Kia fragt

Wie ist das so, einen eigenen Verlag zu haben?

14. Mai 2018

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Wie ist das so, einen eigenen Verlag zu haben?

 

Hallo Farina,

ich habe eines deiner Bücher im Hugendubel Hannover gesehen. Es stand da einfach im Regal. Nun interessiert mich, wie dein Buch von deinem Kopf bis ins Barsortiment einer großen Buchhandlung geraten ist.

Nachdem du Zähmung – das Vermächtnis der Wölfe (Oder war Jamil zuerst?) fertiggestellt hast, wie bist du vorgegangen? Hast du sofort in ein professionelles Cover, Lektorat und Buchtrailer investiert?

Ich habe mich schon um einiges gekümmert, während ich noch an Zähmung schrieb. Ein Cover war mir da als erstes wichtig – es hat das Ganze für mich irgendwie besonders real gemacht. Wie ein Motivationsboost. Da ich eine relativ genaue Vorstellung hatte, wie die Buchreihe aussehen soll, habe ich selbst Skizzen gemacht und anschließend in einem Designwettbewerb nach einem tollen Designer gesucht. Trailer habe ich bisher selbst gemacht beziehungsweise mit Freunden zusammen und das Lektorat mache ich auch komplett in Eigenregie mit bekannten Lektoren. Beim ersten Buch habe ich noch in ein bezahltes Korrektorat investiert, doch das Geld war leider eher schlecht investiert, da danach immernoch viele Fehler auftauchten – das mache ich nun auch doppelt, aber das dauert natürlich dann länger.

Wo hast du den Designwettbewerb veranstaltet und wie lief das ab?

Ich habe dafür die Plattform „Designcrowd“ genutzt. Dort kann man Wettbewerbe mit Preisgeld ausloben, das dem „Gewinner“ gehört, den man auswählt. Ich hatte schon Skizzen und sehr genaue Vorstellungen, beschrieb das alles in einem Text mit Bildern und bekam dann von Designern jede Menge verschiedene Vorschläge und Entwürfe. So fand ich meinen Designer, der das, was ich wollte, einfach perfekt umsetzte.

Warum bist du beim Korrigieren nicht betriebsblind? Hast du da ein paar Tipps, beziehungsweise wie lange lässt du das Manuskript jeweils liegen, bis du wieder ans Korrektorat rangehst?

Tatsächlich lasse ich es kaum liegen, sondern korrigiere meist schon parallel, indem ich Korrekturmodi von Papyrus Autor aktiv habe. Das anschließende „richtige“ Korrekturlesen ist meist ein mehrfacher Prozess, der von meinen Lektoren und Probelesern unterstützt wird. Zu Anfang habe ich einige Tricks angewendet – zum Beispiel Sätze RÜCKWÄRTS zu lesen, da man sich dann besonders konzentrieren muss und einem Fehler eher auffallen. Da mir das aber zu lange dauerte, drucke ich meine Texte mittlerweile einfach aus, wenn sie soweit von meiner Seite „fertig“ sind. Auf gedrucktem Papier fallen mir hundertmal mehr Sachen auf, als auf dem Bildschirm. Meistens verbessere ich dann auch nochmal Formulierungen, ich entdeckte Typos und Kommafehler viel eher – und auch Wortwiederholungen innerhalb weniger Absätze, die durch Synonyme runder klingen.

Der fanowa-Verlag bestand nicht von Anfang an. Zuerst hast du bei neobooks veröffentlicht (wenn ich das richtig im Kopf habe 😀 ) – wann und wie kam es zu dem Impuls, einen eigenen Verlag zu gründen?

Tatsächlich war es andersherum – ehe ich auch nur eine Zeile veröffentlichte, habe ich zuallererst meinen Verlag gegründet und dann alles vorbereitet. Davor habe ich lange überlegt, wie ich vorgehen soll und mich letztendlich entschieden, einen ganz eigenen Weg zu gehen, anstatt mich als völliger Neuling bei Verlagen zu bewerben. Meine Idee war es (und ist es noch) meinen „Wert“ auf dem Markt zu beweisen und außerdem mein Geld sehr direkt zu verdienen. Allerdings möchte ich langfristig nicht alles selbst verlegen.

Langfristig soll der Fanowa-Verlag also nur für deine ersten Werke sein, verstehe ich das richtig?

Das wird sich in den kommenden Jahren wohl entscheiden. Viele fragen mich auch öfter, ob ich nicht auch bald andere Autoren verlegen möchte, wie es einige Kollegen mit eigenem Verlag mittlerweile auch machen. Die ehrliche Antwort darauf? Ich weiß es aktuell noch nicht, ob ich das möchte. Natürlich würde ich gerne tollen Autoren eine Plattform bieten, allerdings bin ich wohl sehr selbstkritisch, denn oft denke ich dann: Die wären woanders doch sicherlich besser aufgehoben und hätten mehr Erfolg als bei mir. Vielleicht ändert sich diese Ansicht auch noch, allerdings habe ich aktuell nicht die finanziellen Mittel, um viele Bücher groß zu verlegen und zu bewerben, ganz abgesehen von der Zeit, die ich dafür aufwenden müsste. Da ich das alles komplett allein mache, würde mir die Zeit entweder vom eigenen Schreiben wegfallen (was ohnehin schon zu kurz kommt) oder es könnte sich auf mein Studium auswirken. Daher warte ich ersteinmal ab, was sich Job-technisch nach meinem Studium ergibt und wie sich alles entwickelt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass du auf Buchmessen beispielsweise nicht nur von potentiellen Lesern, sondern auch von anderen Autoren besucht wirst. Hast du eigentlich schon von anderen Autoren Manuskripte zugeschickt bekommen?

Ja, habe ich, auch unaufgefordert. Allerdings kommt das nicht täglich vor und meistens berate ich die besagten Autoren dann auch, wie sie weiter vorgehen können, um bei Verlagen zu landen, wenn sie das möchten. Ich habe auch schon von einigen die Exposés gelesen und überarbeitet oder Tipps zu Manuskripten und deren Aufbereitung gegeben.

Wo druckst du deine Bücher? Und wie laufen spezielle Druckaufträge ab? Zähmung, Zorn und Zwang beispielsweise haben eine Prägung. Das Cover von Jamil ist im realen Leben überhaupt nicht so, wie es im Internet erscheint. Man sieht nicht auf der linken Seite das rote und auf der rechten Seite das blaue Cover, sondern es handelt sich hierbei um ein Hologramm. Je nachdem, wie man das Buch vor dem Auge neigt, sieht man das andere Bild. Wie gibst du deiner Druckerei solche Aufträge?

Ich lasse bei derSmilkov GmbH, einer Druckerei in Bulgarien drucken. Dadurch, dass ich größere Offset-Auflagen drucken lassen und nicht kleinere im Digital-Druck, gehen die Kosten pro Exemplar stark runter und ich kann einen „konkurrenzfähigen“ Endpreis anbieten. Allerdings muss ich dabei auch alles selbst machen – den Buchsatz, den Coverumschlag und dergleichen. Für die Prägungen zB muss man allerdings „nur“ besondere PDFs erstellen, in denen man markiert, was geprägt werden soll. Meine Druckerei stellt dafür dann bestimmte Prägeplatten her, die beim Drucken des Umschlags zum Einsatz kommen. Bei den 3D-Folien von Jamil habe ich eine zusätzliche Spezial-Druckerei dafür angeheuert, die dann die Folien an Smilkov lieferten.

Wie kamst du an deine Druckereipartner? Ich setze mich gerade auch mit dem Thema auseinander und finde es extrem mühselig, unterschiedliche Druckereien anzusehen und Angebote einzuholen – kaum eine hat ihre Preise in einem Rechner auf der Website zum Selbstberechnen, sondern bietet ausschließlich individuelle Angebote, die man per Mail erfragen muss. Deckt sich das auch mit deinen Erfahrungen?

Das ist leider etwas, wo man sich dann durchbeißen muss. Ich hatte das „Glück“, meine Druckerei recht schnell zu finden, da sie mir um zwei Ecken von Bekannten empfohlen wurde. Ich hatte zuvor meine erste Auflage bei einer kleineren Digitaldruckerei produzieren lassen, wollte aber „mehr“ – wollte ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis für mich als Verlag und eben auch solche Extras wie Prägungen. Da ich Print-on-Demand wegen der Dicke meiner Bücher relativ schnell (nach einigen Online-Rechner-Beispielen) für mich ausgeschlossen hatte. Allerdings kann es natürlich immer sein, dass man irgendwo etwas „noch besseres“ verpasst – ich persönlich bin hochzufrieden und habe meine Druckerei schon erfolgreich an einige größere Verlage vermittelt =D

Warum kannst du “Jamil” zu einem gewöhnlichen Preis verkaufen, wenn das Buchcover so aufwendig und außergewöhnlich gestaltet wurde? Hast du zu Hause Kartons mit tausenden von Büchern, oder wie kann man sich das vorstellen?

Weil ich auch hier viele Folien und Bücher auf einmal habe herstellen lassen. Das Buch ist ja um einiges dünner als die Vermächtnis-Reihen-Teile. Das bedeutet, ich spare bei den Druckkosten und kann die Kosten der Folienherstellung damit ausgleichen.

Aus unserem privaten Kontakt weiß ich, dass du keinen Keller hast ;D – wo lagerst du die ganzen Bücher? Hast du einen Vetriebspartner, der das für dich übernimmt und die Bücher entsprechend ausliefert, oder hast du im Schlafzimmer zwei Kleiderschränke voller Bücher?

Tatsächlich habe ich einen Kleiderschrank voller Flyer, Poster und Lesezeichen ^^
Der Rest lagert glücklicherweise bei meinen Eltern im Haus, wo auch mein Verlagssitz ist. Viele Bücher gehen aber auch direkt an die Großhändler und ich überlege, mir einen Vertriebspartner zu suchen.

Wie sieht’s mit der Lieferbarkeit bei Amazon aus – musst du da nicht für Lagerungskosten aufkommen und auch für andere Online-Buchhandlungen immensen Logistikaufwand betreiben?

Glücklicherweise nein, denn die Lieferbarkeit bei Amazon wird ebenfalls durch die Großhändler geregelt. Diese liefern an das Logistikzentrum von Amazon und ich habe keine weiteren Kosten. Allerdings verdiene ich an diesen Exemplaren natürlich dann auch nur die Großhändler-Mage und nicht so viel, wie an direkten Verkäufen. Doch das wäre vom Aufwand her auch kaum für mich machbar.

Als du den Fanowa-Verlag gegründet hast, hattest du da einen Gründerzuschuss oder eine Förderung oder sonstige Unterstützung? Ich kann mir vorstellen, dass es ein riskanter und schwieriger Schritt ist, auch wenn du aus einer Familie mit Selbstständigen stammst.

Nein, ich hatte keine Zuschüsse. Ehrlich gesagt kam es mir damals leider gar nicht in den Sinn, dass es solche Förderungen geben könnte – das war wohl ein Thema, das bei der Recherche vollkommen an mir vorbeiging und mir bei Beratungsgesprächen bei Ämtern auch nie erwähnt wurde. Ich habe alle Investitionen während des Studiums selbst zusammengearbeitet und -gespart und klein angefangen.

Das ist beeindruckend! Wie groß war deine erste Auflage?

Die allererste Auflage bestand damals aus süßen 300 Büchern =D

Zu Jamil gibt es einen Buchtrailer, sicherlich veranstaltest du auch die ein oder andere Lesung – welche Marketingmethoden kannst du empfehlen und welche haben sich aus deiner Erfahrung heraus bisher als unrentabel erwiesen? (hier nur Top und Flop ohne weitere Erläuterung fürs öffentliche Interview)

Tatsächlich habe ich schon sehr viel ausprobiert, allerdings ist es relativ schwer herauszufinden, was einen erfolgreichen Effekt hatte – nur selten schlägt sich eine Aktion in unmittelbar ansteigende Verkaufszahlen aus (einmal abgesehen von Blogtourenund Veröffentlichungsparties!). Häufig landen Bücher ja auch auf der Wunschliste oder erstmal in einer Schublade im Hinterkopf und das streut sich dann. Zusätzlich sind Effekte denke ich auch stark davon abhängig, was man schon an Vorarbeit geleistet hat. Bei mir haben zB Videos und Trailer auf Youtube kaum einen Effekt, weil ich keinen aktiven Kanal mit vielen Abonnenten habe – dafür bekommt das Video bei facebook viele Views.

Zeitungsartikel – top
Lesungen – top
Buchmessen – top
Bezahlte Werbung schalten (in social media) – flop
Bezahlte Werbung in Beilageheftchen – flop
Direkte Auftritte auf Buchmessen und kleinen Cons – TOP

In einem unserer vorherigen Gespräche hast du mir mal erzählt, dass du viel mit Facebook Marketing machst. Wie sieht dein Buchmarketing konkret aus?

Bei Facebook versuche ich, eine ausgewogene Mischung aus interessanten Infos zu meinen Büchern, zu Veranstaltungen und zu mir als Person und Autorin zu verbreiten. Da ich allerdings kein Marketing studiert habe, ist das alles eher nach Bauchgefühl geplant und ich versuche, regelmäßig schöne Inhalte zu liefern. Eine Zeitlang war ich auch in sehr vielen Buch- und Lesegruppen, aber das hat einfach zu viel Zeit verschlungen. Ich bin dort zwar noch Mitglied und bekomme es auch mit, wenn Leser meine Bücher erwähnen, aber aktiv Werbung mache ich dort nicht.

Also besteht dein Facebook Marketing hauptsächlich aus Content Marketing auf deiner eigenen Seite. Hast du noch einen Tipp für unsere Leser, was man machen kann, wenn einem die Ideen für neue Inhalte ausgehen?

Postet selbstgemachte Fotos oder Zitatbilder mit Creative-Commons-Bildern (achtet immer darauf, dass ihr nicht unerlaubt Content von anderen postet!), versuchte eure Leser und Fans miteinzubeziehen, indem ihr Fragen stellt, nach Meinungen fragt oder witzige Anekdoten diskutiert. Die Leser wollen nah dran sein – wie nah, das entscheidet ihr. Ich zum Beispiel gebe „harmlose“ Sachen aus meinem Leben preis, aber nichts extrem persönliches oder zig Selfies. Ich möchte meine Privatsphäre nicht verkaufen.

Und jetzt würde ich dich bitten, mir die allererste Frage zu beantworten, die mich dazu bewegt hat, dich für ein Interview aufzusuchen. Wie hast du es geschafft, im Barsortiment von Buchhandlungen zu landen? Als Verlegerin hast du sicherlich deutlich bessere Chancen als kleine Selfpublisher.

Das war eine Kombination aus Glück und Dreistigkeit. Beim KNV habe ich schlichtweg gefragt, ob sie mich aufnehmen und es dadurch geschafft (ich traf eine Vertreterin in der Post) – Libri und Umbreit kamen von selbst auf mich zu, nachdem ich mit dem ersten Buch den Indie-Autor-Preis gewonnen hatte. So konnte ich dann mit allen Verträge abschließen und beliefere sie seitdem. Das macht einiges einfacher – allerdings kann man Buchhandlungen auch direkt beliefern und ins VLB kann man sich auch eintragen lassen – darüber können Buchhandlungen dann auch sehen, welche Bücher von dir als Autor/Verlag lieferbar sind.

Danke Farina für dieses Interview. Die Einblicke in deine Arbeit als Selbstverlegerin sind sehr interessant und ich bin gespannt, wie es mit dir und deinen Büchern weitergeht!

Vielen Dank!

Falls ihr weiteres über Farina erfahren wollt, schaut gerne auf www.fanowa.de vorbei, dort könnt ihr euch signierte Bücher und ihren magischen Bilur-Schmuck schnappen.

Ihr findet die Autorin auch in den sozialen Medien als „Farina de Waard – Fanowa“:
Facebook: https://www.facebook.com/VermaechtnisDerWoelfe/
Instagram: @farina_de_waard
Twitter: @farinadewaard
Google+: Farina de Waard

Fun-Fact: Ich heiße tatsächlich Farina, das ist kein Pseudonym 😉

 

Die „Vermächtnis der Wölfe*-Bücher rund um Zenay und ihre Freunde haben jeweils um die 800 Seiten und kosten 13,90 € als Taschenbuch, als ebook 6,99€. Jamil ist als Einzelband etwas dünner und günstiger, 12,90 € und 3,99€.

Kia (*1993) produziert. Gedanken mit Menschen teilen - ob als Blog, Roman, Zeichnung, Musikstück, Sachbuch oder Hörspiel - das ist es, was am Produzieren so fasziniert.
One Comment
  1. Hubert

    Hihi. 300 war die erste Auflage? Und davon hab ich einen Teil zum Witwer getragen? Hmm. Wird Zeit, dass ich mal nachkaufe.. Will ja wissen, wie es weitergeht

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