Heute reden wir über Zeitmanagement für Autor*innen.

Wir, das sind Carolin Summer, Alexander Greiner, Liv Modes und ich, Kia Kahawa.

Heute wollen wir darüber sprechen, wie wir es hinkriegen, unsere Bücher zu planen und diesen Plan zu erfüllen. Dabei geht es darum, wie viel wir pro Woche oder pro Monat schreiben, wie wir uns Ziele setzen, worin unsere genaue Planung besteht und auch darüber, was das Projekt- und Zeitmanagement positiv beeinflussen kann.

Das Winterferien-Programm

Seit April 2020 gibt es jeden Freitag eine Autorenleben-Podcastfolge. In den Monaten Juli und Dezember allerdings pausiere ich meinen eigenen Podcast und lasse andere Autor*innen zu verschiedenen Themen zu Wort kommen.

Vom 01. Dezember bis zum 02. Januar wirst du 8 Podcasts hören, an denen insgesamt 10 Autor*innen mitgewirkt haben. Sei dabei und höre kostenlos die Folgen, die du möchtest (oder gerne alle!), oder unterstütze dieses Projekt zusätzlich mit einem monatlichen Betrag auf meiner Patreon-Seite: www.patreon.com/kiakahawa . Wenn du heute mit zwei Euro pro Monat einsteigst, zahlst du pro Podcast im Winterferien-Programm eine Unterstützung von etwa 25 Cent. Das klingt enorm wenig, kann uns aber helfen, dieses Programm zwei Mal jährlich mit immer neuen Autorinnen und Autoren zu veröffentlichen.

 

Kia Kahawa Ich würde gerne mit Alexander Greiner beginnen. Lieber Alexander, wie teilst du dir deine Schreibzeit ein und wie viel schreibst du eigentlich so pro Woche oder pro Monat z.B.?

Alexander Greiner Da ich beruflich viel schreibe, leidet die Zeit fürs kreatives Schreiben. Deshalb kann ich keine genauen Zahlen nennen, in welchem Umfang ich pro Woche oder Monat schreibe. Prinzipiell geht es mir eher um die Zeit, die ich mit dem Schreiben verbringe als die Anschläge. Ich sage jetzt extra Anschläge, weil Wörter zähle ich nicht, da sie für mich keine besonders aussagekräftige Kenngrößen sind. Besonders im Beruflichen muss ich mich da oft zurückhalten, dass die Texte nicht zu lang werden. Also ja, dort habe ich sowohl eine Anschlags-Grenze vor mir beim Schreiben. Beim kreativen Schreiben geht es mir ausschließlich nur um die Zeit, die ich mit dem Buchprojekt, z.B. beim Recherchieren oder beim Plotten oder direkt am Manuskript, verbringe. Den Druck, möglichst viele Anschläge zu generieren, kenne ich zwar auch. Das habe ich früher auch reichlich Macht, aber das bringt gar nichts. Es geht im Prinzip nur darum, das auszudrücken, was gesagt werden muss. Und wieviel Umfang es dazu braucht, ist komplett nebensächlich. Manches muss länger, manches kann kürzer erzählt werden. Und ich halte es immer so, dass ich mehr schreibe als nötig, weil im Nachgang wird eh noch unterschiedlich stark gekürzt. Beim beruflichen Schreiben ist das wahrscheinlich so ein Umfang von ein paar Prozent, dass halt einzelne Füllwörter usw. gestrichen werden oder Formulierungen gekürzt oder längere durch kürzere Wörter ausgetauscht werden. Beim kreativen Schreiben oder z.B. jetzt das vergangenes Jahr im Herbst herausgekommen ist, habe ich in der Manuskript-Version, die ich dem Verlag geschickt habe, ich glaube so etwas über 500.000, wahrscheinlich 520.000, 530.000 Anschläge gehabt. Im Endeffekt dann, die Version, die in den Druck ging, waren 380.000 Anschläge. Und ich habe dann nochmal alle Rohtexte überhaupt zusammengefasst, die ich für das Buch geschrieben habe. Das waren weit über 750.000, vielleicht 800.000 Anschläge. Das heißt, es wurde im Prinzip/ ich hab das Buch um die Hälfte gekürzt, das Manuskript um die Hälfte gekürzt.

 

Kia Kahawa Das ist ja spannend, dass du sagst, dass dir die Wortzahl nicht wichtig ist bzw. auch eigentlich die Anschläge nicht, weil da eh viel gekürzt wird. Einerseits hab ich von Stephen King aus dem Buch “Das Leben und das Schreiben” gelernt, dass er meistens 10 Prozent kürzt oder 15. Ich glaube es waren 10, 10 Prozent werden beim Überarbeiten gekürzt und bei mir trifft sich das sogar relativ gut. Also so, dass ich die Hälfte kürze kommt inzwischen nicht mehr vor. Und ich muss sagen, dass ich bei meinem Science-Fiction-Roman z.B. vor allem das wirklich so habe, dass ich 2.000 Worte pro Kapitel habe. Klar, da sind Kapitel dabei, die haben 1.400. Da sind auch Kapitel dabei, die haben 3.900 Wörter. Aber im Mittel, so im Durchschnitt, ich glaube, ich habe über 50 Kapitel bereits geschrieben. Ja, natürlich, das sind, das sind aktuell schon 70, 80, fast 80. Fast 80 Kapitel. Ne, sogar mehr. Ach egal. Jedenfalls hab ich schon sehr, sehr viele geschrieben und im Durchschnitt sind es dann tatsächlich 2.000 Wörter. Und für mich persönlich ist es ganz wichtig, mir nicht, wie der Benjamin Spang das macht, nur die Zeit als Ziel zu setzen. So von wegen ich möchte pro Woche 10, 20, 30, 40 Stunden schreiben oder mich mit dem Projekt befassen, inklusive Plotting und Recherche. Denn da kommt bei mir zu viel Recherche auf. Ich muss definitiv das planen. Darüber sprechen wir später auch noch. Das muss ich definitiv trennen vom Schreiben. Denn wenn ich mir erlaube, beim Schreiben nicht nur zu schreiben, sondern auch zu planen und noch mehr zu recherchieren und so, dann schreibe ich extrem wenig und fange an, meine Zeit zu vergeuden. Aber das verschieben wir mal. Da frage ich euch gleich. Ich würde mal gerne zu Carolin Summer kommen und sie jetzt einfach mal das gleiche fragen, wie den lieben Alexander. Hallo Carolin, wie sieht das bei dir aus? Wie teilst du deine Schreibzeit ein?

Carolin Summer Meine Schreibzeitplanung gestaltet sich sehr flexibel. Tatsächlich habe ich nur ein großes Wort-Ziel im Monat, das ich versuche zu erreichen, damit meine Projektplanung funktioniert. Ansonsten schreibe ich an manchen Tagen richtig viel, an anderen relativ wenig, weil das immer darauf ankommt, wie die Auftragslage gerade aussieht.

Kia Kahawa Ja gut. Das kann ich super verstehen. Carolin ist Journalistin, ich bin eigentlich Texterin, habe aber inzwischen kaum mehr Textaufträge, weil ich zu viel anderes zu tun habe. Daher kenne ich das ziemlich gut. Also wenn da dann so ein Kundenauftrag reinkommt, der sehr viel Zeit benötigt – z.B. hatte ich jetzt letzte Woche einen Kunden, der vor Ort da war, so richtig mit Termin und Menschen in einem Haus und so. Da geht bei mir tatsächlich auch immer die Schreibzeit drauf, denn alles andere will ja noch erledigt werden. Also das ist echt ein bisschen schade, dass für mich als berufliche Schriftstellerin, also die es nicht nur als Hobby macht, dass da das Schreiben gefühlt dann doch die unterste Priorität bei dringenden Angelegenheiten und Terminen hat. Aber so ist das nun mal. Ein monatliches Wort-Ziel kann ich mir echt gut vorstellen. Also ich hab das für mich persönlich nicht direkt so gemacht, sondern ich plane eher in mehreren Monaten und sage dann, ja, da muss alles fertig sein. Also im Grunde fange ich quasi an Tag eins an und sage, jetzt ist mein aktuelles Projekt, z.B. mein Jugendbuch “Nachklang der Hoffnung”. Und dann sage ich mir, ich habe jetzt sechs Monate Zeit, von Anfang bis Ende alles fertig zu machen. Und dann plane ich mir nochmal einen Zwischenschritt ein und sage in den ersten zwei Monaten wird geplottet, geplant, recherchiert, Marketingkonzept erstellt und alles Mögliche, was drumherum anfällt, bevor das Schreiben losgeht. Dann schreibe ich zwei Monate lang intensiv. Dann mache ich meistens sowieso sechs Wochen Pause, in denen ich nichts mit diesem Manuskript zu tun habe, sondern so fächermäßig schon das nächste dann in der Planungsphase beginne. Und danach wird dann überarbeitet und danach kann es dann ins Lektorat bzw. in meine kleine Exposé-Fabrik. Ich weiß nicht, warum ich das so nenne. Und in Richtung Agenturen oder so. Aber wie ihr wisst, ist “Nachklang der Hoffnung” im Selbstverlag erschienen. Okay, lasst uns mal zu Liv kommen. Liv Modes ist hier und ich würde von Liv gerne wissen, wie teilst du dir deine Schreibzeit ein?

Liv Modes Ich habe mittlerweile tatsächlich gar keine Schreibroutine mehr. Ich hatte früher mal eine. Ich bin jeden Morgen vor der Arbeit eher aufgestanden und habe mich 15 Minuten ans Manuskript gesetzt. Ich hab mir selber Deadlines gesetzt für eigene Projekte, auch wenn da vielleicht von extern keine Deadline irgendwo feststand. Ich hab mit Wordcounts gearbeitet, die ich erreichen wollte und es hat auch für mich eine Zeitlang gut funktioniert. Ich bin aber dieses Jahr an den Punkt gekommen, an dem es mir tatsächlich komplett den Spaß am Schreiben geraubt hat und deswegen hab ich das komplett über Bord geworfen. Ich glaub, da muss jeder seinen eigenen Rhythmus finden, was für einen selbst am besten funktioniert. Und ich weiß für mich, dass ich mit Deadlines und Routinen grundsätzlich arbeiten kann, wenn ich es brauche und wenn ich es muss für eine Abgabe z.B.. Aber wenn ich es nicht muss, dann mach ich’s auch nicht mehr.

Kia Kahawa Ok, vielen lieben Dank für diesen Einblick, Ihr drei. Ich würde ganz gerne bei Liv bleiben, denn das klingt jetzt so, als würdest du dich von Deadlines und von so einem Zeitplan quasi komplett befreien und quasi nur nutzen, wenn du darauf angewiesen bist. Aber ist das denn bei deinen Schreibprojekten wirklich so? Also hast du gar keinen Zeitplan? Schreibst du einfach drauf los? Oder machst du da dann doch schon so Ziele oder steckst Zwischenziele ab, damit du dich immer so ein bisschen beobachten kannst, damit du mit deinem Projekt vorwärts kommst? Wie machst denn du das jetzt tatsächlich dann in der Realität?

Liv Modes Ich muss gestehen, ich bin ein Organisationsfreak. Ich liebe Listen, ich liebe Zeitpläne und ich liebe Deadlines. Und ich bin auch sehr diszipliniert darin, die einzuhalten. Ich habe vor zwei Jahren im Selfpublishing eine Young Adult Novelle veröffentlicht, “Auf der anderen Seite der Sterne” und dieses Buch hat unter 100 Seiten. Es ist wirklich nicht viel und ich hatte mir trotzdem für den kompletten Erstellungsprozess ein Dreivierteljahr eingeplant, was dazu geführt hat, dass ich durch diese ganze Zeit wirklich sehr entspannt gegangen bin. Weil ich genau wusste, wenn ich mich heute und morgen und übermorgen nicht ums Lektorat kümmern kann, habe ich immer noch genügend Zeit und muss mich nicht hetzen. Das war sehr hilfreich. Ja, jetzt z.B. für meinen nächsten Young Adult Roman, der nächsten Winter bei Impress erscheint, hab ich im Juni Abgabe. Das heißt, mein Plan ist jetzt, das Buch im Januar und Februar fertig zu schreiben. Grundsätzlich könnte ich das auch schneller, aber das ist wieder so ein Punkt, wo ich mir mehr Zeit einplane, falls etwas dazwischenkommt. Dann gebe ich das im März an meine Testleser*innen und ja, hab dann den April und Mai Zeit Kommentare einzuarbeiten oder den Testleser*innen z.B. auch mehr Zeit zu geben, falls bei denen was dazwischenkommt. Und so wird das hoffentlich alles eine sehr entspannte Zeit für alle Beteiligten.

Kia Kahawa Okay, vielen Dank. So rum verstehe ich das super gut. Ich mag die realistische und wohlwollende Planung eigentlich auch sehr gerne. Wenn du dir jetzt sagst, also wenn du wirklich sagst, neun Monate nimmst du dir Zeit für ein 100-Seiten-Buch, um das dann komplett fertig zu machen. Und dann diese Zwischenziele, wie du gerade erzählt hast, absteckst, dann klingt das ja super schön und ich glaube, ich kann davon tatsächlich etwas lernen. Denn ich bin zwar sehr, sehr gut in Planung und ich plane sehr viel. Ich halte meine Fristen alle ein. Ich hatte noch nie einen Kunden oder auch einen/ naja gut, ein Buch schon, aber ich hatte noch nie einen Kunden, der zu lange auf seine Arbeit hätte warten müssen. Aber bei Büchern, da kommt es dann doch schon mal vor, dass ich sowas sage wie, hey, Dezember 2019, da kommt “Zwei Seelen” heute nach “Klang der Hoffnung” raus. Und dann haben wir Dezember 2020 und das Buch wurde gerade angekündigt und ist gerade frisch aus dem Ei geschlüpft, sozusagen. Also bei mir kommt sehr, sehr oft etwas dazwischen und da glaub ich, liegt es daran, dass ich nicht so wirklich weiß, was ich will. Beziehungsweise vom Verlag weiß ich, mein Science Fiction Project, das ist ja eine Trilogie, das muss jeden Januar zum 15. einen Schritt, einen großen Schritt weiter gehen. Also da gibt’s dann eine Frist, die besagt, dass Teil 1 zum 15. Januar 2020 fertig sein sollte. Am 15. Januar 2021, das ist gar nicht mehr lange hin, da muss dann Teil 2 fertig sein. Und Teil 3 entsprechend ein Jahr später. Und theoretisch wäre das ja auch super entspannt, wenn man immer ein Jahr Zeit hätte, so wie ich das auch habe. Aber irgendwie schreib ich dann dazwischen doch noch Projekte und dann hab ich Urlaub und dann bin ich krank und dann ist da doch nochmal irgendwie dies und das und tralala. Also ich will zusammenfassend von meiner Seite aus sagen, dass ich eigentlich gut planen kann, aber noch nicht so weit bin, dass ich flexibel genug plane bzw. dass ich Unvorhergesehenes einplane. Das klingt, als wäre es ein Widerspruch in sich. Aber das magische Wort sind Puffer-Zeiten. Und wie Liv gerade erzählt hat, wenn man wirklich großzügig plant, dann kann man jeden Tag mit einem kleinen Teil des Gesamtziels ganz entspannt vorwärts schreiten und nicht so arbeiten wie ich in den letzten Wochen. Wer mir auf Twitter folgt, der hat das bestimmt gesehen, dass ich da dann gerne mal morgens um 6, 7, 8 Uhr angefangen habe zu twittern, dass ich heute bitte 4.000, 5.000, 6.000 Wörter schreiben möchte. Und dann habe ich versucht, mich selbst und auch andere damit zu motivieren. Und dann habe ich das auch zum größten Teil immer mal geschafft. Aber es ist dann doch entspannter innerhalb von eineinhalb Stunden ganz locker gemütlich zwei Kaffee zu trinken, 2.000 Wörter zu schreiben und zu wissen, das mache ich jetzt nicht jeden Tag, sondern hab auch mal Sonntag und nicht so, wie ich das derzeit mit Fristendruck mache. Also vielen Dank für den Beitrag. Und apropos Beitrag, ich würde jetzt gerne hören, was Alexander zu dieser Frage zu sagen hat. Alexander, wie sieht das aus mit Zeitplänen für Schreibprojekten? Mit Zielen, Zwischenzielen? Und was machst du wann und wie?

Alexander Greiner Hahaha, ja, ich und meine Zeitpläne. Ich war ja früher Projektmanager und ich finde so Zeitpläne oder Projektpläne sind nur eingeschränkt mit dem kreativen Schreiben vergleichbar. Ja, ich hab auch Zeitpläne fürs Schreiben, aber die halten überhaupt nicht. Und ich muss sie immer wahnsinnig verlängern, weil der Prozess bei mir einfach länger dauert, als ich es mir davor immer vorstelle. Und Zwischenziele? Ja, die sind gut. Aber ich finde, es bringt überhaupt nichts, sie dogmatisch zu verfolgen. Schreiben ist nicht ein Auto, das es gilt zusammenzubauen? Schreiben braucht ein Vor und Zurück, ein Gefühl für die Sprache und das Gesagte und da bringt es nix, stur von vorne nach hinten durchzuarbeiten. Ich mache mir da keinen Druck mehr.

Kia Kahawa Das klingt ja super entspannt und ich habe auch inzwischen den Eindruck, dass ein guter Plan nur ein guter Plan ist, wenn man ihn umplanen und umstrukturieren kann. Vielleicht sind Alexander und ich da ein bisschen alleine, denn Liv’s Plan klingt nicht so, als müsste man da etwas ändern. Und von unserer dritten Gästin heute, von der Carolin Summer, weiß ich aus eigener Hand, dass sie gerne, ja, doch schon ziemlich weit in die Zukunft plant. Also da kam letzten Oktober auf der Frankfurter Buchmesse kam sie zu mir und meinte, hey Kia, hast du im September Zeit für einen Buchsatz. Und dann hat sie gesagt, ich glaube, der 18. September oder so war es, hat sie gesagt, hast du am 18. September 2020 Zeit. Zu dem Zeitpunkt waren es also 11 Monate im Voraus. Und was kam? Eine E-Mail von Carolin. Nicht am 18. September, sondern ich glaube am 14. oder 13. oder so und dann hab ich den Buchsatz gemacht. Mit 11 Monaten voraus, auf den Tag genau angekündigt. Liebe Carolin, erzähl doch mal was.

Carolin Summer Meine Schreibprojekt haben alle von Beginn an ihren eigenen Zeitplan, sodass ich genau weiß, wann was stattfindet und auch mit Pufferzeiten. Sobald Leute von extern mit eingebunden sind, seien es nun die Testleser oder das Lektorat, das Korrektorat, der Buchsatz, dass wenn es da zu Verzögerungen kommt, ich trotzdem meine eigene Deadline noch einhalten kann. Ich weiß also genau, wie viel Zeit hab ich für die Rohfassung, wie viel für die Überarbeitung, wie lange sind die Testleser-Phasen, wie lange ist das Buch im Lektorat, im Korrektorat und so weiter. Bis dann halt letztendlich die Veröffentlichung stattfindet. Auch Probedrucke sind mit eingeplant und auch da, inzwischen aus Erfahrung, mit Verzögerungen und mit genügend Zeitpuffer, dass wenn z.B. was nicht stimmen sollte, dass ich noch Korrekturen vornehmen kann. Das sind zu einem großen Teil Erfahrungswerte. Beim ersten Buch habe ich sehr, sehr großzügig gerechnet und mir viel Zeit gelassen, aber auch genau mit notiert, wie lange was wirklich gedauert hat. Beim zweiten konnte ich dann schon konkreter planen. Beim dritten nochmal. Und jetzt, beim vierten, denke ich, dass ich es ganz gut abschätzen kann, wie lange ich brauche, um ein Buch zu veröffentlichen.

Kia Kahawa Vielen Dank. Das klingt ja super professionell. Und dann würde ich gerne gleich bei dir bleiben. Denn wenn du so einen schönen Plan hast, der Unvorhergesehenes durch diese Puffer-Zeiten mit einberechnet, dann hast du das doch sicherlich auch im Kleinen – an einem Tag oder in einer Woche – für dich so gestaltet, dass du für deine persönlichen Aufgaben immer verfügbar bist und hinterherkommst und nicht unterbrochen wirst. Daher würde mich jetzt von dir und gleich auch von meinen anderen beiden Gästen interessieren, wie sieht eigentlich dein Schreibort aus? Also dein Schreibplatz. Wo schreibst du? Und wo schreibst du am liebsten? Und wie schützt du dich vor Unterbrechungen?

Carolin Summer Einen Lieblingsschreibplatz gibt es bei mir gar nicht. Ich habe natürlich meinen Schreibtisch, auf dem die ganzen Monitore und Hilfsmittel aufgebaut sind und an dem ich meistens arbeite. Aber es kommt genauso gut vor, dass ich mich einfach mal auf den Balkon in die Hängematte setze oder aufs Sofa, in den Schaukelstuhl, um zu schreiben oder den Laptop mitnehme und von unterwegs aus arbeite. Von daher ist das mir relativ egal. Ich bin allerdings auch gewohnt, bei viel Umgebungslärm oder Unterhaltungen usw. zu arbeiten. Das heißt, ich bin da relativ resistent gegen und lasse mich einfach nicht stören oder unterbrechen.

Kia Kahawa Vielen Dank. Bei mir sieht das inzwischen etwas anders aus. Vor der großen Corona Zeit habe ich immer in Cafés am besten und am liebsten geschrieben oder auch im Hafen. Der Hafen ist der Coworking Space in Hannover, in dem ich gerne arbeite, um auch mal das Haus zu verlassen. Seit März habe ich allerdings das Haus nicht zum Arbeiten verlassen und daher ist es aktuell mein Tisch im Esszimmer, in dem ich jetzt schreibe. Und zwar immer am Laptop, denn am Computer im Arbeitszimmer habe ich die erste große Ablenkung, dass da meine Arbeit ist und leider eben auch Internet. Und durch Internet irgendwie Menschen und Dinge und Sachen. Und zum anderen sind im Arbeitszimmer meine beiden Papageien. Und im Gegensatz zu Carolin bin ich nicht die Person, die einfach sagt, ich lasse mich nicht unterbrechen oder stören. Ich lasse mich einfach unterbrechen oder stören. Vor allem, wenn die beiden sich streiten, wenn die um Futter betteln, wenn die niedlich sind, wenn die rumfliegen, wenn die schlafen. Und ich bin da jemand, ich kann super diszipliniert sein, muss allerdings dann entsprechende Faktoren von außen ausschalten bzw. ein Zimmer weiter gehen und dann funktioniert das bei mir. Liebe Liv, wie sieht das bei dir aus? Was ist denn dein liebster Schreibplatz?

Liv Modes Ich habe in der Form tatsächlich keinen festen Schreibplatz. Wenn ich zuhause bin, dann schreibe ich meistens am Schreibtisch oder auf der Couch. Aber zuhause ist halt auch die Gefahr der Ablenkung am größten, weil da eine ganze Wohnung voll mit Dingen ist, die ich gerade viel lieber tun würde als zu schreiben. Sei es jetzt Netflix gucken oder lesen oder Schokolade essen. Und deswegen kostet es auch sehr viel mehr Disziplin dann wirklich konzentriert am Text zu arbeiten. Was für mich richtig gut funktioniert, ist in der Bahn zu schreiben oder in der Mittagspause. Weil ich dann einmal feste Zeitfenster habe, in denen ich schreiben muss und dann aufhören muss, weil ich aussteigen muss oder ins Büro zurück muss oder so. Und gerade in der Bahn ist es auch immer sehr komisch, wenn man einen Laptop auf dem Schoß stehen hat und nicht schreibt. Das ist so ein bisschen dann der Druck von außen. Wenn Leute einen angucken, dann fühlt man sich gezwungen auch tatsächlich zu schreiben. Und das hilft dann auch sehr gut. Und was gerade wegen dieser festen Zeitfenster für mich auch super funktioniert, ist, mich in Cafés mit Leuten zu treffen und dann gemeinsam zu schreiben, wo man sich dann hinsetzt und sagt, wir beide konzentrieren uns jetzt die nächsten 20 Minuten nur aufs Manuskript und nichts Anderes. Und dann ist da noch eine zweite Person, die aufpasst, dass man das auch wirklich tut. Das funktioniert für mich auch sehr gut.

Kia Kahawa Oh ja, das inspiriert mich total. Ich hatte das vor zwei Jahren. Vor drei Jahren. Ich weiß nicht. Ich glaube, das ist schon drei Jahre her. Da hatte ich immer Schreibtreffs. Da hatte ich einen Autorenkollegen aus Hannover, mit dem hab ich mich dann/ also der war Student, der nicht viel Anwesenheitspflicht hatte und der so einen Minijob hatte. Das heißt, der hatte vormittags Zeit und hat da auch geschrieben. Und dann haben wir uns in einem Café getroffen und hatten dann auch diese Schreibzeit. Und am Anfang haben wir halt relativ viel geredet. Ich sag mal, die erste halbe Stunde. Aber irgendwann haben wir dann gesagt, so, jetzt schreiben wir und dann auch wirklich Pomodoro-Methode: Timer stellen, 25 Minuten schreiben, nicht reden und das hat richtig, richtig gut funktioniert. Also gerade, weil mir da jemand gegenübersitzt mit der Erwartungshaltung, dass ich jetzt schreibe. Und sobald jemand zum Handy greifen sollte, was bei mir jetzt kein Ding ist, denn mein Smartphone macht keine Geräusche und nervt mich nicht und das Internet ist dann eh aus. Aber sollte man durch die Gegend gucken oder zum Handy greifen oder irgendwas, dann wird man ja sofort von frontaler Sicht, aus einem Meter Entfernung, dafür gestraft mit einem bösen Blick. Also Schreibtreffs sind super und ich muss sagen, ich vermisse die total. Also dieser Freund, der hat aufgehört zu schreiben. Leider ist das also nicht mehr möglich. Aber eines Tages werde ich bestimmt mal wieder nicht alleine schreiben. Dafür hab ich auch den Coworking-Space. Da geht’s es halt nicht ums Schreiben. Aber da sitzen ganz viele Leute an vielen Tischen. Und an dem Tisch, an dem ich meistens sitze, da sind Plätze für fünf andere Leute, die da eben arbeiten. Das heißt, da sitzt dann der Web-Designer und da sitzt der Unternehmer und der E-Commerce Mensch und die arbeiten alle. Und die sind so produktiv. Und ich sage mal, das steckt an. Wenn ich dann da sitze, dann wird da nicht bei Twitter gesurft oder so und auch keine Kostenkalkulation gemacht, was ich tatsächlich sehr gerne mache, um mich von anderen Sachen abzulenken, da wird dann geschrieben. Und deswegen kann ich euch das allen, die das jetzt hören, ans Herz legen. Hört auf Liv! Probiert das mal aus. Alexander, wie sieht das bei dir aus? Wo schreibst du?

Alexander Greiner: Uh, der Schreibplatz. Das ist ein heikles Thema. Vor allem eben der richtige Schreibplatz. Ich hatte schon unterschiedlichste Schreibplätze. Institutionalisiert, in Schreibstudios, beim Coworking mit Freundinnen, in Ateliers von Schreibtrainer*innen, im Park, an der Donau, im Elternhaus am Küchentisch, im Zug. Im Zug schreiben ist super, weil du bist in Bewegung, dein Geist ist in Bewegung. Wo habe ich noch geschrieben? Im Warteraum, beim Arzt. Neun Wochen lang im Spital. Eine Woche mit Blick auf die Berge im Ferienhaus von Freunden. Drei Monate mit Blick aufs Meer in Kroatien. Das war überhaupt der beste Schreibplatz. Ja, sonst auch noch ganz klassisch im Café, daheim am Esstisch, auch stehend sogar, oder im Bett. Aktuell habe ich einen kleinen Klapptisch, den ich mir ans Wohnzimmerfenster stell, sodass ich dann rausschauen kann. Auf dem Fensterbrett steht eine schwarze Schreibtischlampe aus den fünfziger Jahren, würde ich sagen. Links daneben eine große Pflanze, Fensterblatt. Rechts daneben ein Bücherregal. Und dort sitze ich, habe meine Noise Cancelling Kopfhörer auf, manchmal auch Musik aufgedreht, mit dem Rücken zum Raum und bin ziemlich gut versunken in meine Arbeit. Das ist momentan der aktuell richtige Schreibplatz für mich.

Kia Kahawa Na, da hast du ja alles ausprobiert, was ein Autorenleben quasi hergibt. Das klingt ja super. Also im Urlaub schreiben bzw. an Orten schreiben und arbeiten, wo andere Urlaub machen, das will ich auf jeden Fall noch mehr vertiefen. Damit hatte ich angefangen, bevor dann die Stay at Home Phase begann und das klingt sehr, sehr gut. Und was ich echt toll finde ist, dass wir alle so beim Bahnfahren und unterwegs sehr gut schreiben können. Denn in der Bahn, nichts reicht an die Ergebnisse in der Bahn heran. Das ist einfach wunderbar. Richtig schön. Ok, wir sind jetzt schon am Ende dieses heutigen Podcast angekommen. Wir haben darüber gesprochen, dass wir eigentlich ziemlich ähnlich, aber auch unterschiedlich denken, z.B. dabei, wie man sich Ziele setzt. Also eine Planung, die sollte großzügig sein. Aber so eine Schreibzeit, von wegen ich schreibe jetzt 1.000 Wörter oder ich schreibe jetzt 2, 4, 5, 6.000 Wörter, das habe offenbar eher nur ich. Und die anderen, die mir jetzt Rede und Antwort gestanden haben, die haben eher so ein bisschen gesagt, ja, Hauptsache, ich erreiche meine Ziele und ich plane großzügig. Ich plane so, dass es funktioniert. Und Pläne sollten dann darüber hinaus auch flexibel und anpassbar sein. Und vor allem Unzuverlässigkeit vom Leben, von sich selbst und von anderen, sobald sie oder sofern sie involviert sind, berücksichtigen. Ansonsten, super spannend, was ich jetzt zu euren Schreibplätzen und -orten gehört habe. Ich würde einfach mal sagen, wir lassen das so stehen. Ich hoffe, den einen oder anderen da draußen, wer auch immer diesen Podcast gerade hört, fühlt sich inspiriert, etwas auszuprobieren, etwas zu verändern oder, je nachdem auf welcher Plattform ihr das hört, in die Kommentare zu schreiben, wie das denn aussehen würde, wenn ihr diese Fragen mal für euch selbst beantwortet.

 

In dieser Folge mit dabei:

 Carolin Summer

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Alexander Greiner

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Liv Modes

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