Arbeit abgeben ist nur etwas für erfolgreiche Unternehmer*innen, die schon „angekommen“ sind? Von wegen!

Delegieren ist eine Fähigkeit, die jede*r Unternehmer*in benötigt, und das Delegieren kann wirklich klein anfangen. Also lasst uns mal darüber sprechen!

Delegieren heißt nichts anderes, als Arbeit abzugeben. Was ich nicht selbst erledigen muss, gebe ich sehr gerne ab. Das geht zum Teil sehr günstig, manchmal kostet Delegieren Geld, aber in den meisten Fällen bringt Delegieren sogar ein Plus auf dem Konto. Wie das geht? Mit einer kleinen Veränderung der Perspektive.

 

Von der Selbstständigen zur Unternehmerin

Als Selbstständigen-Kind, dessen einziges berufliches Ziel es immer war, einmal selbstständig zu arbeiten, dachte ich, ich lebe meinen Traum. Ich bin als Selbstständige für alles zuständig: Ich mache die Steuern, ich öffne Post, ich putze mein Büro, ich bearbeite E-Mails, beteilige mich am Networking, pflege Social Media, versuche, mit Werbung und Marketing durchzustarten – und habe dann ab und zu auch mal Zeit, meine eigentliche Arbeit zu machen.

Was zunächst sehr cool für mich war, hat sich zu einem etwas negativen Bild gewandelt. Ich würde gerne mehr Zeit mit meiner Kerntätigkeit verbringen – ich bin in erster Linie Buchsetzerin und Schriftstellerin, und nicht Reinigungsfachkraft, Sekretärin, Kundenmanagerin und Marketing-Profi. Mit dem Ziel, mehr meiner Kerntätigkeit nachzugehen, geht auch der Wunsch einher, dass ich finanziell gerne etwas mehr Freiheiten hätte. Mehr Umsatz, mehr Gewinn, auch unabhängig vom regelmäßigen Wachstum. So ein richtiger Boom in meiner persönlichen Unternehmens-Konjunktur wäre toll!

Wenn du dich auf der Schwelle zwischen Selbstständigkeit und Unternehmertum befindest, wirst du irgendwann beginnen müssen, zu delegieren. Wenn wir Aufgaben abgeben, kann uns das Geld bringen, und zwar vor allem das allseits beliebte passive Einkommen.

 

Passives Einkommen

Wenn du einmal googelst, findest du zum Thema Passivem Einkommen sehr schnell Multi-Level-Marketing-Zeug (wovon ich überhaupt kein Fan bin!), ein paar mehr oder minder riskante Investment-Tipps und abertausende Anleitungen, wie du dir einen Online-Marketing-Funnel aufbauen kannst.

Meiner Meinung nach ist das ehrlichste und nachhaltig sicherste passive Einkommen das, das du durchs Delegieren erwirtschaften kannst.

Du kannst also die Aufgaben abgeben, für die du eigentlich bezahlt wirst. Statt einem Kunden „nein“ zu sagen, weil der Kalender voll ist, sage ich „ja“ und habe inzwischen ein Team von einer Buchsetzerin und einem Buchsetzer, die sich mit mir meine Kund*innen teilen. Ich sorge dafür, dass meine Buchsatz-Kund*innen einen qualitativ hochwertigen Buchsatz kriegen – ob nun ich selbst daran arbeite oder ein*e meiner Mitarbeiter*innen, die für mich arbeiten, das ist dann tatsächlich nicht wichtig. So kann ich an den Buchsatz-Aufträgen mitverdienen: Einnahme durch Kundenrechnung, Ausgabe durch Lohn / Gehalt.

Aber Delegieren kann auch anders zu mehr Gewinn führen: Nehmen wir allein eine Buchhaltungs-Software. Statt beispielsweise vier Stunden im Monat aufwendig die Buchhaltung zu erledigen, kannst du dir einfach eine Software und/oder einen Steuerberater organisieren. Das kostet in erster Linie natürlich Geld, aber du gewinnst dadurch Zeit. Das ist die Zeit, die du deiner Kerntätigkeit widmen und bei entsprechender Kundenlage auch verkaufen kannst.

 

Lohn sich eine Assistenz?

Ich habe seit März 2019 eine Assistentin. Und das wird sich auch so schnell nicht mehr ändern!

Stell dir mal vor, du holst dir eine 450-Euro-Kraft. Diese Person trägt Fristen ein, öffnet die Post, bearbeitet die E-Mail, wickelt Bestellungen, Eventplanungen, Teilaspekte des Marketings wie Druckaufträge, Social Media und Customer Relationship Management ab und bringt dir vielleicht auch noch einen Kaffee. Klingt nach teurem Luxus, kann dir aber beispielsweise 40 Stunden im Monat ersparen.

Nehmen wir an, du bezahlst ca. 591,52 Euro und kaufst dir dadurch 40 Stunden.

  • Warum 592,52 Euro? Weil ein 450-Euro-Job samt Sozialversicherungsabgaben und pauschaler Lohnsteuer so teuer ist. Siehe dazu auch „Wie teuer ist ein Minijob?“.
  • Warum 40 Stunden? Einfach so ein Beispiel. 11,25 € pro Stunde liegt derzeit über dem Mindestlohn und es ergibt eine schöne runde Zahl, mit der ich im Folgenden rechnen kann. Realistisch sind vermutlich eher 30 Stunden, da man Minijobber*innen gerne höher bezahlen sollte und weil du auch ein bisschen Arbeit durch Einarbeitung und Kommunikation mit deiner Angestellten haben wirst. Bleiben wir im Folgenden aber bei 40 Monatsstunden, die du gewinnst.

Pro Stunde, die du mehr Zeit gewinnst, zahlst du jetzt also 14,82 €. Wenn du zu einem Stundensatz zu 40,00 € die Hälfte der Stunden verkaufst, indem du Arbeit für Kund*innen erledigst, verdienst du 800,00 €. Verrechnest du das mit den 592,52 € Gehalt für deinen Minijobber, machst du ein Plus von 207,48 € – und 20 völlig frei zur Verfügung stehende Stunden! Ich wette, du weißt eine Menge, was du mit zwanzig weiteren Stunden anstellen kannst, um dein Business auf das nächste Level zu heben.

 

Ich persönlich arbeite nicht mit einer 450-Euro-Kraft, da ich etwas Angst vor ungewissen Kosten wie Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, gesetzlichem Urlaub und so habe. Ich arbeite zudem super gern mit Freelancern, weshalb ich eine freiberufliche Assistenz habe. Die ist zwar sehr viel teurer als das oben genannte Beispiel, aber es passt für sie und mich einfach besser. Und mein Stundenhonorar beträgt auch schon seit Jahren nicht mehr 40,00 €. 😉

 

Externe Experten richtig nutzen

Also, ran ans Delegieren!

Welche Prozesse kannst du von deinem Arbeitsplan streichen? Wenn du jetzt total motiviert bist, dir jemanden einzustellen, warte noch kurz und lies weiter.

Denn ich habe einen Grundsatz, den ich gerne an dich weitergeben möchte.

Delegiere niemals etwas, was du automatisieren kannst. Automatisiere nie etwas, was du eliminieren kannst.

Ich persönlich nehme mir jede Aufgabe, die (laufend) anfällt und frage mich zunächst: Muss ich sie überhaupt erledigen? Wenn ich die Aufgabe vernachlässigen kann: Weg damit!

Dann frage ich mich, wenn die Aufgabe noch weiter existiert: Kann ich diese Aufgabe optimieren? Geht es besser, einfacher, schneller? (Beispiel: Buchhaltung statt mit Papier und Stift über eine Software erledigen).

Im nächsten Schritt überlege ich, ob ich etwas automatisieren kann. Muss das ein Mensch machen? Muss ich meiner Putzfrau wirklich 30,00 € dafür zahlen, dass sie mein Büro saugt und wischt? Oder tut es der Staubsaugerroboter nicht auch, der sich dann nach x Wochen durch seinen Anschaffungspreis und die Putzfrau-Ersparnis bezahlt macht?

Wenn es ein Mensch machen muss, frage ich mich: Wer muss das machen? Ist die Antwort nicht „ich!“, dann wird die Aufgabe delegiert.

Wenn nach diesem langen Entscheidungsbaum die Antwort herauskommt, dass ich tatsächlich eine Aufgabe erledigen muss, dann lautet die nächste Frage: Wann? Und dann erst, und auch wirklich nur in dem Fall, dass eine Aufgabe diesen Entscheidungs-Funnel überlebt hat, dann landet eine Aufgabe auf meinem Schreibtisch und in meinem Kalender.

 

Bist du bereit zum Delegieren?

Na, habe ich dich angesteckt mit den konkreten Strategien, um weniger zu arbeiten? Denn „weniger arbeiten“ ist schon seit Jahren mein regelmäßiger guter Vorsatz im neuen Jahr.

Wenn du Erfahrungen, Fragen, Anregungen oder anderes zum Thema zu sagen hast, schreib mir in die Kommentare! Ich bin gespannt, von dir zu hören.

Alles Liebe,

Kia



 

Der Auto(r)preneur-Podcast:

Jeden Monat am 10., 20. und 30. veröffentliche ich eine neue Episode des Auto(r)preneur-Podcasts. Ich spreche über meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse, die mit wichtigen Business-Themen zu tun haben, die für buchnahe Selbstständige relevant sein könnten. Bei Auto(r)preneur wirst du nicht mit Weisheit überschüttet, sondern sitzt mit mir im selben Boot.

Kannst du die nächste Folge nicht erwarten? Werde Mitglied auf meiner Patreon-Seite und höre die nächste Folge schon heute!

 

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