Betriebskostenpauschale für Schriftsteller & mehr

Im Steuerrecht gibt es zahlreiche Vereinfachungsmöglichkeiten, sodass auch du als Autor davon profitieren kannst, wenn du deine Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellst oder deine Steuererklärung anfertigst.

Das Schwierige an diesen vereinfachenden Maßnahmen ist, alle im Kopf zu behalten und nichts zu vergessen, wenn man unter Belegen und Formularen untergeht. Dafür habt ihr “Autoren an die Steuer” – hier gibt es auf einen Blick fast alles, was ihr an Pauschalen, Freibeträgen und co gebrauchen könntet.

Pauschalen, Freibeträge und co: Betriebskostenpauschale und Nichtbeanstangunsgrenzen

 

Ein paar Infos vorweg: Mit dem Jahr 2018 wurden einige Zahlen geändert.

Der Freibetrag für die Einkommensteuer, also der Betrag, ab welchem man überhaupt Einkommensteuer zahlen muss, beträgt nun 9.000,00 € (§ 32a Abs. 1 EStG). Das ist das sogenannte zu versteuernde Einkommen, welches am Ende der Steuererklärung übrig bleibt und veranlagt wird.

Der gesetzliche Mindestlohn beträgt seit dem 01. Januar 2018 nicht mehr 8,50 €, sondern 8,84 €. Das gilt natürlich nur für abhängige Beschäftigte. Als selbstständiger Autor kannst du weiterhin zu deutlich geringeren Sätzen arbeiten und beispielsweise nur 0,42 € pro Stunde verdienen.

Die Beitragsbemessungsgrenze für die Versicherungspflicht in gesetzlichen Krankenkassen ist im Jahr 2018 von 57.650,00 € auf 59.400,00 € gestiegen. Verdienst du mehr, zahlst du nicht mehr prozentual mehr Krankenversicherung, sondern den gedeckelten “Höchstbetrag”. Nennen wir es mal so; das ist sehr grob ausgedrückt, aber da sich “Autoren an die Steuer” an Kleinunternehmer richtet, ist diese Information eher beiläufig.

 

Betriebskostenpauschale als Schriftsteller

 Verdienst du als Autor nur wenig Geld, so kann die Betriebskostenpauschale für dich interessant sein. Anstelle der aufgetretenen Kosten kannst du eine Pauschale als Betriebskosten abziehen. Egal, ob du 100,00 € oder 200,00 € Ausgaben hattest, du kannst beispielsweise 30 % deiner Einnahmen als Ausgaben abziehen.

So viel zum Prinzip der Betriebskostenpauschale. Doch ich möchte das gerne genau erläutern.

Gehst du einer hauptberuflichen, selbstständigen, schriftstellerischen oder journalistischen Tätigkeit nach, kannst du von deinen Einnahmen 30 % als Betriebskosten abziehen, wenn sich deine Einnahmen auf nicht mehr als 8.183,33 € belaufen. Die maximal abzuziehende Betriebskostenpauschale beträgt 2.455,00 € jährlich. Verdient du mehr als 8.183,33 €, so bleibt der Betrag von 2.455,00 € als “Deckel” erhalten. Das ist in den Hinweisen zum Einkommenteuergesetz geregelt, genauer in H 18.2 EStH.

Beispiel:
Du verdienst 15.000,00 € durch deine hauptberufliche Autorentätigkeit. Deine Ausgaben belaufen sich lediglich auf 1.000,00 €. Statt 14.000,00 € als Gewinn zu behandeln und zu versteuern, kannst du 30 % deiner Einkünfte als Betriebskostenpauschale abziehen – bis zum Höchstbetrag von 2.455,00 €.
30 % von 15.000 sind 4.500,00 €. Das kannst du nicht pauschal abziehen. Aber du kannst den Deckelbetrag von 2.455,00 € abziehen und somit 12.545,00 € Gewinn (statt 14.000,00 €) geltend machen. Obwohl du in der Realität nur 1.000,00 € Betriebsausgaben hattest!

In derselben Regelung steht, dass du 25 % der Betriebseinnahmen als Betriebsausgaben abziehen kannst, wenn du deine schriftstellerische (oder wissenschatftliche oder künstlerische) Tätigkeit als Nebentätigkeit ausübst. Dabei gilt ein Höchstbetrag von Einnahmen in Höhe von 2.456,00 €. Der mit 25 % abzuziehende Höchstbetrag der Betriebskostenpauschale beträgt 614,0 €.

Beispiel:
Du verdienst 1.900,00 € im ersten Jahr deines Autorendaseins, hast aber noch einen Brotjob nebenbei. Deine Ausgaben für Buchmessepräsens, Druckkosten und Werbung belaufen sich für dieses Jahr auf 330,00 €.
Du kannst die Einnahmen von 1.900,00 € und die Ausgaben von 330,00 € gegenüberstellen und erhältst so einen Gewinn aus der selbstständigen Nebentätigkeit von 1.570,00 €. Dieser Betrag wird auf dein Brotjob-Überschuss zugerechnet und gemeinsam als zu versteuerndes Einkommen behandelt.
Mit der Betriebskostenpauschale kannst du die Belege für deine 330,00 € teuren Ausgaben ignorieren und veranlagst 25 % von 1.900,00 €. Diese fiktiven 475,00 € Ausgaben ergeben einen Gewinn von 1.425,00 €.

Übrigens gibt es gute Nachrichten für Schreibcoaches und Schreibwerkstatt-Leiterinnen: Fällt deine Tätigkeit unter § 3 Nr. 26 EStG, können 2.400€ Übungsleiterfreibetrag in Anspruch genommen werden. Das ist steuerfrei – und natürlich kann man bei Steuerfreiheit keine Betriebskostenpauschale nutzen.

 

Abgabefrist für deine Steuererklärung

Eine weitere Änderung, die mit dem Jahr 2018 ins Land gezogen ist, ist die Frist, bis zu welcher deine Steuererklärung erledigt sein muss. Was bisher der 31. Mai war, ist ab jetzt Ende Juli. Das gilt aber nicht für den Veranlagungszeitraum 2017: Diese Steuererklärung muss bis zum 31.05.2018 erledigt sein.

Deine Steuererklärung für 2018 darfst du bis zum 31. Juli 2019 einreichen.

Hast du einen Steuerberater, hat dieser nicht mehr bis zum 31.12.2019 Zeit, sondern bis zum 28. bzw. 29. Februar 2020, um deine Steuererklärung für 2018 zu erstellen und an das Finazamt zu übermitteln.

Geregelt ist das in §149 der Abgabenordnung.

  

Pauschalen für deinen Brotjob

Wenn du einer nichtselbstständigen Tätigkeit neben der selbstständigen Schriftstellerei nachgehst, kannst du folgende Pauschalen bzw. Nichtbeanstandungsgrenzen in Anspruch nehmen. Diese beziehen sich auf Werbungskosten, also die Kosten, die im Zusammenhang mit deiner abhängigen Beschäftigung (Brotjob) entstehen.

Die Entfernungspauschale wird mit 0,30 € pro Entfernungskilometer (d.h. die einfache Fahrt, nicht hin und zurück) zur ersten Tätigkeitsstätte berechnet. Multipliziere dazu die Entfernung zu deinem Arbeitsplatz mit 0,30 € und den gearbeiteten Arbeitstagen des Jahres.

Du weißt nicht, wie viele Arbeitstage du im Jahr 2017 gearbeitet hast? Kein Problem! Bei schulferien.org kannst du eine Liste mit Arbeitstagen pro Bundesland pro Monat einsehen. Ziehe von der sich daraus ergebenen Zahl einfach alle Urlaubs- und Krankheitstage ab und du erhältst den richtigen Wert.

Beispiel: Du hast im Jahr 2017 in Bremen vom 01. Februar bis 31. Dezember gearbeitet. Die erste Tätigkeitsstätte ist 16 Kilometer entfernt. Du hattest 28 Urlaubstage und warst 6 Tage krank.
Du rechnest die gesamten Arbeitstage (251) minus Urlaub minus Krankheit minus Januar (da der Beginn erst am 01. Februar war). Du hast also 251 – 28 – 6 – 22 = 195 Tage gearbeitet.
Für die Entfernungspauschale rechnet man: 195 * 0,30 € * 16 km = 936,00 €. Das ist deine Entfernungspauschale für die Anlage N.

Wichtig: Mehr als 4.500,00 € kannst du nicht mit der Entfernungspauschale für deinen Weg zur Arbeit abziehen. Fahrkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel kannst du selbstverständlich auch nicht abziehen, wenn du die Entfernungspauschale in Anspruch nimmst.

 

Dann gibt es noch die Arbeitsmittel. Du brauchst nicht jeden Beleg für Kopierpapier, Lineal, Kugelschreiber & co aufbewahren, sondern hast eine pauschale Abzugsmöglichkeit von 110,00 € für Arbeitsmittel, die mit deiner nichtselbstständigen Tätigkeit zusammenhängen.

Das ist keine Pauschale, sondern eine sogenannte Nichtbeanstandungsgrenze des Finanzamts.

 

Auch Kontoführungsgebühren enthalten eine tolle Pauschale für dich. Auch bei kostenlosen Girokonten kannst du pro Jahr 16,00 € pauschal geltend machen, wenn dein Gehalt aus nichtselbstständiger Arbeit auf dein privates Konto fließt. Hast du für deine selbstständige Tätigkeit, kannst du selbstverständlich die gesamten Kontoführungsgebühren in voller Höhe abziehen.

Auch die Telefonkosten kannst du pauschal abziehen. 20 % deiner privaten Telefonkosten kannst du in der Anlage N als Werbungskosten geltend machen, wenn du auch geschäftliche Gespräche über das Privattelefon tätigst. Dieser Betrag ist auf maximal 20,00 € pro Monat gedeckelt. Aber im Ernst: Wer zahlt schon mehr als 100,00 € für sein Telefon? 😉

Last but not least kannst du Bewerbungskosten für deinen Brotjob pauschal abziehen. Das geht in Höhe von 8,50 € pro schriftlicher Bewerbung und 2,50 € pro Bewerbung per Mail. Ob sich aus dem Bewerbungsmarathon eine neue Stelle ergeben hat, ist dabei egal. Bist du auf Jobsuche, erstattet dir die Agentur für Arbeit aber unter Umständen pauschal 5,00 € pro schriftlicher Bewerbung. In diesem Fall würde ich die Kosten nicht in dieser Höhe absetzen. Ich persönlich würde mich eh wohler fühlen, wenn ich Druckkosten, Bewerbungskosten, Fahrtkosten und co separat absetzen würde.

Meine Quellen für den Abschnitt über Werbungskosten sind unter anderem “Steuerlehre” vom Europa-Verlag, finanztip.de, kontoführungsgebühren.net, fr.de und buhl.de.

 

 

An diesem Artikel über die Betriebskostenpauschale als Schriftsteller, Werbungskosten und Nichtbeanstandungsgrenzen sowie Neuerungen im Steuerrecht 2018 und an “Autoren an die Steuer” verdiene ich bisher keinen Cent. Ich würde mich sehr freuen, wenn du mir bei Patreon einen Dollar (derzeit 93 Cent in etwa) spenden würdest. Ich hoffe, dich dort in der Patron-Community begrüßen zu dürfen und dass dir die Artikel der Serie “Autoren an die Steuer” mindestens etwas weniger als einen Euro wert sind. Dazu erhältst du auch Zugriff auf vorgelesene Kurzgeschichten, Podcasts und sonstige exklusive Inhalte. Die Chance, ein signiertes Exemplar eines meiner Bücher zu bekommen, hast du übrigens auch.

http://patreon.com/kiakahawa

 

Hast du alles verstanden soweit? Lass es mich in den Kommentaren wissen! Lob, Kritik und Anregungen nehme ich jederzeit gerne entgegen.

Jedenfalls: Lass’ mir einen Kommentar da und lass’ mich wissen, was dich noch interessiert 😉

kia_kahawa

Die Artikel aus der Reihe “Autoren an der Steuer” wurden nicht von einem Steuerberater verfasst und ersetzen keine professionelle Beratung. Für individuelle Beratung suche bitte einen Steuerberater auf. Mein Ziel ist es lediglich, allgemeine Informationen auf dem Gebiet der Steuern für meine Leser bereitzustellen und insbesondere Autoren Hilfen zur Orientierung an die Hand zu geben. Alle Angaben ohne Gewähr.

4 Gedanken zu „Betriebskostenpauschale für Schriftsteller & mehr

  • Hi Kia,

    Ich habe mich den ganzen Tag mit dem Thema beschäftigt aber alles im Internet ist so unklar… zum Glück habe ich diesen Artikel gefunden! Danke schön.
    Ich habe nur noch eine Frage: wenn ich meine schriftstellerische Tätigkeit als Nebentätigkeit ausübe, soll ich mich vorher als Freiberufler oder Gewerbetreibende beim Finanzamt anmelden?

    Danke!

    • Hi David!
      Danke für deinen Kommentar. Prinzipiell ist es immer ratsam, mit dem Finanzamt zu sprechen. Ich habe meinen sogenannten “Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” schon 2011 ausgefüllt, damals noch mit Unterschrift meiner Mutter wegen Minderjährigkeit, und seitdem mache ich meine Steuererklärung und gebe jeden Cent an. Wenn du dir über das Freiberufler/Gewerbetreibender-Thema den Kopf zerbrichst, könnte dieser Artikel hilfreich für dich sein.
      Ich hoffe, ich konnte dir helfen 🙂
      Liebe Grüße
      Kia

  • Hallo Kia,

    schöner Artikel – alles sehr gut zusammengefasst. Ich frage mich dennoch, wie es aussieht, wenn ich Arbeiten an einen anderen Selbständigen/Freiberuflichen abgebe. Fallen die Ausgaben (Rechnungsbeträge) auch unter die Pauschale von 30 Prozent oder kann ich das gesondert als Ausgabe angeben? Danke schon mal für die Teilung deines Wissens :-).

    Gruß Lia

  • Hallo Kia,

    schöner Artikel – alles sehr gut zusammengefasst. Ich frage mich dennoch, wie es aussieht, wenn ich Arbeiten an einen anderen Selbständigen/Freiberuflichen abgebe. Fallen die Ausgaben (Rechnungsbeträge) auch unter die Pauschale von 30 Prozent oder kann ich das gesondert als Ausgabe angeben? Danke schon mal für die Teilung deines Wissens :-).

    Gruß

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Willst du up to date bleiben?



Abonniere den Newsletter und werde über jeden neuen Beitrag auf kiakahawa.de informiert.

Manchmal buggt dieses Formular! Nutze statt dessen diese Seite: Newsletter.