Multitasking ist das angebliche Gleichzeitigerledigen von Aufgaben, was unser Gehirn gar nicht kann. Wir funktionieren wie Computer und können immer nur einen Prozess ausführen. Wenn wir Multitasking betreiben, schaltet unser Gehirn ultraschnell zwischen zwei Aufgaben hin und her. Und das ist absolut kein Grund, warum Multitasking nicht (oder vielleicht auch doch) funktioniert!

Die Studie mit dem Multitasking

Kennst du auch diese vielzitierte Studie, laut der nur wenige Prozent (2,5 %) der Menschheit überhaupt zum Multitasking fähig ist?

Ich habe mal recherchiert und habe die Untersuchung gefunden. Sie wurde 2011 durchgeführt und ist von Strayer, Watson, Jason & Drews. Darin haben die Untersuchenden zweihundert Student*innen an einen Fahrsimulator herangeführt und während sie gefahren sind, sollten sie Aufgaben erledigen. Dabei sind sie immer wieder in kritische Situationen (typisch: Ball rollt auf die Straße, Kind läuft hinterher) gebracht worden.

So weit, so gut. Ich könnte kein Hörbuch hören, während ich Auto fahre. Aber ich fahre kein Auto. Ich habe zwar seit zehn Jahren einen Führerschein, besaß aber noch nie ein Auto. Ich schätze, in den letzten sechs Jahren bin ich ca. 100 Kilometer Auto gefahren. Insgesamt. Jemand, der täglich zehn Kilometer zur Arbeit fährt, kann dabei oft locker nebenbei das Radio oder ein Hörbuch hören. Hiermit will ich den Fokus darauf legen, dass die Studienteilnehmer*innen allesamt an einem Fahrsimulator waren. Was sagt uns das über Multitasking bei der Schreibtischarbeit? Genau: Nichts.

Außerdem waren alle Studienteilnehmenden Student*innen. Also mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit unter 30, Abiturient*innen und mit erstmals freier Zeiteinteilung in ihrem Alltag. Was uns das sagt, kann jede Leserin nun für sich entscheiden, darauf will ich gar nicht eingehen. Und es gibt sicherlich auch noch weitere Studien, die unter anderen Umständen und mit anderen Teilnehmerkreisen durchgeführt worden sind.

Worauf ich hinaus will: Glaubt den Ergebnissen nicht. Und wenn: Wer sagt, dass ich nicht zu den eher seltenen 2,5 % gehöre? Ich habe auch eine seltene Ausprägung einer Autoimmunerkrankung, das ist wie ein Sechser im Lotto, nur eben mit unangenehmeren Folgen als ein steuerfreier Geldgewinn.

Meine Erkenntnis: Ich gehöre zu den 2,5 %, auch wenn ich am Fahrsimulator unter den genannten Umständen mit Sicherheit eine der schlechtesten der 97,5 % gewesen wäre.

 

Von einem Extrem ins andere

So. Ich bin also eine ganz besondere Schneeflocke. Das ist toll, oder? Jetzt kann ich mir etwas darauf einbilden und habe jetzt die Erklärung, warum ich in meiner Jugend die Hausaufgaben immer gemacht habe, während ich Fernsehen gesehen habe. Manchmal habe ich auch noch gleichzeitig telefoniert. Die Schulnoten sprechen für sich, war ich doch durchgehend Einser-Schülerin.

Aber irgendwie bin ich in den letzten Jahren durch den ein oder anderen unreflektiert als Hörbuch gehörten Ratgeber für mich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich Singletasking betreiben muss. Und zwar so richtig krass!

Ich habe 2019 und 2020 nichts anderes getan, als Singletasking auf die Spitze zu treiben. Es gab jede Woche einen Dienstag: Das war mein Dienst-Tag, also der Tag, an dem ich Dienst an meiner Arbeit verrichtet habe. An diesen Tagen habe ich alles erledigt, was kein Tagesprojekt war. Alles andere war ein Tagesprojekt.

Das heißt, ich habe mich nicht nur darauf beschränkt, eine Aufgabe zur selben Zeit zu erledigen, sondern auch, pro Wochentag nur eine Aufgabe zu bearbeiten. Dann hieß es nicht mehr „Jeden Tag ein Kapitel schreiben“ oder „Rohsatz für Kunde x anfertigen“, sondern „Montag: 6.000 Wörter schreiben. Mittwoch: Rohsatz für Kunde x, Feinsatz für Kunde y und Entwürfe für Kunde z“. Es war also ein krasses Themen-Clustering und ich habe jeden Tag eine andere Rolle eingenommen. Montags war ich Schriftstellerin, Mittwochs Buchsetzerin, alle drei Wochen war Donnerstag Marketing-Tag und so weiter.

Das hat mir eine Weile gut getan, aber die Zeiten ändern sich und mich. Derzeit brauche ich ein besonders flexibles Modell, bei dem ich mir aussuche, wann ich was erledige. Ich betreibe also wieder Multitasking im Sinne von „An einem Tag mehrere Rollen einnehmen“, aber inzwischen habe ich auch begriffen, dass ich gewisse Aufgaben besser erledigen kann, wenn ich eine Art Grundrauschen habe. Aus dem Gerede und Gewusel im Café ist da eben mediale Beschallung geworden, wenn ich sie manchmal brauche. Das ist nicht schlimm, denn solange sich die Arbeit gut anfühlt und ich weder Fokus noch Energie einbüße, ist doch alles völlig in Ordnung!

 

Fazit: Hauptsache Tasking

Für Selbstständige und Unternehmer*innen ist doch vor allem eines wichtig: Dass die Aufgaben erledigt werden. Ob jemand nun Multitasker oder Singletasker ist, ob sich diese beiden Pole ab und zu mal verändern, oder ob eine variable Mischform je nach Stimmung, Aufgabentyp, Motivation und / oder Jahreszeit besser ist, ist doch völlig egal, oder nicht?

Betrachte einfach deine Aufgaben, schau dir an, wie du arbeitest und ob du etwas optimieren musst oder möchtest. Wenn alles passt, lass dir nicht einreden, dass der Mensch gar kein Multitasking beherrscht, weil unser Gehirn nur 1 und 0 kennt. Du kannst schließlich auch den Podcast zum heutigen Blogartikel hören und gleichzeitig durch diesen Artikel scrollen, ohne dass dein Smartphone zu streiken beginnt – hoffe ich doch!

Alles Liebe,

Kia



 

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