Kia fragt

Frauen werden den Buchmarkt erobern

25. Mai 2017

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Frauen werden den Buchmarkt erobern

Julia Hartmann, eine wahre Allrounder-Schriftstellerin, steht mir heute Rede und Antwort in diesem Interview zur Autorinnenzeit.

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Julia Hartmann im Interview #Autorinnenzeit

Hallo Julia! Du hast ein Mathe-Übungsbuch sowie ein Kinderbuch veröffentlicht und plötzlich hast du eine Dystopie geschrieben und dafür auch noch einen Verlag gefunden. Erst Mal vorweg von mir: Herzlichen Glückwunsch! Du bist die Querbeet-Autorin, die ich in dieser Interview-Reihe interviewen möchte. Starten wir gleich mit der ersten Frage: Wie kommst du dazu, eine Dystopie zu schreiben?

Die ursprüngliche Idee zu dieser Geschichte kam von Kristof Drzymalla von der Firma Jungtrieb aus Braunschweig. Er hat für seine Idee nach einer Autorin gesucht und mich gefunden.

Nach ein paar Telefonaten, in denen er mich mit den groben Infos versorgt hat, war mir klar, dass ich das auf jeden Fall schreiben möchte.

Ich hatte zuvor auch schon eine dystopische Geschichte für Jugendliche Geschrieben, kannte mich also in dem Genre schon etwas aus.

Klingt, als wärst du schriftstellerisch sehr offen für Neues. Wirst du noch weitere Genres ausprobieren? Was kann man noch von dir erwarten?

Ich arbeite zur Zeit an einem Roman, der als Urban-Fantasy durchgehen könnte. Ich bin prinzipiell offen für alles, was Spannung und Action enthält. Was man nicht von mir lesen wird, sind Liebesromane.

Eine Frau in der Autorinnenzeit, die offenbar keine Liebesromane mag! Absolut gegen das Klischee, das finde ich super. Warum kommen dir Liebesromane nicht in die Tüte, was dein Schaffen angeht?

Ich lese Liebesromane nicht gerne. Ich finde die Charaktere in solchen Romanen oft stark überzeichnet und die Probleme berühren mich meist nicht so, wie es in anderen Genres der Fall ist.

Natürlich gibt es auch hier sicher Ausnahmen. Aber meine bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich haben mich eher nicht angesprochen.

A propos Bereiche: Ich frage dich hier mal für alle drei Bereiche, die deine Veröffentlichungen bisher abdecken: Bist du als Frau eher allein aufgestellt, oder sind die ähnlichschreibenden Kollegen selbst überwiegend Frauen?

Ich denke, dass der Bereich der Dystopie eher von Männern dominiert wird. Im Bereich Fantasy gibt es schon deutlich mehr Frauen unter den Verfassern. Bei Mystery hängt es stark davon ab, welche anderen Genres mit in die Geschichte hineinspielen. Spielen die “harten” Genres (Horror, Thriller, etc.) mit hinein, sind es mehr Männer. Wenn Liebesgeschichten und Fantasy eine Rolle spielen, sind mehr Frauen dabei. Aber insgesamt sind die Frauen noch immer in der Minderheit.

Wobei ich glaube, dass das Problem nicht darin liegt, dass es weniger Autorinnen gibt als Autoren, sondern dass die Leser das Gefühl haben, dass Frauen in den “harten” Genres nicht so gut schreiben wie Männer.

Was glaubst du, woran liegt das?

Ich vermute, dass das an den klassischen Rollenbildern innerhalb der Gesellschaft liegt, die bei den Lesern noch immer stark verankert sind.

Also ganz übertrieben gesprochen vermuten viele Leser, dass Frauen “Liebesschnulzen” schreiben und Männer “Horrorthriller”.

Ich hatte neulich schon Elenor Avelle bei mir im Interview. Sie hat auch eine Dystopie geschrieben und sagte zu den klassischen Rollenbildern: “Ein forscher Mann ist durchsetzungsfähig, eine forsche Frau ist streitsüchtig. Umgekehrt ist es bei der Eigenschaft sensibel.”. Was denkst du dazu? Ist es das, was du meinst?

Ja, das geht in die Richtung. Die Gesellschaft erwartet eben von Frauen, dass sie sich mit der Gefühlswelt auseinandersetzen und von Männern, dass sie sich um das “Grobe” kümmern. Wenn dann ein Frauenname auf dem Cover eines Thrillers steht, fragt sich der Leser, ob die Autorin diesen Bereich so beschreiben kann, wie ein Mann.

Also das gilt natürlich nie für alle Leser. Ich nehme diese Tendenzen in Gesprächen mit Kollegen und Schülern jedoch so wahr.

Dabei gibt es eine Menge toller Autorinnen im Bereich Dystopie.

Gerade als Multitalent ist es schwer, sich festzulegen. Daher frage ich dich ganz gezielt: Wer ist deine einzige, absolute Lieblingsautorin und warum?

Das ist eine schwierige Frage. Ich habe nämlich eine ganze Menge Lieblingsautorinnen, wie z.B. Ursula Poznanski, Jennifer Rush, Astrid Lindgren und Nina C. Hasse. Aber da ich mit den Harry Potter-Romanen aufgewachsen bin und diese Bücher wirklich liebe, ist J.K. Rowling meine Nummer 1.

An den H.P.-Romanen gefällt mir besonders gut, dass es eine Verknüpfung zwischen Realität und Fantasy-Welt gibt und dass es eine Menge glaubwürdiger und heroischer Charaktere gibt. Es gibt viel Action und Spannung und die Liebesgeschichten spielen nur eine untergeordnete Rolle.

J.K. Rowling ist auf jeden Fall eine inspirierende Frau. Ich habe sie mir selbst zum Vorbild gesetzt und bin auch ein riesiger Fan von Harry Potter. Viele gute Bücher werden über die Grenzen des eigenen Landes hinaus verkauft und übersetzt. Mir fällt da ein Fakt zum deutschen Buchpreis ein.

29 Prozent der Romanübersetzungen aus dem Deutschen ins Englische stammen von Autorinnen. Von den Gewinnerinnen des deutschen Buchpreises wurden nur die Hälfte der Gewinnerbücher ins Englische übersetzt, bei den Männern waren es alle bis auf einen. Glaubst du, das Problem mit Autorinnen in der Literaturbranche ist ein globales Problem?

Ich könnte mir vorstellen, dass die Geschlechterrollen in den westlichen Gesellschaften ähnlich sind. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es üblich, dass der Mann den Beruf ausübte und die Frau kümmerte sich um den Herd, das Haus und die Kinder und in gebildeten Familien auch die schönen Künste. Daher ist es nicht verwunderlich, dass zu dieser Zeit überwiegend Autoren ihre Bücher veröffentlichten und nicht die Autorinnen.

Vielleicht liegt darin das etwas altertümlich anmutende Denkmuster begründet, das zu deinen eben genannten Veröffentlichungszahlen etc. führt.

Wie glaubst du, wird sich das verändern? Werden Frauen den Markt erobern, wenn wir so weitermachen wie bisher?

Davon bin ich fest überzeugt! Und zwar meiner Meinung nach durch Qualität.

Dazu benötigt es allerdings auch Leser, die den Mut haben, nicht auf den Autorennamen zu schauen, sondern sich einfach auf die Geschichte einzulassen.

Da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich bin als Antisexistin eine starke Verfechterin der Meinung: “Geschichte ist Geschichte, Buch ist Buch”. Denn darum soll es den Lesern gehen. Mit meinen Fragen bin ich nun am Ende. Hast du ein Fazit für unsere Leser?

Liebe Leser, traut euch, ein Buch nach eurem Geschmack auszusuchen, auch wenn es in diesem Genre untypisch ist, dass ein Buch von einer Frau oder (je nach Genre) einem Mann geschrieben wurde. Lest Thriller, Mystery-Romane, Liebesromane, Horrorgeschichten, Dystopien und Fantasy-Romane von Autoren UND Autorinnen.

Vielen Dank für das tolle Interview! Wir brauchen mehr Frauen, die so wie du davon überzeugt sind, dass unsere Branche von Frauen gleichermaßen erobert werden kann wie von Männern. Ich finde es sehr toll, das du ein Teil davon bist und ich dich interviewen durfte und kennenlernen darf.

Vielen Dank für das nette Gespräch. Ich freue mich, dass ich in deiner Interviewreihe dabei sein darf!

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Julia Hartmann ist Lehrerin an einer IGS und Autorin in den Genres Dystopie und Mystery mit Einschlägen aus Fantasy und Horror. Ihre Dystopie wird im Chaospony Verlag veröffentlicht.

Facebook: fb.me/JuSTAkikoHana
Twitter: @AkikoHana1
Website: just-art.de

Im nächsten und letzten Interview der #Autorinnenzeit werde ich Nika Sachs begrüßen dürfen.

Kia (*1993) produziert. Gedanken mit Menschen teilen - ob als Blog, Roman, Zeichnung, Musikstück, Sachbuch oder Hörspiel - das ist es, was am Produzieren so fasziniert.
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