Jahres bewiesen, als ich mit einer ziemlich harten Realität konfrontiert wurde. Buchmenschen haben allesamt einen an der Klatsche, und das ist bei Autoren äußerst gut so. […]

  6. Wolkenschloss von Twitter ;)

    Ich verstehe jetzt, warum es gleich bei mir gefunkt hat, als ich dein Profil gesehen habe. Irgendwie muss ich gerochen haben, dass du meine Situation nur allzugut nachvollziehen kannst. Ich habe mich so lange von meinem Ausbilder klein reden lassen. Habe mir einreden lassen, dass nicht meine Depression das Problem ist, sondern dass schlichtweg ich es bin. Es tut unendlich gut zu sehen und zu wissen, wie hart du dich da raus gekämpft hast. Es tut gut und gibt mir Mut, dass ich das auch schaffen kann. Ich bin nicht das Problem. Ich habe so hart gearbeitet, dass ich ausgebrannt bin. Und in Zukunft will ich härter kämpfen. Für mich. Weil ich zur Hölle noch mal nicht das Problem war! Du bist ein gutes Vorbild. Danke! (Und das Lied von den grausamen Ämtern singe ich dann das nächste mal. Ja. Die behandeln einen da richtig menschlich und mit so viel Feingefühl :DDD ha... haha...

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