FLUX – Zugzwang – #24Autoren mit Timon L. Thöne

Drei Staaten. Drei Kulturen. Eine Ressource.
Der Kampf um die ätherische Energie des Flux zerriss unsere Welt. Ich erkenne sie nicht wieder.

timon

FLUX – Zugzwang

Berittene Boten stürmten durch die Alleen, weckten das Schlendernde Fußvolk. Erst wirkte es chaotisch, doch begriff Lycon die großstädtische Betriebsamkeit schnell und passte sich an, kam so ohne Zwischenfälle zum Marktplatz.
Stände, Händler, Tiere. Überall wurde gefeilscht. Das Ambiente glich einem Basar, dennoch lief alles sehr geordnet ab. Regelmäßig bemerkte er die Truppen der Stadtwache und registrierte ihre Ausrüstung, wobei ihm die Zeilen aus seinem kürzlich gelesenem Titel in den Sinn kamen:

„Leichte Plattenrüstung, faserverstärkt, für das ideale Verhältnis von Schutz und Mobilität. Dazu stets orange goldene Umhänge mit Hoheitszeichen. Die Bewaffnung umfasst Schwert und Fluxlanze. Letztere ist eine Kombination aus Klinge, Stichwaffe und Energiegewehr.“
Er lächelte. „Das meiste habe ich behalten.“ Zügig zog er weiter, orientierte sich dabei am alles überragenden Palast. Nach einer weiteren Allee kam er am Truppensammelplatz an, der rund um den weitläufigen Garten des Regierungssitzes angelegt war.

Dort bemerkte er eine Menge Zerer, die sich vor dem Haupttor, seinem Ziel, versammelt hatten. Neugierig ritt er zu ihnen sah, dass sie einen großen Kreis um zwei Personen bildeten. Zuerst fiel sein Blick auf die junge Frau in leichter Rüstung. Ihr langes, blondes Haar flatterte leicht, die blauen Augen funkelten und strahlten Selbstsicherheit aus.
„Diese Stiefel … Seide, die aerodynamische, extrem leichte Rüstungskonstruktion … das ist von immensen Wert!“ Eingängig betrachtete er sie, besonders die mächtigen Metallhandschuhe verwunderten ihn. „Das ist nicht üblich … und kein Hoheitszeichen?!“ Er bangte, hoffte, keinem Attentäter über den Weg gelaufen zu sein.
Das Mädchen hob seinen Arm, ihr stählerner Handrücken leuchtete auf, offenbarte eine Mischung aus Bronze und Silber. Der lediglich an der Schulter des gehobenen Arms befestigte Umgang stimmte ein mit dem flatterndem Haar, offenbarte einen metallbeschlagen Ledergürtel – doch keine Waffe?

Ihr Widersacher war ein Heerführer Rhiels, wie Lycon an dem Hoheitssymbol erkennen konnte. Die typische, mit Gold verzierte, Plattenrüstung die in der Mittagssonne erstrahlte, der orange goldene, mit dem Muster besticktem Umhang. Sein Gesicht schien freundlich, jedoch sah er konzentriert aus. Er zog sein Langschwert und richtete dieses auf das Mädchen.

“Auf ein Neues?”, fragte das Mädchen herausfordernd.
“Oh ja…“, entgegnete der Hauptmann motiviert und begab sich in Kampfhaltung, wobei er beide Hände an sein Schwert anlegte. “Und diesmal gewinne ich!”
Das Mädchen musste schmunzeln.
“Nun gut, aber seid nachher nicht allzu enttäuscht.”

Ihre tiefblauen Augen leuchteten auf, ein blauer Lichtblitz schoss aus ihrer Hand hervor, formte Partikel um Partikel eine vor Perfektion erstrahlende Klinge. Dunkelstahl, poliert. Am Schwert Schaft funkelte der von einer metallische Totenmaske abgeschirmte Kristall. Gravuren und Verzierungen glühten auf, der Griff war von schwarzem Leder ummantelt.
Lycon traute seinen Augen kaum, starrte wie gebannt auf die Waffe.
„Von der habe ich gelesen!“, dachte er.
„Sisecti, Klinge der Aszendentin Vriventra! Eine Reliktwaffe aus der alten Zeit – als das Volk der Zerer noch von den damaligen Göttern, den Aszendenten, versklavt war. Gerade einmal zwölf davon haben die Zeit überdauert und sind im Besitz von…“
„Viel Glück.“, sagte sie spöttisch, ihre Klinge einhändig auf den Hauptmann richtend. Ein Grinsen zeichnete sich auf dessen Gesicht ab und unvermittelt, geschossartig, stürmte er vor, schlug beidhändig nach ihr – verfehlte! Mühelos wich sie aus, entfesselte einen blauen Lichtblitz, schoss in die Luft, über ihn hinweg attackierte ihn von Oben. Drehung im Sprung, über das Ziel hinweg, ein weiter Hieb mit der flachen Schwertseite – Kollision mit dem Rücken. Metallischer Schlag, der Hauptmann flog zu Boden, rollte sich nach vorne ab, sprang gegen einen Wall und stieß sich mit einer blau funkelnden Schockwelle von diesem ab.

Das Mädchen, derweil, landete stilvoll, weit hinter ihm, erstrahlte erneut, preschte dem Hauptmann entgegen. Mit unaufhaltsamer Gewalt schlugen ihre Klingen aufeinander, der helle Klang des Stahls stoppte die Zeit – zumindest für einen Augenblick – dann ein kaum überschaubares Gefecht. Eine Sinfonie von klirrendem, aufeinander schlagendem Metall entfaltete sich und ein Kampf, geprägt von Schlägen sowie Kontern, begann. Fehlerlos wurden beide immer schneller, ihre Auren wuchsen an.

Plötzlich bekam das Mädchen die Klinge ihres Widersachers mit der gepanzerten Hand zu fassen, lenkte sie in ihrer Bewegung ab und stieß dabei kräftig mit ihrem Schwertgriff zu. Erneut warf es den Hauptmann zurück. Er blickte angestrengt, keuchte – sie schien unbeeindruckt, strich sanft über ihre Klinge, warf dem Hauptmann einen unschuldigen Blick zu.
„Na warte …“, sagte er, fasste sich und nahm sein Schwert erneut beidhändig, begab sich in eine neue Kampfhaltung. Sie tat es ihm gleich. Ein Moment der Stille, Blicke wurden ausgetauscht. Die Menge starrte gebannt, allen voran Lycon.

Es war ein orange schimmerndes Ahornblatt, das die elektrisierte Luft durchschnitt, die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf sich zog und beinah vergessen ließ…
Knall, flammende Auren folgten den Waffen – die Kollision stand bevor – Ausfallschritt!
Der Hauptmann wich ihr aus, begab sich in die Luft, vollführte einen Aufschlagschwung – traf das Mädchen am Arm! Doch hielt sie die Klinge fest, katapultierte sich über ihn – das Bild manifestierte sich für den Bruchteil einer Sekunde, ehe sie kometenartig zu Boden schoss.

Dem dumpfen Aufschlag folgten Staubwogen. Als sich die Bühne lichtete, konnte Lycon einen kleinen Krater erkennen. Etwas gekrümmt steckte der Hauptmann im Boden fest, auf ihm das Mädchen in der Hocke, den Kopf gesenkt. Energetische Signaturen durchzogen den sich verziehenden Staub, wurden Schwächer. Sie hob den Kopf, richtete sich auf, Schritt von ihrem Widersacher, wobei ihre Waffe zu Funken zerfiel.
„Ich habe euch gewarnt, Therion.“ Sie grinste und half ihm auf.

Zwei Wachen nahmen ihr den Hauptmann ab.
„Ihr seid unglaublich stark. Euer Vater kann stolz auf euch sein.“ Er hustete, versuchte allein zu stehen, musste sich aber seinen Kollegen stützen lassen.
„Ich brauch erstmal ein Bier.“ Sie lachte.
„Gebt dem Geschlagenem einen aus, er hat es verdient.“ Applaus der Menge, sie bejubelte beide Akteure. Lycon blieb verblüfft stehen und bemerkte gar nicht, dass sich die Menge um ihn nach und nach aufzulösen begann.
„Wer ist sie?!“, fragte er sich.
„Hey, du bist Lycon, oder?“ Plötzlich stand sie vor ihm, grinste und reichte ihm die Hand.
„Woher kennt ihr meinen Namen?!“ Verunsicherung sprach aus ihm, sie schien amüsiert.
„Ich bin Kara, Tochter des Zeron und ich soll dich empfangen.“ Zögerlich schüttelte er ihre Hand.
„Ähm, ja, hallo.“, stockte er. „Was war das da eben?” Ein schnell gesponnener Gesprächsfaden mit dem er versuchte, seine Überforderung zu kaschieren. Kara grinste, spielte mit und erzählte fröhlich drauf los.
„Ach, Hauptmann Therion mit seiner Truppe. Die sind meine Leibgarde, sollen mich beschützen. Überflüssig wie du siehst. Sie begleiten mich seit ich denken kann und haben mich auch das Kämpfen gelehrt. Eines Tages dann forderte mich der Hauptmann heraus und ich bezwang ihn knapp. Seitdem versucht er mich zu besiegen. Wir kämpfen wöchentlich und da ich gelangweilt auf dich warte musste, habe ich mich entschlossen, ihm ein Duell anzubieten.“ Sie lachte. Lycon wirkte irritiert und versagte damit vollends mit der Verschleierung seiner eigenen Überraschung.
„Du prügelst dich also mit deiner Leibgarde, wenn dir langweilig wird?!“
„Warum auch nicht?“, fragte sie ganz verdutzt, was Lycon einerseits belustigte, andererseits auch dazu brachte es einfach nicht zu hinterfragen.
„Die besten Duellanten des ehemaligen Imperiums.“, dachte er. „Kein Wunder das sie aus Rhiel kommen.“ Noch immer starrte sie ihn erwartungsvoll an, ein neuer Gesprächsfaden musste her.
„Woher wusstest du, dass ich der bin, auf den du wartest?“ Skeptischer Blick.
„Neben dir steht ein Reisepferd und du hast gestaunt wie ein Kind. Dein erstes Duell?“
„Ertappt.“, seufzte er, sich über seine offensichtlich redundante Frage ärgernd.
„Für die Leute hier ist das Alltag, da fällt das nun mal auf.“ Sie sah ihm an, was er dachte.
„Okay, okay.“, sagte er. „Aber wie hast du das trotz des Duells bemerken können? Ich war doch nur einer von vielen.“ Sie grinste.
„Das erzähle ich dir später. Du wirst erwartet.“

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