In meinem Artikel “Existenzgründung als Autor” habe ich für Anfängerinnen und Anfänger jede Menge Tipps gegeben, wie man aus dem Nichts eine Karriere, wenn auch zunächst nebenberuflich, aufbaut. Autorin zu werden ist ziemlich leicht, aber sehr anstrengend: Wenn man weiß, wo man sich wann wie einbringen kann und soll, an welchen Stellen nur Profis weiterhelfen können und wie viel Geld man in die Hand nehmen muss, um seine Karriere unternehmerisch aufzuziehen.

Beim Crowdfunding bringt dir die Menge an Unterstützern, die Crowd, das notwendige Kapital für etwa eine Buchveröffentlichung. Aber auch Verlagsgründungen, Hörbuchproduktionen oder dein gesamtes Leben als Künstlerin kann durch Crowdfunding in die Wege geleitet werden. Aber was ist, wenn man kein Startkapital hat? Darauf möchte ich im Folgenden eingehen.

 

“Kein Startkapital” gibt es nicht.

Egal, was du machen willst: Ein Buch schreiben, es veröffentlichen, eine Lesung halten, einen Verlag überzeugen – wenn du nicht zufällig der oder die eine unter Millionen(!) bist, der oder die ein sagenhaftes Allround-Talent ist und alles in die Wiege gelegt bekommen hat, brauchst du Kapital.

Ein guter Plot braucht gutes Schreibhandwerk. Das Buch braucht Korrektorat, Lektorat, Cover, Buchsatz und Marketing, und für eine überzeugende Lesung kannst du Schauspielunterricht, ein Lesungscoaching, Gesangsunterricht oder Rhetorik-Training in Anspruch nehmen.

Kosten können und werden an vielen Stellen entstehen, und sei es nur die Gebühr für eine Auftragsrezension beim Buchblogger, ein Schreibratgeber oder Fahrt und Hotel für die Buchmesse. Halten wir also fest: Du brauchst Kapital.

Punkt zwei: Du hast Kapital. Vielleicht nicht jetzt. Ohne irgendeinen Geldfluss könntest du nicht diesen Artikel lesen. Wenn du dein Exposé nicht für 250,00 € mit einem Coach fit machen kannst, spar darauf hin. Wenn dir 500,00 € für ein professionelles Coverdesign zu teuer sind: Spar darauf! Wenn du dir heute nicht das Lektorat für 1.500,00 € leisten kannst, dann spar darauf.

Ich rate meinen Klientinnen und Klienten immer, von Anfang an zu sparen. Schließlich kostet eine professionelle Buchveröffentlichung inklusive Marketing selten unter 5.000,00 €. Du kannst dir jeden Wunsch erfüllen. Und wenn du nur 50,00 € im Monat sparst, dauert das Ganze eben etwas länger.

So kommst du in fünf Monaten zum Exposé-Coaching, in zehn zum professionellen Buchcover … Aber du brauchst zweieinhalb Jahre, allein um das Lektorat zu bezahlen, und in etwas mehr als acht Jahren könntest du eine professionelle Buchveröffentlichung mit allem drum und dran hinlegen.

Hast du nicht das Glück, 50,00 € im Monat zurücklegen zu können, sondern beispielsweise nur 15,00 €, sind es schon fast 28 Jahre, bis du 5.000,00 € investieren kannst, um das perfekte High-End-Buch zu veröffentlichen.

Sprechen wir also jetzt über Crowdfunding.

 

Crowdfunding soll dir den Break Even bringen

Es ist ein Irrglaube, dass Crowdfunding dir irgendeine Form von Geld bringt. Alles, was du einnimmst, wirst du wieder ausgeben, und du kannst allenfalls ein bisschen Gewinnmarge für dich einrechnen, die deine zeitliche Arbeit aber nur ansatzweise deckt.

Angenommen, du schreibst 200 Stunden an deinem Buch, arbeitest 80 Stunden an deiner Crowdfunding-Kampagne, in der du 4.000,00 € für die Veröffentlichung deines Buches sammeln willst. Allein, wenn du dir 20,00 € die Stunde berechnest, müsste deine Kampagne jetzt 9.600,00 € für eine Buchveröffentlichung bringen. Und dann erst kommt das Marketing.

Ich halte es eher für unrealistisch, dass du fast 10.000,00 € als anfängliche Autorin für ein neues Buch auf dem Markt sammeln kannst. Halte die Summe niedrig und realistisch, und arbeite vorerst kostenlos.

Der finanzielle Sinn des Crowdfundings ist es, den Break Even zu erreichen.

Break Even bedeutet, dass du bei 0,00 € rauskommst. All deine rein finanziellen Ausgaben und deine rein finanziellen Einnahmen halten sich die Waage, wenn du den Break Even erreichst. Genau so solltest du deine Crowdfunding-Kampagne ausrichten.

Verrechne deine Investitionen zu Beginn in Fotograf, Grafiker, Berater und Designer mit den Kosten, die auf dich zukommen werden, und du erhältst die Crowdfunding-Summe. (Natürlich zuzüglich Gebühren und Transaktionskosten)

Ist die Kampagne erfolgreich, hast du noch keinen Cent verdient, aber du hast auch nichts investiert. Das Risiko, dass dein Buch ein Misserfolg wird und dich quasi verschuldet, ist bei 0. Das erste Buch, das du nach dem Crowdfunding im Buchhandel oder online verkaufst, bringt dir Gewinn. Das ist jetzt das, was du für deine harte Arbeit verdienst.

 

Du darfst langsam wachsen

Ständig ist die Rede von Profession und kostenintensiven Investitionen, damit Selfpublisher*innen sich am Buchmarkt halten können. Nicht nur bei mir und in diesem Artikel, sondern in der gesamten Szene.

Wir Selfpublisher sind längst keine Randerscheinung mehr, sondern eine flexible, innovative und agile Konkurrenz zu Verlagen. Daher bin ich schlichtweg ein riesiger Fan von professionell veröffentlichten Selfpublishing-Titeln.

Crowdfunding ist eine tolle Möglichkeit, allen Autorinnen und Autoren einen Weg zu ebnen, aber diesen Weg kann man nur gehen, wenn man bereit ist, viel Zeit, Fleiß und schließlich auch Geld zu investieren. Eine monatliche Spar-Rate auf ein Tagesgeldkonto ist außerdem Pflicht für alle, die auf Dauer immer besser werden wollen.

Ich stehe in der Buchbranche für faire Vergütungen und einen professionellen Umgang miteinander. Ich arbeite nicht kostenlos, bezahle meine Rezensent*innen beim Buchensemble, und Autorinnen und Autoren, die bei LEOGUNA lesen, kriegen entsprechend der Empfehlung vom VS in ver.di ihre Gage.

Das mag vorbildlich sein, aber ich höre immer wieder, dass sich die Leute an mir messen. “Das kann ich nicht” und vor allem “das kann ich mir nicht leisten” steht oft in den Mails, die mich über diese Website erreichen.

Angefangen habe ich als Unternehmerin, die einen Hechtsprung in die Selbstständigkeit gewagt hat. Ich habe quasi mit nichts begonnen. Meine ersten Veröffentlichungen waren amateurhaft, unprofessionell und teilweise auch “schnellstmöglich veröffentlicht”. Und das ist auch überhaupt nicht schlimm. Du kannst lernen, dich verb essern und schließlich voran wagen.

Die Veröffentlichungskosten meines ersten Buches lagen bei 0,00 €, die meines ersten Romans bei etwa 300,00 €, und Hanover’s Blind hat mich schließlich insgesamt knapp 3.500,00 € inklusive Marketing gekostet.

Bei meiner ersten Lesung habe ich keinen Cent verdient, bei der zweiten 4,32 € (Die Wasserflasche kostete 4,50 €), bei der dritten Lesung waren es 50,00 € und bei der vierten die von der Gewerkschaft empfohlenen 300,00 €.

 

Fazit: Calm down & do it.

Für Ungeduld habe ich kein Verständnis. Für langsam wachsende, sich ausprobierende und erkundende Autorinnen und Autoren umso mehr.

Monatliches Sparen für ein Startkapital, starkes Crowdfunding für den Break Even zum Veröffentlichungszeitpunkt und Ehrlichkeit zu sich selbst sind die drei Grundpfeiler, auf die die Finanzwelt der Selfpublisher aufbaut.

Überlege, was du willst, und realisiere es. Kein Ziel ist zu groß, aber manchmal sind die selbst gesetzten Fristen zu gering. Ich habe noch viel zu lernen und befinde mich, genau wie du, auf einem Weg.

Nur, weil jemand vielleicht weiter fortgeschritten ist, heißt das nicht, dass du dich mit der Person messen und als Versager abstempeln musst. Oder verstärkt ausgedrückt: Du darfst es nicht. Bleib bei dir, sei ehrlich zu dir. Wir dürfen auch nicht nach unten treten, denn Hobby-Autoren und Anfängerinnen sind diejenigen, von denen in zehn Jahren womöglich auf allen Buchmessen groß plakatiert die Rede ist.

Ich wünsche mir mehr Mut von Selfpublishern, und mehr Neues und Gewagtes auf dem Buchmarkt.

Wage deine ersten Schritte, dein Crowdfunding, wage deinen Hechtsprung in die Selbstständigkeit.

 

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