E-Book erstellen und veröffentlichen: So wird aus deinem Manuskript ein E-Book, das auf jedem Reader gut aussieht
„Ich speichere mein Word-Dokument einfach als PDF und lade es hoch – fertig ist das E-Book.“ Dieser Satz klingt logisch. Und er ist einer der häufigsten Irrtümer, die mir in Beratungsgesprächen begegnen. Denn ein PDF ist kein E-Book. Es sieht nur auf den ersten Blick so aus.
Vielleicht stehst du gerade an diesem Punkt: Dein Manuskript ist fertig oder fast fertig. Du weißt, dass viele Leser heute digital lesen, auf dem E-Reader, dem Tablet, dem Handy. Du willst also ein E-Book erstellen und veröffentlichen. Aber sobald du anfängst zu recherchieren, prasseln Begriffe auf dich ein: EPUB, Konvertierung, Reflowable, Metadaten, DRM, Distributor. Das fühlt sich an wie eine fremde Welt, oder?
Die gute Nachricht: Es ist keine. Ein E-Book zu erstellen ist Handwerk, und Handwerk kann man verstehen, planen und sauber umsetzen. Das machen wir jetzt gemeinsam, Schritt für Schritt: vom Format über den Weg vom Manuskript zur fertigen Datei bis zur Veröffentlichung.
Kurz gesagt: Ein E-Book ist kein PDF, sondern in der Regel eine EPUB-Datei. Ein offener Standard, bei dem sich der Text jeder Bildschirmgröße und Schriftgröße anpasst (das nennt sich „Reflowable“ oder Umfließen). Der Weg dorthin: Manuskript aufräumen, sauber ins EPUB-Format konvertieren, Metadaten und Cover ergänzen, auf mehreren Geräten testen, dann über eine Selfpublishing-Plattform oder einen Distributor veröffentlichen. Pro Verkauf erhältst du je nach Plattform und Preis meist zwischen 35 und 70 Prozent Tantiemen. Seit dem 28. Juni 2025 müssen neu veröffentlichte E-Books außerdem barrierefrei sein.
Ein PDF ist kein E-Book – und genau hier beginnt das Missverständnis
Kannst du ein PDF als E-Book verkaufen? Technisch ja, sinnvoll fast nie, denn ein PDF verhält sich auf einem E-Reader wie ein Poster hinter Glas. Lass mich das kurz übersetzen.
Ein PDF ist eine starre Seite. Jede Zeile, jeder Umbruch, jede Seitenzahl steht fest, egal, ob du die Datei auf einem großen Monitor oder einem kleinen E-Reader öffnest. Auf dem Reader bedeutet das: winzige Schrift, ständiges Zoomen, seitliches Schieben. Deine Leser geben nach wenigen Seiten entnervt auf.
Ein echtes E-Book funktioniert anders. Der Text „fließt“: Er passt sich automatisch an die Bildschirmgröße an, und der Leser kann selbst entscheiden, wie groß die Schrift sein soll. Stellt jemand die Schrift größer, ordnen sich die Seiten neu an; wie Wasser, das sich der Form des Glases anpasst. Deshalb gibt es in E-Books auch keine festen Seitenzahlen.
Das ist der Kern des „PDF = E-Book“-Irrtums: Ein PDF konserviert das Aussehen, ein E-Book konserviert den Inhalt und lässt das Aussehen flexibel. Für deine Leser ist das zweite die einzig angenehme Variante. Und wenn dir irgendwo versprochen wird, du könnest dein PDF „mit einem Klick“ in ein EPUB umwandeln – sei vorsichtig. Dazu gleich mehr.
EPUB ist der Standard, auf den du setzen kannst
Welches Format braucht dein E-Book? Die Antwort ist erfreulich klar: EPUB. Das ist das Standardformat für E-Books. Ein offener, freier Standard, der vom World Wide Web Consortium (W3C) gepflegt wird, also derselben Organisation, die auch die Standards des Internets verwaltet. „Offen“ heißt: Das Format gehört keinem einzelnen Konzern, jeder Reader-Hersteller kann es unterstützen und praktisch alle tun das.
Auch für Kindle-Geräte ist das keine Hürde mehr: Wer heute ein Kindle-E-Book erstellen will, lädt bei Amazon ebenfalls eine EPUB-Datei hoch; die Plattform wandelt sie beim Verarbeiten selbst in ihr internes Format um. Das heißt für dich: Eine einzige, sauber gebaute EPUB-Datei bedient den kompletten Markt. Du brauchst keine fünf Formate.
Reflowable oder Fixed Layout?
Innerhalb von EPUB gibt es zwei Bauweisen. Reflowable ist das, was ich oben beschrieben habe: Der Text fließt und passt sich an. Das ist der Normalfall für Romane, Erfahrungsberichte, Ratgeber, Sachbücher, also für fast alles, was hauptsächlich aus Fließtext besteht.
Fixed Layout ist das Gegenteil: Jede Seite ist fest gestaltet, Bild und Text stehen pixelgenau an ihrem Platz. Das braucht man nur bei Büchern, deren Gestaltung selbst der Inhalt ist: Bildbände, Comics, aufwendig illustrierte Werke. Der Preis dafür: Die Schrift lässt sich nicht mehr frei vergrößern, und auf kleinen Bildschirmen wird es schnell unkomfortabel.
Ich würde dir deshalb raten: Wenn dein Buch aus Text besteht – und das gilt für die allermeisten – nimm Reflowable. Fixed Layout ist die Ausnahme für Spezialfälle, nicht die elegantere Variante.
Vom Manuskript zum fertigen E-Book: der Weg in fünf Schritten
Wie erstellst du nun ein E-Book aus deinem Manuskript? Der Weg hat fünf Stationen. Ich zeige sie dir aus der Vogelperspektive, damit du weißt, was auf dich zukommt.
- Manuskript aufräumen. Ein sauberes Word-Dokument ist die halbe Miete: echte Überschriften-Formatvorlagen statt fett gedruckter Zeilen, keine Leerzeilen-Türme, keine Tabulator-Einrückungen, keine manuellen Trennstriche. Alles, was im Dokument „getrickst“ ist, rächt sich später im E-Book.
- In EPUB konvertieren – das ist die eigentliche Formatierung. Hier wird aus deinem Text eine strukturierte EPUB-Datei: Kapitel werden technisch als Kapitel angelegt, Absätze, Hervorhebungen und Bilder sauber ausgezeichnet. Das E-Book zu formatieren heißt nicht, es hübsch zu machen wie eine Printseite. Das heißt, dem Text eine saubere innere Struktur zu geben, damit er auf jedem Gerät funktioniert.
- Navigation, Metadaten und Cover ergänzen. Ein klickbares Inhaltsverzeichnis ist im E-Book Pflicht. Metadaten sind die unsichtbaren Begleitinformationen der Datei – Titel, Autorname, Beschreibung, Kategorien – und entscheiden mit, ob dein Buch in den Shops gefunden wird. Das Cover braucht eine eigene E-Book-Fassung: nur die Vorderseite, hochformatig, hochauflösend, und so gestaltet, dass es auch als briefmarkenkleines Vorschaubild noch wirkt.
- Validieren und auf echten Geräten testen. Eine EPUB-Datei lässt sich technisch prüfen, mit dem offiziellen Prüfwerkzeug EPUBCheck, sozusagen der TÜV fürs E-Book. Mindestens genauso wichtig ist der Praxistest auf verschiedenen Readern, dem Handy und dem Tablet. Erst wenn es überall sauber aussieht, ist es fertig.
- Veröffentlichen. Datei und Cover bei einer Plattform oder einem Distributor hochladen, Preis festlegen, Kategorien wählen. Dazu unten mehr.
Das ist die Landkarte. Wo es individuell wird, welche Struktur dein konkretes Manuskript braucht, wie Bilder, Fußnoten oder Sonderelemente am besten umgesetzt werden, welcher Vertriebsweg zu deinen Zielen passt, da hängt die richtige Antwort von deinem Buch ab. Dafür gibt es Beratung.
Kaputte E-Books entstehen fast immer bei der Konvertierung
Warum sieht ein E-Book manchmal „kaputt“ aus? Zerrissene Absätze, springende Schriftgrößen, Bilder am falschen Platz, ein Inhaltsverzeichnis, das ins Leere führt … In fast allen Fällen liegt es an einer schlampigen Konvertierung: Ein unaufgeräumtes Word-Dokument oder ein PDF wurde durch ein automatisches Umwandlungsprogramm geschickt, und niemand hat das Ergebnis gerichtet und geprüft.
Automatische Konverter übernehmen nämlich jeden versteckten Formatierungsfehler aus der Quelldatei und erfinden gern noch eigene dazu. Besonders heikel ist der Weg von PDF zu EPUB: Das PDF weiß nicht, was eine Überschrift, ein Absatz oder eine Fußnote ist; es kennt nur Buchstaben an festen Positionen. Ein Programm muss die Struktur also raten. Und es rät oft falsch.
Das Ärgerliche daran: Deine Leser sehen das sofort und sie verzeihen es nicht. Wer sich in den E-Book-Shops umschaut, stellt fest, dass schlechte Formatierung einer der häufigsten Gründe für vernichtende Bewertungen ist. Da steht dann nicht „die Geschichte war schwach“, sondern „unlesbar auf meinem Reader“. Das trifft dich doppelt, denn am Inhalt lag es gar nicht.
Deshalb ist ein sauber umfließendes, auf allen Readern funktionierendes E-Book echtes Handwerk: aufgeräumte Struktur, durchdachte Auszeichnung, Validierung, Gerätetests. Du kannst dir dieses Handwerk selbst erarbeiten oder du lässt dein E-Book erstellen, von Menschen, die das jede Woche tun. Beides ist legitim. Wichtig ist nur, dass es jemand richtig macht.
Seit 28. Juni 2025 ist Barrierefreiheit Pflicht
Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG): E-Books, die seitdem neu auf den Markt kommen, müssen grundsätzlich barrierefrei sein. Das klingt erst einmal nach Bürokratie, ist aber im Kern genau das, was ein gut gemachtes E-Book ohnehin auszeichnet.
Barrierefrei bedeutet bei E-Books vor allem: eine saubere, technisch erkennbare Struktur. Überschriften sind als Überschriften ausgezeichnet, sodass eine Vorlesesoftware (ein sogenannter Screenreader) sie erkennt. Das Inhaltsverzeichnis ist navigierbar. Bilder bekommen Alternativtexte, also kurze Beschreibungen für Menschen, die sie nicht sehen können. Und ein Kopierschutz darf diese Funktionen nicht blockieren. Du merkst schon: Das ist zu großen Teilen die Beschreibung eines handwerklich sauberen EPUBs. Wer sein E-Book ordentlich erstellt, hat den Großteil des Weges zur Barrierefreiheit bereits hinter sich.
Wichtig zur Einordnung: Das Gesetz verpflichtet niemanden, überhaupt ein E-Book anzubieten, nur wenn du eines neu veröffentlichst, muss es barrierefrei sein. Für Einzelfälle sieht das Gesetz Ausnahmen vor, etwa bei unverhältnismäßiger Belastung. Was das für deinen konkreten Fall bedeutet, klärt im Zweifel ein Anwalt: Dieser Abschnitt ist eine redaktionelle Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung.
Veröffentlichen: deine Kanäle, die ISBN-Frage und was du pro Verkauf bekommst
Wie veröffentlichst du dein E-Book nun? Entweder direkt bei einer einzelnen Selfpublishing-Plattform oder über einen Distributor, das Fachwort für einen Vertriebsdienstleister, der dein E-Book mit einem einzigen Upload an viele Shops gleichzeitig liefert. Viele Autoren kombinieren beides. Welcher Weg für dich passt, hängt davon ab, wo deine Leser kaufen. Das ist eine klassische Beratungsfrage.
Brauchst du eine ISBN? Kanalabhängig. Die große Kindle-Plattform vergibt für E-Books eine eigene interne Nummer, dort geht es ohne ISBN. Viele Distributoren stellen dir für die breite Shop-Landschaft kostenlos eine ISBN zur Verfügung. Eine eigene ISBN auf deinen Namen ist anders als beim gedruckten Buch beim E-Book selten nötig. Du musst hier also nichts überstürzen.
Was verdienst du pro Verkauf? Beim E-Book bekommst du prozentuale Tantiemen vom Verkaufspreis und die sind deutlich höher als das, was Autoren im klassischen Verlag erhalten. Zwei Beispiele mit Quelle: Bei Amazons Kindle-Programm wählst du zwischen 70 Prozent (innerhalb eines vorgegebenen Preiskorridors, in Deutschland aktuell 2,99 bis 9,99 Euro Listenpreis) und 35 Prozent außerhalb dieser Spanne. Beim Distributor der Tolino-Welt liegt das Autorenhonorar im mittleren Preisbereich bei 70 Prozent des Nettoerlöses, in den shop-eigenen Kanälen sogar darüber. Die genauen Konditionen ändern sich gelegentlich, prüfe sie vor der Veröffentlichung immer direkt bei der Plattform.
Und der Kopierschutz? DRM (Digital Rights Management) ist ein digitales Schloss an deiner Datei. Hartes DRM kettet das E-Book an bestimmte Geräte und Konten. Es nervt ehrliche Leser und kann sogar mit der Barrierefreiheit kollidieren. Die meisten Selfpublisher fahren mit einem weichen Schutz (einem unsichtbaren Wasserzeichen in der Datei) oder ganz ohne DRM besser. Aus Erfahrung können wir sagen, dass es ohnehin keinen Unterschied macht: Menschen, die ein Buch kaufen wollen, kaufen es, und Menschen, die ein Buch illegal bekommen wollen, finden einen Weg, und kaufen es sowieso nicht.
Qualität sieht man – auch im E-Book
Aus der Praxis: Wiebke Tillenburg, Autorin einer nur 56 Seiten kurzen Geschichte, zweifelte anfangs, ob sich professionelle Gestaltung für so ein kleines Format überhaupt lohnt. Nach der Veröffentlichung war ihr Fazit eindeutig: Legt man ein selbst mit Word gebautes Buch neben ein professionell gesetztes, „sieht man den Unterschied und die Leser sehen das auch“. Ihr kurzes Format wurde gut angenommen, und gerade das hat ihr gezeigt, dass Qualität nicht an der Seitenzahl hängt.
Der Autor Thomas Matiszik hat denselben Gedanken für sich so formuliert: Leser dürfen nie das Gefühl haben, etwas Zweitklassiges zu kaufen, sie müssen etwas Erstklassiges in den Händen halten. Beim E-Book heißt „in den Händen halten“ eben auf dem Bildschirm. Der erste Eindruck deines Buches entsteht dort in den ersten drei Wischbewegungen. Und dafür lohnt sich das Handwerk.
Häufige Fragen rund ums E-Book
Wie mache ich aus meinem Word-Dokument ein E-Book?
Indem das Dokument zuerst strukturell aufgeräumt und dann in eine EPUB-Datei konvertiert wird, mit echten Überschriften, klickbarem Inhaltsverzeichnis, Metadaten und Cover. Danach wird die Datei validiert und auf mehreren Geräten getestet. Das kannst du selbst lernen oder als Dienstleistung erstellen lassen.
Kann ich mein PDF einfach als E-Book verkaufen?
Davon rate ich dir ab. Ein PDF hat starre Seiten und ist auf E-Readern und Handys mühsam zu lesen; automatische PDF-zu-EPUB-Umwandlungen erzeugen fast immer fehlerhafte Dateien. Der saubere Weg führt vom ursprünglichen Manuskript (z. B. der Word-Datei) direkt zum EPUB.
Brauche ich eine ISBN für mein E-Book?
Das hängt vom Vertriebskanal ab. Die große Kindle-Plattform braucht keine ISBN, viele Distributoren stellen kostenlos eine bereit. Eine selbst gekaufte ISBN ist für E-Books nur in Sonderfällen sinnvoll.
Wie viel verdiene ich pro verkauftem E-Book?
Je nach Plattform und Preisgestaltung meist zwischen 35 und 70 Prozent des Verkaufspreises, bei einzelnen Shop-Kanälen auch mehr. Die höheren Sätze sind in der Regel an einen bestimmten Preiskorridor gebunden. Die aktuellen Konditionen findest du direkt bei der jeweiligen Plattform.
Warum sieht mein E-Book auf dem Reader kaputt aus?
Fast immer wegen einer fehlerhaften Konvertierung: versteckte Formatierungsreste aus der Quelldatei, fehlende Strukturauszeichnung oder eine ungeprüfte automatische Umwandlung. Die Lösung ist keine andere Reader-App, sondern eine sauber neu gebaute EPUB-Datei.
Kann ich E-Book und gedrucktes Buch gleichzeitig veröffentlichen?
Ja, das ist sogar der übliche und sinnvolle Weg. Beide Ausgaben werden in den Shops miteinander verknüpft, und du erreichst Print- und Digitalleser von Tag eins an. Wichtig ist nur, dass das E-Book eine eigene, echte EPUB-Fassung bekommt, nicht die Druckdatei.
Dein Buch verdient eine digitale Ausgabe, die ihm gerecht wird
Ein E-Book zu erstellen und zu veröffentlichen ist kein Hexenwerk, es ist eine Handvoll klar benennbarer Schritte, sauber ausgeführt. Wenn du mit deinem Manuskript gerade an diesem Punkt stehst, lade ich dich zu unserer Buchberatung ein.
In dieser kostenlosen, ca. 60-minütigen Buchberatung entwickeln wir gemeinsam einen Plan für deine Buchveröffentlichung. Du wirst herausfinden, wo und wie dein Buch in den Vertrieb kommt und welche Veröffentlichungsstrategie zu deinem Projekt passt. Dafür gehst du jetzt auf www.buchagentur.de und trägst dich ein. Erzähl ein bisschen von deinem Buch und von deinen Zielen, und wir sprechen in den nächsten 2 bis 5 Tagen persönlich über deine geplante Buchveröffentlichung.
Hinweis: Die Ausführungen zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz sind eine redaktionelle Einordnung und ersetzen keine Rechtsberatung.