Ein Buch schreiben: Wie du anfängst, dranbleibst und wirklich fertig wirst

Ein Buch schreiben: Wie du anfängst, dranbleibst und wirklich fertig wirst

Es gibt einen Satz, der mehr Bücher verhindert hat als jede Schreibblockade. Er lautet „Dafür braucht man Talent.“ Vielleicht trägst du deine Idee schon seit Jahren mit dir herum. Eine Geschichte, die erzählt werden will. Ein Erlebnis, das anderen Mut machen könnte. Ein Wissen, das du gerne weitergeben würdest. Und jedes Mal, wenn du daran denkst, endlich dein eigenes Buch zu schreiben, meldet sich diese leise Stimme: Wer bin ich denn, dass ich das dürfte?

Ich sage dir gleich zu Beginn ganz klar: Ein Buch schreiben ist kein Talentbeweis, sondern ein Handwerk. Und Handwerk kann man lernen. Die allermeisten Menschen, die heute ihr erstes Buch in den Händen halten, haben nicht mit einem perfekten ersten Satz angefangen. Sie haben mit einer Idee angefangen, mit einem unordentlichen Word-Dokument und mit ziemlich vielen Zweifeln. Der Unterschied ist nicht Begabung, sondern dass sie angefangen haben und wussten, in welcher Reihenfolge die Arbeit kommt.

Diese Reihenfolge schauen wir uns jetzt an, als ehrliche Anleitung, Schritt für Schritt, ohne Hype und ohne Geheimwissen.

Kurz gesagt: Ein Buch schreiben funktioniert in vier Phasen, die aufeinander aufbauen: Idee, Struktur, Rohfassung, Überarbeitung. Du klärst zuerst, wovon dein Buch handelt und für wen es ist (Idee), legst dann einen groben Fahrplan fest (Struktur), schreibst die erste vollständige Fassung, ohne dich zu zensieren (Rohfassung), und machst den Text erst danach gut (Überarbeitung). Talent brauchst du dafür nicht, wohl aber eine regelmäßige Schreibroutine und die Erlaubnis, dass die erste Fassung unfertig sein darf.

Jedes Buch entsteht in denselben vier Phasen

Wie schreibe ich ein Buch? Indem du vier Phasen nacheinander durchläufst: Idee, Struktur, Rohfassung, Überarbeitung. Das klingt simpel, und eben das ist die gute Nachricht. Egal ob Roman, Ratgeber oder Lebensgeschichte, der Weg ist im Kern immer derselbe. Ein Buch schreiben zu lernen heißt deshalb vor allem, diese Phasen sauber getrennt zu halten. Die meisten Schreibprojekte scheitern nämlich nicht an der Schwierigkeit der einzelnen Phasen, sondern daran, dass jemand versucht, alle vier gleichzeitig zu erledigen. Wer beim Schreiben der ersten Seite schon perfekt formulieren, die Gesamtstruktur im Blick behalten und nebenbei an die Leser denken will, blockiert sich selbst. Deshalb gilt: immer nur eine Phase auf einmal.

Phase 1: eine Idee, die in einen Satz passt

Am Anfang steht keine fertige Handlung, sondern eine Prämisse. Das heißt, du bringst dein Buch auf einen einzigen Satz. Bei einem Roman wäre das zum Beispiel „Eine Frau kehrt nach zwanzig Jahren in ihr Heimatdorf zurück und muss sich der Lüge stellen, vor der sie damals geflohen ist.“ Bei einem Sachbuch oder Erfahrungsbericht eher „Ich zeige Eltern von Kindern mit einer chronischen Krankheit, wie der Alltag wieder leicht werden kann.“

Dieser eine Satz ist dein Kompass für alles, was kommt. Er beantwortet drei Fragen: Worum geht es, für wen ist es, und warum bist ausgerechnet du die richtige Person, das zu erzählen? Dazu gehört auch die Genre-Frage. Lege früh fest, ob du einen Roman, einen Ratgeber, ein Memoir oder etwas dazwischen schreibst, denn das Genre bestimmt später Umfang, Aufbau und Tonfall. Du musst dafür nichts Endgültiges beschließen. Aber du brauchst eine Arbeitshypothese, sonst schreibst du an drei Büchern gleichzeitig, ohne es zu merken.

Phase 2: ein Fahrplan, grob genug zum Atmen

Bevor du losschreibst, brauchst du einen Fahrplan. Wie detailliert der ausfällt, hängt von deinem Typ ab, dazu gleich mehr. Das Minimum ist bei fast jedem Buch gleich. Du solltest wissen, wie es anfängt, wie es ungefähr endet und welche drei bis sieben großen Stationen dazwischen liegen. Bei einem Roman sind das die Wendepunkte der Handlung, bei einem Ratgeber die Themenblöcke, bei einer Lebensgeschichte die prägenden Abschnitte.

Aus diesen Stationen entstehen später deine Kapitel. Ich würde dir raten, die Struktur ganz banal als Stichpunktliste anzulegen; eine Seite reicht. Diese Liste ist kein Gefängnis, sondern ein Geländer. Du darfst sie jederzeit ändern, aber sie sorgt dafür, dass du an Tag vierzig noch weißt, wohin die Reise geht.

Phase 3: die Rohfassung schreiben, nicht bewerten

Jetzt schreibst du das Buch von vorne bis hinten durch, und zwar ohne zurückzublättern und ohne zu polieren. Die Rohfassung hat eine einzige Aufgabe, nämlich zu existieren. Nicht gut zu sein. Das ist die Phase, in der die meisten Erstautoren aufgeben, weil sie ihre unfertigen Sätze mit den fertigen Büchern in ihrem Regal vergleichen. Dieser Vergleich ist unfair, denn die Bücher im Regal haben alle eine Überarbeitung hinter sich. Warum die Rohfassung schlecht sein darf und sogar soll, schauen wir uns weiter unten näher an.

Phase 4: beim Überarbeiten wird der Text gut

Erst wenn die Rohfassung komplett steht, beginnt die Arbeit am Feinschliff. Du liest das Ganze mit Abstand, ein paar Wochen Pause helfen enorm, sortierst um, streichst, schärfst Figuren oder Argumente und gehst in eine zweite und oft dritte Runde. Überarbeiten ist kein Zeichen, dass du es beim ersten Mal nicht konntest. Es ist der Teil des Handwerks, in dem aus einem Manuskript ein Buch wird. Profis verbringen hier oft ebenso viel Zeit wie mit dem Schreiben selbst. Und am Ende kommt der Punkt, an dem ein fremdes, geschultes Augenpaar mehr sieht als du. Das ist der Moment fürs Lektorat, aber das ist ein eigenes Thema.

Plotter oder Entdecker: Beide Wege führen zum fertigen Buch

Musst du vorher alles planen? Nein, du musst nur wissen, welcher Schreibtyp du bist. In der Schreibwelt haben sich dafür zwei Begriffe eingebürgert. Plotter planen ihr Buch detailliert durch, bevor sie die erste Szene schreiben. Sie kennen jedes Kapitel, jede Wendung, oft jede Szene. Entdecker (im Englischen liebevoll „Pantser“ genannt, weil sie „by the seat of their pants“ schreiben) starten mit der Prämisse und ein paar Eckpunkten und finden die Geschichte beim Schreiben.

Beide Typen bringen Bücher zu Ende, und keiner ist dem anderen überlegen. Einen ehrlichen Hinweis will ich dir aber nicht ersparen. Plotter überarbeiten meist weniger, weil ihre Struktur von Anfang an trägt. Entdecker schreiben die Rohfassung oft schneller und lebendiger, müssen dafür aber in Phase vier mehr umbauen. Du bezahlst also so oder so: entweder vorne mit Planungszeit oder hinten mit Überarbeitungszeit.

Die meisten Menschen sind übrigens Mischtypen. Eine grobe Kapitelliste plus Freiheit innerhalb der Kapitel ist für viele Erstautoren der angenehmste Weg. Wenn du beim detaillierten Planen die Lust verlierst, bist du eher Entdecker. Wenn du ohne Plan nach zwanzig Seiten nicht mehr weiterweißt, bist du eher Plotter. Beides ist völlig in Ordnung.

Die Rohfassung darf schlecht sein, und das ist kein Trost, sondern eine Arbeitsanweisung

Der größte Mythos übers Bücherschreiben lautet, dass gute Autoren gute erste Fassungen schreiben. Das Gegenteil ist Handwerksstandard. Die Rohfassung ist Rohmaterial. Sie darf Logiklücken haben, hölzerne Dialoge, Wiederholungen und Kapitel, die du später komplett streichst. All das ist kein Versagen, sondern eingeplant.

Das heißt konkret: Fällt dir mitten im Text auf, dass Kapitel zwei anders sein müsste, gehst du nicht zurück, sondern machst dir eine Notiz und schreibst vorne weiter. Fehlt ein Name oder ein Fakt, setzt du einen Platzhalter. Vorwärts ist die einzige Richtung, die in Phase drei zählt.

Warum ist das so wichtig? Weil Schreiben und Bewerten zwei verschiedene Denkmodi sind, die sich gegenseitig ausbremsen. Wer jeden Satz sofort beurteilt, kommt nie in den Fluss, und der Fluss ist es, der dich durch ein ganzes Buch trägt. Gib dir selbst die Erlaubnis, vorläufig zu schreiben. Gut werden darf der Text in Phase vier, dort gehört diese Aufgabe hin.

So lang muss dein Buch wirklich sein

Wie viele Wörter braucht ein Buch? Das hängt vom Genre ab, und dafür gibt es im Buchmarkt eingespielte Konventionen. Keine Gesetze, aber verlässliche Orientierungswerte, an denen sich auch Leser-Erwartungen ausrichten:

  • Roman (allgemein, z. B. Drama, Gegenwartsliteratur): etwa 70.000 bis 110.000 Wörter
  • Krimi / Thriller: etwa 80.000 bis 100.000 Wörter
  • Fantasy / Science-Fiction: gerne 90.000 bis 120.000 Wörter und mehr, weil Weltenbau Platz braucht
  • Liebesroman: etwa 60.000 bis 90.000 Wörter
  • Ratgeber / Sachbuch: etwa 30.000 bis 60.000 Wörter
  • Memoir / Autobiografie: etwa 50.000 bis 90.000 Wörter
  • Novelle / längere Erzählung: etwa 15.000 bis 40.000 Wörter

Als Faustregel kannst du mit grob 250 bis 300 Wörtern pro Buchseite rechnen. Ein Roman mit 80.000 Wörtern landet also bei ungefähr 280 bis 320 Seiten. Und jetzt das Wichtigste zu diesen Zahlen. Sie sind eine Orientierung für dein Ziel, kein Maßstab für deinen Anfang. Niemand schreibt 80.000 Wörter. Man schreibt 500 Wörter, und das hundertsechzigmal. Wenn du das so betrachtest, verliert die große Zahl ihren Schrecken, oder?

Ein Hinweis noch für Ratgeber- und Sachbuchautoren: Hier zählt Substanz mehr als Umfang. Ein klares, hilfreiches Buch schlägt jedes aufgeblähte. Schreibe so lang, wie dein Thema trägt.

Dranbleiben schlägt Inspiration: So baust du eine Schreibroutine

Wie hältst du über Monate durch? Nicht mit Disziplin im Sinne von Härte gegen dich selbst, sondern mit einer Routine, die so klein ist, dass du sie nicht verhandeln musst. Inspiration ist wunderbar, wenn sie kommt, aber sie ist unzuverlässig. Eine Routine ist verlässlich. Bücher werden von Menschen fertiggeschrieben, die auch an uninspirierten Tagen schreiben.

Drei Tipps haben sich dabei über unzählige Schreibprojekte hinweg bewährt. Erstens ein fester Termin mit dir selbst, am besten immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort, und sei es nur dreimal pro Woche eine halbe Stunde. Zweitens ein Mini-Ziel pro Einheit, etwa 300 bis 500 Wörter, klein genug, dass du es auch an schlechten Tagen schaffst; an guten Tagen schreibst du einfach weiter. Drittens ein sichtbarer Fortschritt, zum Beispiel eine simple Strichliste oder eine Wortzahl-Tabelle. Fortschritt, den man sieht, motiviert mehr als jeder Vorsatz.

Und wenn es trotzdem hakt? Das ist normal. Fast jeder Autor kennt Phasen, in denen nichts geht. Meist steckt dahinter keine mysteriöse Schreibblockade, sondern eine ungelöste Frage in der Geschichte oder schlicht Erschöpfung. Oft hilft es schon, eine Szene weiter vorne anzusetzen oder das Problem handschriftlich zu skizzieren statt am Bildschirm zu lösen.

Aus der Praxis

Mich beeindruckt immer wieder, wer am Ende tatsächlich Bücher schreibt: ganz normale Menschen mit einem Thema, das sie nicht loslässt. Eine unserer Autorinnen, Maren, hat ihr Buch geschrieben, weil ihre Tochter eine Diabetes-Diagnose bekam. Sie hat beim Schreiben viel geweint, hat es als Verarbeitung erlebt und gleichzeitig ein Buch geschaffen, das heute anderen Familien hilft, mit der Diagnose leben zu lernen. Kein Schreibstudium, kein Talent-Mythos. Ein Thema, ein Anfang, Dranbleiben.

Autorin Maren Sturny sitzt auf einem Sofa und hält ihr Buch in die Kamera.

Maren Sturyn ist drangeblieben und hat stark von ihrem Buch profitiert.

Oder Gisela, die für ihre Buchidee so gebrannt hat, dass sie sie unbedingt umsetzen wollte, und die ehrlich zugibt, dass sie sich von allem, was nach dem Schreiben kommt, zunächst überfordert gefühlt hat. Sie hat sich für die Schritte nach dem Manuskript Unterstützung geholt, und heute hält sie ihr gedrucktes Buch in den Händen. Ihren ersten Verkauf nennt sie einen Moment, den sie nie vergessen wird.

Wir bei Kahawa Medien begleiten seit Jahren Autoren auf dem Weg vom fertigen Manuskript zum fertigen Buch. Und wenn ich aus all diesen Geschichten eines gelernt habe, dann das: Der Unterschied liegt nie im Talent. Er liegt im Anfangen und im Durchhalten.

Häufige Fragen zum Buch schreiben

Wie fange ich an, ein Buch zu schreiben?

Mit einem Satz, nicht mit einem Kapitel. Formuliere deine Prämisse: worum geht es, für wen, warum du. Danach legst du eine grobe Stichpunkt-Struktur an und schreibst die erste Szene oder das erste Kapitel, ohne es zu perfektionieren.

Wie lange dauert es, ein Buch zu schreiben?

Das hängt von Umfang und Routine ab. Wer regelmäßig schreibt, schafft eine Rohfassung oft in vier bis zwölf Monaten; mit Überarbeitung solltest du insgesamt eher in einem Zeitraum von einem bis zwei Jahren denken. Schneller geht es, langsamer ist auch in Ordnung; fertig schlägt schnell.

Wie viele Wörter oder Seiten braucht ein Buch?

Je nach Genre meist zwischen 30.000 Wörtern (Ratgeber) und 120.000 Wörtern (Fantasy); ein typischer Roman liegt um die 70.000 bis 110.000 Wörter. Als Faustregel entsprechen 250 bis 300 Wörter einer Buchseite.

Muss ich vorher alles planen?

Nein. Plotter planen detailliert, Entdecker schreiben drauflos, beide Wege funktionieren. Das Minimum ist eine Prämisse plus eine grobe Liste der wichtigsten Stationen, damit du unterwegs nicht die Richtung verlierst.

Brauche ich Talent, um ein Buch zu schreiben?

Nein, du brauchst ein Thema, das dich nicht loslässt, und die Bereitschaft, regelmäßig zu schreiben und zu überarbeiten. Schreiben ist ein Handwerk, und Handwerk lernt man durchs Tun. Die Frage „Darf ich das überhaupt?“ haben sich fast alle gestellt, deren Bücher du heute liest.

Womit schreibe ich am besten, reicht Word?

Für den Anfang reicht Word (oder ein vergleichbares Schreibprogramm) völlig aus. Spezielle Autorensoftware kann bei komplexen Projekten helfen, ist aber kein Muss.

Dein Buch wartet nicht auf Talent, es wartet auf dich

Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke aus diesem Artikel. Du musst kein anderer Mensch werden, um ein Buch zu schreiben. Du musst nur die Phasen in der richtigen Reihenfolge gehen, dir eine kleine, verlässliche Routine bauen und deiner Rohfassung erlauben, unfertig zu sein. Alles Weitere ist Handwerk, und Handwerk wächst mit jedem Schreibtag.

Fang klein an. Heute die Prämisse, diese Woche die Stichpunktliste, nächste Woche die ersten 500 Wörter. So entsteht ein Buch: nicht in einem großen Moment, sondern in vielen kleinen.

Dein nächster Schritt

Damit du von Anfang an weißt, wie der Weg vom ersten Satz bis zum veröffentlichten Buch aussieht, habe ich dir einen Fahrplan für die Zeit nach dem Schreiben zusammengestellt. Lade dir den kostenlosen Selfpublishing-Zeitplan herunter. Er zeigt dir alle Stationen vom fertigen Manuskript bis zum Buch in deinen Händen.