Heute reden wir über das Schönste und das Schlimmste im Autorenleben.

Wir, das sind Alexander Greiner, Carolin Summer, Lily Magdalen und ich, Kia Kahawa.

Heute wollen wir das Autorenleben im Allgemeinen beleuchten. Dabei frage ich meine Gäste, was das Schönste in ihrem Autorenleben ist, was wir am Schreiben und an der Literatur genießen, welche Herausforderungen wir zu meistern haben und was uns als Autorinnen und Autoren nervt.

Das Winterferien-Programm

Seit April 2020 gibt es jeden Freitag eine Autorenleben-Podcastfolge. Ab 2021 verändert sich das Podcast-Konzept, und ich werde ihn unter dem Namen Auto(r)preneur überall dort veröffentlichen, wo es Podcasts gibt. In den Monaten Juli und Dezember allerdings pausiere ich meinen eigenen Podcast und lasse andere Autor*innen zu verschiedenen Themen zu Wort kommen.

Vom 01. Dezember bis zum 02. Januar wirst du 8 Podcasts hören, an denen insgesamt 10 Autor*innen mitgewirkt haben. Sei dabei und höre kostenlos die Folgen, die du möchtest (oder gerne alle!), oder unterstütze dieses Projekt zusätzlich mit einem monatlichen Betrag auf meiner Patreon-Seite: www.patreon.com/kiakahawa . Wenn du heute mit zwei Euro pro Monat einsteigst, zahlst du pro Podcast im Winterferien-Programm eine Unterstützung von etwa 25 Cent. Das klingt enorm wenig, kann uns aber helfen, dieses Programm zwei Mal jährlich mit immer neuen Autorinnen und Autoren zu veröffentlichen.

 

Transkript des Podcasts

Kia Kahawa Heute beginnen wir mit Alexander Greiner und ich will wissen: Was ist das Schönste an Büchern, Alexander?

Alexander Greiner Hm, gute Frage. Um zu beantworten, was das Schönste an Büchern ist, muss ich fragen, warum gibt’s überhaupt Bücher? Und das ist leicht erklärt. Weil wir Menschen Geschichten lieben. Ja, okay, auch Wissensvermittlung ist ein Grund. Aber hintergründig geht’s immer um’s Geschichtenerzählen. Lange bevor es Bücher gab, haben sich die Menschen rund ums Feuer versammelt und sich dann Geschichten erzählt. Bücher gehören also quasi zu den ältesten Kulturtechniken der Menschen. Das liebe ich an Büchern. Und dabei ist es egal, welcher Gattung ein Buch angehört, ob es ein Roman oder ein Drehbuch ist oder ein Kochbuch. Am Wochenende hab ich z.B. ein Kochbuch ist im Jahre 1820 gelesen. Das ist 200 Jahre her. Das muss man sich mal vorstellen. Die Sprache war eine komplett andere als heute, aber schön. Es ging nicht nur darum, einfach nur das Zugeben der Zutaten anzuleiten, sondern auch darum, ein Gefühl für’s Kochen zu vermitteln.

Kia Kahawa Vielen Dank. Dann würde ich gerne weiter gehen zu Carolin Summer. Caroline, was ist für dich das Schönste an Büchern und Literatur?

 

Carolin Summer Das Schönste an Büchern und Literatur ist für mich die Fantasie. Sowohl, wenn ich selbst schreibe und die Geschichten aufs Papier bringe, die in meinem Kopf herumspuken, als auch, wenn ich selbst lese und dann sehe, was andere sich so einfallen lassen und wie vielfältig Ideen sein können.

Kia Kahawa Vielen Dank für deine Antwort. Unser dritter Gast heute ist Lily Magdalen. Und auch ihr möchte ich dieselbe Frage stellen. Liebe Lilly, was ist das Schönste an Büchern, an Literatur und am Schreiben?

Lily Magdalen Das Schönste an Büchern und das Schönste am Schreiben. Das ist beides die gleiche Sache, jetzt ganz spontan gesprochen. Und zwar der Moment, in dem du vergisst, dass du liest. Oder der Moment, in dem du vergisst, dass du schreibst. Weil dann bist du ganz tief drin in der Geschichte. Und letztendlich ist das ein Flow-Zustand und alles andere wird ausgeblendet. Ja, das ist einfach auch mit nichts vergleichbar. Ich bin froh, dass ich das tatsächlich, merke ich jetzt gerade zum ersten Mal, dass ich das bei beidem habe – beim Schreiben und beim Lesen bzw. umgekehrt, beim Lesen und beim Schreiben. Weil das Schreiben ja doch auch oft anstrengend ist und viele frustrierende Momente hat. Aber es gibt diese Momente, wo man vergisst, dass man schreibt. Und die Finger bewegen sich von ganz allein über die Tastatur und du hast deine Stimme gefunden und es fließt. Und das ist, das ist großartig.

Kia Kahawa Dieses Gefühl kann ich absolut nachvollziehen. Ich merke manchmal auch, wenn ich so richtig im Flow bin, dass ich gefühlt nur noch dekorativ am Schreibtisch sitze und quasi lese, was meine Hände da schreiben. Wenn ich komplett im Schreiben drin bin, dann ist das wunderbar. Und ich persönlich lese am liebsten Science Fiction oder Entwicklungsromane. Und gerade bei der Science Fiction, da tauche ich so richtig ab. Da bin ich in einer ganz anderen Welt und ich merke, ich habe ganz andere Prioritäten. Ist ja klar, wenn ich über eine KI lese, die seit tausenden von Jahren durch das Weltall fliegt und fremde Kulturen entdeckt und Planeten zivilisiert und Gott spielt und so. Und da werde ich definitiv völlig aus meinem eigenen Leben, ja, quasi katapultiert. Denn ich lese zwei Seiten und bin weg. Und wenn ich im Schreibflow bin, dann geht es mir auch so beim Schreiben. Allerdings kann ich da total zustimmen, dass es nicht so einfach ist, in diesen Schreibflow zu kommen, bzw. dass wir Autorinnen und Autoren sehr häufig frustrierende Momente haben, die uns nicht leicht von der Hand gehen. Und wenn wir jetzt schon mal beim Thema sind, würde ich gerne wissen: Was nervt denn so richtig? Was ist schlimm? Was ist anstrengend, riskant oder doof am Autorenleben? Liebe Carolin, was ist für dich das Nervigste?

Carolin Summer Ja, das Nervigste am Autorenleben? Ich glaube, für mich ist es Rohfassungen schreiben. Damit bin ich sicher nur eine von wenigen. Die meisten, die ich kenne, schreiben lieber Rohfassungen, als dass sie überarbeiten. Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich feile lieber an der fertig geschriebenen Geschichte rum, als dass ich sie direkt zu Papier bringe. Einfach, weil ich so perfektionistisch bin, dass ich dazu neige, schon während dem Runterschreiben immer wieder zurück zu springen und zu ändern, an Sätzen zu feilen, noch mal Dinge zu löschen, nochmal neu zu schreiben. Und das hält den ganzen Prozess natürlich irre lange auf.

Kia Kahawa Das kann ich absolut nachvollziehen. Ich darf hier nochmal erwähnen, dass ich deine perfektionistische Ader schon sehr gut kenne, denn ich bin die Buchsetzerin von Carolines Weltenwechsler-Reihe. Und ja, ich habe tatsächlich nicht so häufig mit so sehr perfektionistischen Autorinnen und Autoren zu tun, bin aber super froh, denn uns beiden als Team entgeht wirklich gar nichts. Also naja, dann doch schon mal was. Also da muss ich sagen, das ist schon nervig. Gerade, wenn ich auf einem sehr sehr hohen Niveau arbeite und auch mit Menschen arbeite, die sehr perfektionistisch sind. Und dann kommt da so auf Seite 4 am Nachhinein heraus, dass da ein Leerzeichen zu viel ist. Das ist super ärgerlich. Und ich glaube, das wäre auch meine Antwort auf die von mir gestellte Frage. Was mich super nervt, ist die Betriebsblindheit, die wir Autorinnen und Autoren, tatsächlich dann aber auch Lektorinnen und Lektoren und Buchsetzer*innen haben. Nämlich dieses: Ich kenne den Text. Ich war da schon tausend Mal drüber. Ich habe jede Stelle siebenmal angeguckt oder gelesen und ich sehe keinen Fehler. Dann wird das Ding gedruckt, ich halte es in der Hand, schlage es auf und sehe da – einen Fehler. Ich glaube, das ist für mich persönlich das aller Nervigste im Autorenleben. Und was ich auch ziemlich anstrengend finde, ganz im Gegenteil zu Carolin, ist das Überarbeiten. Was aber vor allem daran liegt, dass ich noch keine richtige Überarbeitungsroutine habe und beim Überarbeiten eines Romans nicht genau sehen kann, aha, jetzt bin ich fertig. Also das, was ich vor einer Woche überarbeitet habe, kann ich jetzt noch einmal überarbeiten. Nächste Woche noch einmal. Die Woche darauf. Und am Ende mache ich nichts anderes mehr, als am besten ein Kapitel über Jahre überarbeiten. Das ist natürlich nicht gesund. Also zu wissen, wann Schluss ist und wann das Buch fertig ist, das fehlt mir einfach noch als Kompetenz. Und daher glaube ich, dass ich Überarbeiten noch doof finde. Aber nicht auf Dauer. Lily, wie sieht das bei dir aus? Was findest du so richtig meh?

Lily Magdalen Puh, ja. Da gibt’s, boah, gibt’s unglaublich viele Kleinigkeiten, die man jetzt aufzählen könnte, was einen alles nervt und frustriert. Und ja, sei es eine Schreibblockade, sei es, dass man nicht weiß, wo der Plot hingeht oder dass man einfach nicht zum Schreiben kommt. Ach, da gibt es unglaublich viele Kleinigkeiten. Aber das Schlimmste, was für mich auch, was sich am schlimmsten anfühlt, sind so Momente, in denen man sich a) entweder richtig viel Druck macht oder aus irgendeinem Grund glaubt, diesen Druck von außen zu spüren. Aber da kommt meistens von innen. Und b) ist eigentlich, das entsteht daraus und das ist ganz furchtbar, wenn man sich total unzulänglich fühlt und einfach nicht gut genug. Das ist so, dieses, das ist so dieser Moment auch kurz vor, ich lasse es. So, ich bin nicht gut genug. Das ist ein ganz schreckliches Gefühl. Ich wünsche es niemandem. Ich hoffe auch, dass ich da jetzt nicht für alle Autorinnen und Autoren spreche hier. Aber ich weiß von ganz vielen, dass sie das kennen. Und von ganz vielen generell kreativen Menschen, dass sie das kennen, dieses Gefühl, nicht gut genug zu sein. Das, ja. Manchmal gibt es das im Positiven tatsächlich, wenn man ein Buch liest, was so unglaublich gut ist, dass man denkt: Boah, niemals werd‘ ich so gut sein. Was aber in dem Moment wahnsinnig beflügeln kann. Das ist dann sehr wünschenswert. Aber so dieses “kurz vorm Hinwerfen ich bin nicht gut genug”, ist ein schlimmes Gefühl. Ja, wünsche ich echt keinem.

Kia Kahawa Vielen Dank. Auch da kann ich total mitfühlen. Wie sieht es bei dir aus, Alexander? Fühlst du da auch mit oder gibt es was anderes, was dich so richtig aufregt oder nervt?

Alexander Greiner Was so richtig am Autorenleben nervt ist, dass es so schwer ist, den Lebensunterhalt damit zu verdienen. Lesungen sind ja quasi die einzige Einkommensquelle. Und aktuell, wegen die Pandemie, ja mehr oder weniger komplett ausgesetzt. Aber ich mache das Schreiben sowieso nicht, um Geld zu verdienen. Ich habe einen kleinen Job als Redakteur bei einem Online-Magazin. Wir befassen uns mit dem Lebensumstand Krebs. Hin und wieder erhalte ich erfreulicher Weise ein Stipendium von Förderstellen. Und zum Glück bekomme ich auch noch Geld vom Staat. Alles in Summe schafft mir dann den Freiraum, das Autorenleben in vollen Zügen zu genieße. Frei zu sein. Tagelang die passende Inspiration zu suchen. Oder auch, bis spät in die Nacht, stundenlang zu schreiben, weil ich ganz genau weiß, dass ich am nächsten Morgen nicht unbedingt pünktlich aufstehen muss, um zur Arbeit zu fahren.

Kia Kahawa Oh ja. Das mit den Lesungen kann ich total verstehen. Was ich da noch zu hinzufügen könnte, ist, dass die Buchmessen ja ausfallen. Und für mich persönlich sind die Buchmessen insgesamt der größte Umsatzmacher im Jahr, was auch auf meine schriftstellernahen Dienstleistungen, wie Buchsatz, Lektorat, Korrektorat auszuweiten ist. Denn da lerne ich natürlich Menschen kennen. Da lerne ich Kunden kennen. Da mache ich viel, viel Akquise. Und Lesungen bringen tatsächlich auch einen enorm hohen Umsatz in Richtung “nur Schreiben”. Also verglichen mit den schriftstellernahen Dienstleistungen nicht so viel, aber sie sind für mich als Schriftstellerin, reduziert, nur als Schriftstellerin gesehen, auch enorm wichtig. Und dass die wegfallen und dass wir als Autorinnen und Autoren quasi keine Hilfe vom Staat kriegen, dass das ausfällt, weil wir ja nicht nachweisen können, also ich zumindest, ich kann nicht nachweisen, dass ich jetzt eine Lesung gehalten hätte und dadurch X verdient hätte und deswegen hätte ich Geld bekommen. Und das klappt ja nicht. Also Corona-Soforthilfen für Autoren gibt’s im Grunde nicht. Das ist natürlich aktuell besonders nervig. Ich würde den Podcast gerne beenden, indem ich euch nochmal kurz frage, was das Schönste am Autorenleben ist. Von Lily Magdalen weiß ich, dass sie die Frage quasi schon in der ersten Frage beantwortet hat. Also bleiben uns jetzt nur noch Carolin und Alexander. Also Alexander, was ist mit Abstand das Allerschönste am Autorenleben für dich?

Alexander Greiner Was das Schönste am Autorenleben ist? Am meisten Freude macht es mir, mit der Sprache zu spielen.

Kia Kahawa Und Carolin, wie sieht es bei dir aus? Was ist das Allerschönste?

Carolin Summer Am meisten freue ich mich darüber, von den Lesenden zu hören, wie ihnen meine Geschichten gefallen haben. Natürlich, wenn sie sie gut fanden. Aber auch, wenn sie Kritik daran haben. Wenn das natürlich konstruktive Kritik ist, weil man aus der auch immer wieder was lernt und für die Zukunft was Neues mitnimmt. Weil ich glaube, dass man nie auslernt und ich mich und mein Schreiben auch immer noch verbessern möchte und dadurch eben besonders viel mitnehmen kann.

Kia Kahawa Oh ja. Wenn andere das lesen, was ich geschrieben habe, dann ist natürlich sehr, sehr, sehr viel Zeit vergangen, von der ersten Idee bis zum ersten Leser-Feedback. Und ich merke, dass ich im Tagesgeschäft sozusagen, also beim Schreiben, Planen, Plotten, Überarbeiten, dass ich da total selten an den Leser denke und mir viel zu selten dieses finale Ende, die Belohnung, vor Augen halte. Das ist natürlich wunderschön. Ich kann es einfach nur bestätigen, was Carolin sagt. Ich glaube, unsere Meinungen oder unsere Antworten auf die Frage sind hier einfach mal deckungsgleich. Ich habe nur gerade für mich gemerkt, ich achte viel zu selten darauf. Vielleicht ist das ja ein schönes Learning für dich, lieber Zuhörer, liebe Zuhörerinnen. Vielleicht hast du so ein bisschen gemerkt: Hey, mit den Sachen, die nerven, mit der Sache mit dem Geld und Corona und keine Hilfe bekommen, oder überarbeiten nervt, oder Rohfassungen nerven. Du merkst, damit bist du nicht allein. Und diese ganzen schönen und positiven Aspekte am Lesen, am Schreiben, an Büchern, am Autorenleben allgemein haben hoffentlich den einen oder die andere motiviert. Ich bedanke mich bei meinen heutigen Gästen Carolin Summer, Alexander Greiner und Lily Magdalen. Vielen Dank, dass ihr euch meinen Fragen gestellt habt.

 

 

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Alexander Greiner

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