Viele Leute, gerade Kreative, lassen sich vom Perfektionismus daran hindern, ein Projekt zu beenden. Ich selbst bin nur phasenweise perfektionistisch. Ich plane akribisch und lasse mir dabei viel Zeit, beginne danach mit dem Projekt und erreiche nach und nach Teilziele. Doch als ich den Buchsatz-Online-Kurs fertiggestellt habe, sagte eine Stimme in mir „Mach das alles nochmal neu“. Und so ist es auch. Beim Fertigstellen meiner Bücher hingegen bin ich zum Ende hin eher schlampig als perfektionistisch.

Über das Thema Perfektionismus und darüber, wie man große Projekte zu Ende bringt, möchte ich heute sprechen. Doch das mache ich nicht allein. Ich habe mit Verena von sichtbar-anders.de gesprochen.

Verena Mayer-Kolbinger ist Kreativitäts-Coach und hat mich angeschrieben, da sie meinen Podcast gehört und die Mischung aus „Autor“ und „Entrepreneur“ sofort angesprochen haben. Sie begleitet Menschen, die in ihrem kreativen Prozess etwas anfangen, durchhalten und beenden wollen – daher ist sie der perfekte Gast, um über Perfektionismus zu sprechen.

 

Perfektionismus: Freund oder Feind?

Ich finde, wir sollten mit dem Perfektionismus Schluss machen, wenn er nicht konstruktiv mit und für uns arbeitet. Wenn sich Gedankenmuster des Perfektionismus immer wiederholen, dann kommen wir nie zum Schluss. Es ist meiner Meinung nach besser, ein Ergebnis zu 97 % zufriedenstellend als „fertig“ zu betrachten, statt Ewigkeiten mit den letzten drei Prozentpunkten bis zur Perfektion zu verbringen.

Verena sagt, dass Perfektionismus grundsätzlich etwas Gutes ist. Er kommt auf, wenn wir Zweifel haben, und diese Zweifel sind mitunter sehr sinnvoll, denn sie weisen uns den Weg, schützen uns vor Selbstüberschätzung und davor, uns die Blöße zu geben, wenn wir ein ungenügendes Projekt beenden und Kund*innen oder der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Wenn wir als Selbstständige und Unternehmer*innen arbeiten, sind wir dabei meistens auf uns allein gestellt. Wir arbeiten für uns selbst, erhalten keine oder kaum Kritik von außen und sind oft die einzigen, die überhaupt in allen Facetten wissen, worum es eigentlich bei der eigenen Unternehmung geht. Uns fehlt womöglich ein Blick, der berechtigte Zweifel erzeugen würde – danke, lieber Perfektionismus! Hier kann er uns guttun.

Sobald irgendwelche Zweifel in uns wohnen, versuchen wir natürlich, etwas besser zu machen. Doch das Wichtige ist, das richtige Maß an Perfektionismus zu kennen. Er ist also weder unser bester Freund, noch ein Feind – er kann beides sein, je nach seinem Ausmaß.

 

Sinnkrise meets Perfektionismus

Verena sagt, dass wir unser „Warum“ als Messlatte für unsere Arbeit verwenden sollten. Dass sie das Thema anschneidet, ist schon irgendwie witzig, denn für mich persönlich beginnt die große Negativ-Blase von Perfektionismus, Kritik und Zweifel bereits beim „Warum“: Denn mein „Warum“ ist nicht so groß wie etwa das von Tobias Beck, der sagt, er wolle das Meer sauber machen, sondern ein ganz kleines, ja, gar egoistisches „Warum“. Ich habe nämlich Spaß an dem, was ich tue. Und das ist mein „Warum“. In einem langen Gespräch mit anderen Selbstständigen im Coworking-Space in Hannover habe ich leider vermehrt gehört, dass mein „Warum“ nicht genug ist – und das genau in der Krise, die mich ereilt hatte, nachdem ich meinen Fünfjahresplan erreicht und ohne Ziele, ohne Mission oder konkrete Wegweiser dastand.

Kennst du das, wenn deine Vision, Mission oder das „Große drumherum“ nicht gut genug erscheint? Wenn wir beginnen, uns zu vergleichen? Das kann fies sein.

Meine Gesprächspartnerin hat aber auch hierzu einen tollen Tipp: Die Ikigai-Methode. Diese japanische Methode heißt frei übersetzt „Wofür es sich zu leben lohnt“ und enthält Fragen, an denen die eigene Tätigkeit ausgerichtet sein soll. Diese Fragen lauten:

  • Liebe ich, was ich tue?
  • Kann ich das, was ich tue, gut?
  • Braucht die Welt, was ich tue?
  • Werde ich belohnt für was ich tue?

Kannst du alle diese vier Fragen für dich beantworten, führst du ein erfülltest Leben – also, mal ganz kurz zusammengefasst. Ich habe kein „Warum“, das auf großen Bühnen ausgesprochen Standing Ovations nach sich zieht. Aber ich kann alle vier Fragen bejahen, wenn ich sie auf mein wachsendes Unternehmen beziehe.

 

Fazit: Perfektionismus neu betrachten

Stell dir vor, Perfektionismus sei ein bewegliches Ziel. Das Ziel wird immer weiter weg sein, wie der Horizont, den wir auf unserer geoiden Erde nicht erreichen können. Wenn wir nicht wollen, dass ein Projekt fertig ist, etwa wie wenn ich Bilder zeichne und sie nie zu Ende bringe, geht es womöglich gar nicht um das Ziel, sondern um den Weg.

Vielleicht geht es beim Schreiben um die Selbsttherapie? Bei einer großen Investition, einem großen Projekt darum, es sich selbst und nicht anderen zu beweisen? Das heißt nicht, dass du etwas nicht beenden musst, im Gegenteil. Vielleicht geht es darum, dass du deinen Fokus mehr auf das eigene Wachstum legst? Dass du mehr im Hier und Jetzt lebst und genießt? Dass du dich dafür feierst, dass du gerade in diesem Moment etwas tust? Schau mal, ob du einige der Fragen aus diesem Artikel für dich beantworten kannst. So kannst du Blockaden wie anhaltenden Perfektionismus, denn er ist unter Umständen nichts weiter als eine kreative Blockade, finden und lösen.

Ich hoffe, dir hat dieser Artikel über Perfektionismus und die darin enthaltenen Impulse ein wenig weitergeholfen oder dich inspiriert.

Wenn du das gesamte Gespräch zwischen Verena und mir hören willst, hör dir die Podcastfolge zu diesem Blogartikel an!

Meinen heutigen Gast Verena und ihr Kreativitäts-Coaching findest du unter www.sichtbar-anders.de.

Du kannst Verena auch auf Instagram, Facebook und Pinterest finden.

Ihren Podcast „sichtbar anders – kreative Superkraft“ hörst du auf ihrer Website, auf iTunes oder auf Spotify.

 

Alles Liebe,

Kia



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