Das Crowdfunding zu Hanover’s Blind habe ich auf der Plattform Startnext.de aufgesetzt und erfolgreich durchgezogen. Startnext ist eine Crowdfunding-Plattform aus Deutschland, die nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip agiert: Entweder erreiche ich mein Ziel und kann mit dem Geld meiner Crowd arbeiten, oder das Ziel wird nicht erreicht und ich gehe komplett leer aus.

Aber welche Crowdfunding-Plattformen gibt es, und welche ist die beste? Darauf gibt es natürlich keine pauschale Antwort, sondern eine Auswahl, in der du Plattformen finden kannst, die individuell zu dir passen. In diesem Artikel erkläre ich dir, welche Plattform welche Vor- und Nachteile hat.

 

Unterarten des Crowdfundings

Crowdfunding ist nicht gleich Crowdfunding! Das solltest du von Anfang an im Kopf haben, wenn du dich mit dem Thema befasst.

Was für eine Art Crowdfunding möchtest du machen? Willst du dein Produkt durch Vorverkäufe finanzieren und am Ende der Kampagne einmalig alle Ware ausliefern? Oder möchtest du monatlich einen bestimmten Geldbetrag für deine Arbeit erhalten, damit du Kosten von Projekten laufend decken kannst? Möchtest du einfach nur Spenden sammeln, ohne eine Gegenleistung zu liefern? Oder eine Mischform aus allem?

Wenn du nur Spenden sammelst, spricht man zwar auch von Crowdfunding, aber das ist in diesem Fall nur der Überbegriff. Spenden ohne Gegenleistung von der Crowd bezeichnet man als Crowddonating.

Wenn deine Unterstützerinnen und Unterstützer ihr Geld am Ende zurückerhalten sollen, beispielsweise durch Dividende oder Unternehmensanteile, spricht man vom Crowdinvesting.

Das klassische Crowdfunding wird überwiegend durch Vorverkäufe finanziert: Du bietest das zukünftige Buch, Goodies, Lesungen oder sonstiges zu einem überhöhten Preis an und kannst aus der Differenz von Herstellungs- und Versendungskosten zum „gespendeten“ Betrag dein Projekt finanzieren. Kostet dein Buch später beispielsweise 9,99 € und du sammelst 15,00 € pro Buch, wirst du mindestens 5,00 € in den Veröffentlichungsprozess stecken können. (Klar, wenn das Buch 6,00 € Druckkosten verursacht und 2,35 € Versand, machst du damit ein Plus von 6,65 €.)

Dieses Crowdfunding gibt es auch in Form von monatlichen Modellen: Hierbei gibt es viel Gestaltungsauswahl. Über Patreon, eine solcher Plattformen, habe ich bereits einige Artikel, hier auf dem Blog und in der Zeitschrift „Federwelt“ des Uschtrin-Verlags berichtet. Um monatliche Modelle soll es in diesem Artikel nicht gehen.

Es gibt auch noch Crowdpublishing, das ist im Prinzip eine flexible und auf den Buchmarkt zugeschnittene Version des Crowdfundings. Pionier sind dabei die Bookbakers: Dort kaufst bzw. „mietest“ du dir eine eigene Crowdfunding-Plattform und kannst sie nach deinem Gusto anpassen. In puncto Marketing und Zielgrupengenauigkeit ist das eine hervorragende Alternative zum klassischen Crowdfunding zwischen all den primär visuellen und auditiven Kampagnen.

 

Diese Crowdfunding-Plattformen gibt es

Den Ursprung des Crowdfundings können wir auf die Plattform Crowdfunding.com zurückführen. Hier begann alles mit Musikern und Bands, die neue Alben rausbringen oder Live-Touren starten wollten.

Danach kam Kickstarter. Diese Crowdfunding Plattform ist die wohl bekannteste Plattform, die sich international durchgesetzt hat. Kickstarter gibt es seit 2009. Hier laufen meines Erachtens besonders Spiele, ob digital oder analog, besonders gut. Buchprojekte habe ich vermehrt auf Startnext gesehen: Die Plattform gibt es seit 2010 und hat einen deutschsprachigen Support.

Während du deine Kampagne entwirfst, hast du einen Berater oder eine Beraterin an deiner Seite, denn nicht jede Crowdfunding-Kampagne darf live gehen. Ist deine Aufmachung unprofessionell, die Grafiken mit Paint gemalt oder dein Ziel nicht unterstützenswert, wird deine Kampagne abgelehnt.

Außerdem tummeln sich auf Startnext regionale Institutionen, die dein Projekt je nach Wohnort entdecken und fördern – ohne Geld, aber mit einem bisschen Promo.

 

Geld regiert die Crowdfunding-Plattformen

Kommen wir zum direkten Vergleich. Ich will neben Kickstarter, den Bookbakers und Startnext auch noch das Wiener Unternehmen Fundraizer mit aufnehmen.

Wenn du eine Summe X eingenommen hast und das Geld ausgezahlt kriegst, zieht die Plattform einen Anteil ab. Die Gebühr für die Crowdfunding-Plattform liegt bei Fundraizer bei 7 %. Kickstarter verlangt 5 % von dir, und Startnext beginnt bei 3 %, malt dir aber einen Smiley neben eine Leiste, sodass du selbst bestimmen kannst, wie hoch die Gebühr für die Crowdfunding Plattform ist. Bei den Bookbakers liegt diese Gebühr bei 0 %. Du kannst dein gesamtes Geld behalten.

Oben auf den Anteil deiner Crowdfunding Plattform kommen noch Transaktionsgebühren, die auch einen kleinen einstelligen Prozentsatz ausmachen. Kalkulierst du damit, etwa 90 % deiner Zielsumme ausgezahlt zu kriegen, müsstest du damit hinkommen. Es sei denn natürlich, du hast viele Unterstützer dabei, die ihre Zahlung nicht ernst meinten und zurückziehen.

Übrigens: Eine offene Paypal-Spenden-Seite ist kein „richtiges“ Crowdfunding (sondern Crowddonating!), da du hier keine Kaufverträge schließt und deine Unterstützer somit weder Widerrufsrecht noch Lieferungsanspruch haben, und durch die „Geld an Freunde senden“-Funktion verstößt du dann auch noch gegen die AGB von PayPal, und verschiedene Dankeschöns und gestalterische Aufmachung kannst du dort leider auch nicht einrichten.

 

Startnext oder Bookbakers?

Das „Alles-oder-nichts“-Prinzip von Startnext kann riskant sein. Du musst deine Funding-Summe so knapp wie möglich kalkulieren, um dein Ziel möglichst schnell zu erreichen. Dafür gibt es Stretch-Goals: Damit kannst du deinem Buch eine besonders schöne Ausstattung geben, zusätzlich ein Hörbuch produzieren oder beispielsweise Soft- in Hardcover aufwerten, wenn ein gewisser Betrag über dem eigentlichen Ziel erreicht wird.

Bei den Bookbakers bist du komplett flexibel. Du kriegst deine eigene Plattform, das gesamte Geld, und kannst deine Kampagne völlig individuell aufsetzen. Dadurch ist es zum Beispiel möglich, Entscheidungen durch die Buchcommunity treffen zu lassen. Die Unterstützenden dürfen sich für einen von zwei Coverentwürfen entscheiden oder zwischen verschiedenen Klappentext-Versionen bestimmen. Somit bestimmt deine Zielgruppe, was sie kaufen will und dein Buch wird maximal erfolgreich.

Ich kann dir nicht sagen, welche Plattform ich empfehlen kann. Kickstarter ist mir zu international und mit zu großer, visuell ansprechender Konkurrenz ausgestattet. Hier hervorgehoben zu werden scheint schwer, und für Buch-Crowdfunding ist es ohnehin schon schwer genug, ansprechendes Bildmaterial herzustellen.

Fundraizers hat für mich keinerlei Vorteile. Bleiben noch Startnext und Bookbakers.

Mit Startnext habe ich gute Erfahrungen gemacht, aber gute Erfahrungen haben mich auch nicht davon abgehalten, die Krankheitensammlerin nicht wie Hanover’s Blind bei TWENTYSIX, sondern bei Books on Demand zu veröffentlichen. Ich denke, ich probiere eine eigene Crowdfunding-Plattform mal aus. Dabei müssen aber die Grundkosten für die Plattform von Anfang an mit eingerechnet werden, was natürlich die Erfolgsaussichten verringert.

Aber Probieren geht über Studieren, oder?

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