Die Geräusche meines Druckers – wenn alles schläft, tut er es: mitten in der Nacht.

Mein Drucker surrt vor sich hin, schiebt das Papier Stück für Stück nach vorn und arbeitet brav und produktiv. Ohne Widerworte tut er, worum ich ihn wortlos bitte.

Er hört kein “Hallo” und auch kein “Würdest du bitte…?”. Wenn das gehörlose Ding überhaupt etwas von mir hören könnte, dann wäre es “Verdammt, wozu brauchst du Magenta für einen Schwarz-Weiß-Ausdruck?” oder “Müssen diese Streifen wirklich sein?”.

Denn ich mag sie nicht, die Streifen. Ich mag es nicht, wenn die Farben zu blass erscheinen und das Druckergebnis nicht so scharf wie erwartet ist. Und ich weiß, dass die Kommunikation mit mir und meinem Drucker eine Paartherapie gebrauchen könnte.

Foto und Gestaltung: Kia Kahawa

Foto und Gestaltung: Kia Kahawa

Die Geräusche meines Druckers sagen nichts darüber, ob er mich mit Streifen quälen oder mit verschwommenen Abbildern beleidigen möchte. Das einzige Geräusch, das mein Drucker zum aktiven Mobbing drauf hat, ist dasjenige, welches mich regelmäßig zur Weißglut bringt: Es ist das Geräusch, das ein Drucker macht, wenn er sich reinigt.

Das tut er regelmäßig und ist währenddessen nicht betriebsbereit, und zwar immer, wenn ich ihn beauftrage, etwas zu drucken. Denn meistens nutze ich dieses Multifuntkionsgerät zum Einscannen. Aber mein Drucker hat es schon geschafft, das Scannen wegen des Reinigens der Tintenpatronen zu verweigern.

Da ich als sparsames Kind erzogen wurde, drucke ich stets in Graustufen. Denn man will nichts verschwenden in der heutigen Zeit, schon gar nicht, wenn man am größten Digitalisierungs-Projekt ever steckt und plant, außer Büchern kein Papier mehr in den Schränken zu haben.

Und so reinigt er sich fleißig, druckt meine DinA4-Seite und Graustufen und ich entlasse ihn in den Schlaf. Die Geräusche meines Druckers verschwinden. Sie verstummen und ich bin zufrieden.

Das wiederholt sich einige Male, bis die Monate ins Land ziehen. Dann habe ich mit Photoshop ein neues Cover-Design fertig gemacht. Sonntag früh, weil ich ein fleißiger Sonntagsarbeiter bin.

Und Magenta ist leer.

Wie so oft hat sich mein Drucker gereinigt – und beim Reinigen Tinte verbraucht. Er lutscht Magenta aus und wartet jedes Mal bis Sonntag früh, um mir seinen Groll, seinen tiefen Hass entgegen zu schleudern.

Die Geräusche meines Druckers bringen nicht zum Ausdruck, wie frustriert ich ihn mache. Aber auch wenn ich es nicht höre, weiß ich, dass er letzten Sonntag leise – ganz leise – in sich hineingekichert hat. Mit einem teuflischen Grinsen im Gesicht.

Die Abdeckklappe öffnet sich.
Es klickt.
Jetzt schnarrt er, zieht Papier ein.
Etwas rattert kurz.
Läuft.

Magenta ist nachgefüllt, ich kann wieder drucken.

Um genau zu sein: Mein Drucker druckt für mich.

kia_kahawa

Kia Kahawa mit Baldrian-Tee*.

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