“Ich mag dich, denn du bist ein Ei.”

Diesen Satz hören manche Leute von mir und wissen erst gar nichts damit anzufangen. Wenn ich es ihnen erkläre, widersprechen sie mir meistens mit großen Wortschwüngen und guten Begründungen. Aber findet euch damit ab. Ich teile Menschen in meiner Umgebung in Eier ein. Wenn sie denn welche sind.

eier_persoenlichkeiten

Am 30. März nahm ich an einem Vortrag teil, der mir über Xing vorgeschlagen wurde. Es ging um Marketing und Authentizität. Darum, wie man seine eigene Marke etabliert und so weiter. “Persönlichkeit braucht Erfolg” war der Titel – oder so ähnlich.

Was sehr merkwürdig in den Köpfen wohl aller Teilnehmer hängen geblieben war, ist, dass der Referent viele Kurse absolviert hat, die uns allen nutzen könnten: Social Media Management, Online Redaktion und noch irgendwas, was für Autoren, Blogger und andere Selbstvermarkter von Wert sein könnte.

Der klitzekleine Haken an diesem Mann war, dass er zu Beginn erklärte, dass wir uns in einem Kloster befanden. Mitten in der Innenstadt Hannovers. In der List ein Kloster, meinetwegen!

Er erklärte unter anderem die vier Handlungsmotive, die jedem irgendwo schon einmal über den Weg gelaufen sein müssten. Warum tue ich etwas? Welches Motiv treibt mich an?

Es gibt die Leistungsmotivation (“Ich will schaffen und kreieren!”), die Machtmotivation (“Ich will etwas schöpfen, gestalten und dafür die Verantwortung haben!”), Beziehungsmotive (“Eine starke Bindung zu meinen Lesern, das will ich!”) und Freiheitsmotive (“Ich will frei sein, x zu tun.”).

Am Ende des Vortrags endete er damit, dass man im Kloster wohl eher keine Freiheitsmotive seinen Handlungen zu Grunde legen sollte. Denn im Kloster ist man nicht frei, im Gegenteil. Wie ich aus meinen Recherchen über tibetische Kloster erfahren habe, hat man dort einen strikten Tagesablauf. Das würde wohl auch in einem christlichen Kloster so sein. Außerdem lebt man im Kloster. Trägt entsprechende Kleidung. Legt Gelübte und sowas ab. Das ist definitiv nicht frei.

Auch ein Machtmotiv ist merkwürdig, wenn man als Mönch lebt. Das versteht sich irgendwo von allein.

Dieser Mensch war mir sympathisch und er hat seinen Vortrag authentisch und gut über die Bühne gebracht. Aber ein Problem hatte ich mit ihm: Er war kein Ei.

Wenn ich Menschen begegne und sie ein bisschen begleiten, also von der Seite studieren kann, fällt mir oft auf, ob das Äußere und die Persönlichkeit zusammengehören.

Ist jemand nach eigener Aussage sehr offen und hat einen aufrechten Gang, kommt das hin.

Spricht jemand sehr viel über Themen, die ihn interessieren und mitreißen und nimmt dabei ernste Themen in Anspruch, nehmen wir mal Weltfrieden oder Regenwälder, so braucht er eine gewisse Ausstrahlung und ein gewisses Auftreten, um bei mir als “Ei” zu gelten.

Das heißt nicht, dass ich durch die Welt laufe und alles und jeden in Schubladen, also Eier unterteile. Nein, im Gegenteil: Es geht dabei einzig und allein um mich selbst.

Ich selbst bin nämlich kein Ei.

Mich selbst würde ich als schüchtern und introvertiert bezeichnen. Ich bin gerne unter Menschen, die ich gut kenne und fühle mich dann sehr wohl. Unter anderem mein Kollege und Freund Jens van der Kreet hat festgestellt, dass ich sehr offen auf andere Menschen zugehen kann. Bei einem Meet & Greet unseres Vereins habe ich es schnell geschaft, die schüchternen Neuen, die an den BartBroAuthors interessiert waren, zusammenzuraufen und zum Lachen und sich gegenseitig Kennenlernen zu bringen. Das ist nicht eierhaft. Eierlike. Wie nenn ich das? Eiig?

Meine Stimmung schwankt wie die eines jeden Menschen – bestimmt ist mein Schwankungshang im Vergleich zu anderen Medikamentenabhängigen Depressiven und Schilddrüsenkranken absolut im Normbereich. Dennoch kann ich mich nicht als Ei bezeichnen.

Irgendwo bin ich nicht stabil und daher kein Ei. Viel zu viel lebt bei mir unter der Oberfläche und wurde weder verarbeitet, noch in dieses große Konstrukt namens Persönlichkeit eingewoben. Ich bin gewissermaßen ein Ei mit Löchern. Oder ein kaputtes Ei, das geflickt werden soll.

Ja, so wie das bei einem Teetext nunmal ist, schreibe ich hier zusammenhangslos das, was ich denke und weiß gar nicht, worauf ich hinaus will. Ich würde mich freuen, wenn du dir selbst Gedanken machst, ob du ein Ei bist oder wie eines wirkst. Und was der Unterschied dazwischen ist. Und ob das überhaupt relevant ist.

Mein Tee ist jedenfalls mal wieder kalt und daher überlasse ich das Zurechtspinnen des wie üblich offenen Endes den Lesern der Teetexte.

Achso, frohe Ostern oder so. Jetzt weiß ich, wieso ich auf Eier kam!

kia_kahawa

Kia mit Salbei-Tee*.

 

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