Verlag oder Selfpublishing? Die ehrliche Antwort fällt heute anders aus, als viele denken
„Wenn dich ein Verlag nimmt, hast du es geschafft. Und Selfpublishing – na ja, das machen die, die keiner wollte.“
Diesen Satz haben viele Autoren so tief verinnerlicht, dass sie ihn nie hinterfragen. Dabei stammt er aus einer Zeit, in der es ohne Verlag schlicht keinen Weg in den Buchhandel gab. Diese Zeit ist vorbei. Heute ist „Verlag oder Selfpublishing“ keine Frage von „richtig oder Notlösung“ mehr, sondern eine Frage davon, was du mit deinem Buch willst und wie viel von deinem Buch dir gehören soll.
Vielleicht stehst du gerade an diesem Punkt: Dein Manuskript ist fertig oder fast fertig, und jetzt fragst du dich, wie es weitergeht. Soll ich Verlage anschreiben? Brauche ich überhaupt einen Verlag? Oder mache ich das Selbst? Und ist das dann weniger wert? Man hört ja beides, und irgendwie weiß man nicht, wem man glauben soll.
Diese Entscheidung schauen wir uns in Ruhe an. Ich bin Kia Kahawa, ich begleite seit 2017 Autoren auf dem Weg zum eigenen Buch und ich verspreche dir: Am Ende kennst du beide Wege mit ihren echten Vor- und Nachteilen und kannst selbst entscheiden, welcher zu dir passt. Jedes Fachwort übersetze ich dir sofort.
Kurz gesagt: Für die meisten Autoren ist Selfpublishing heute der realistischere und selbstbestimmtere Weg: Du behältst alle Rechte, die volle Kontrolle über Inhalt, Cover und Preis und pro verkauftem Exemplar bleibt deutlich mehr bei dir. Der Weg über einen Publikumsverlag bedeutet dagegen eine Bewerbungsphase mit sehr geringen Annahmechancen und monatelangen Wartezeiten, im Erfolgsfall die Abgabe von Nutzungsrechten und Kontrolle sowie Tantiemen im einstelligen Prozentbereich. Ein passender Verlag kann sich trotzdem lohnen. Zum Beispiel wenn dir Vorschuss oder Prestige wichtiger sind als Tempo, Rechte und Marge. Die Entscheidung hängt davon ab, was du mit deinem Buch erreichen willst.
Der Mythos vom Ritterschlag und was ein Verlag wirklich übernimmt
Brauchst du einen Verlag, um ein professionelles Buch zu veröffentlichen? Nein, aber damit du das nicht einfach glauben musst, schauen wir uns erst einmal an, was ein Verlag eigentlich tut.
Ein Publikumsverlag – also ein klassischer Verlag, dessen Bücher du in der Buchhandlung findest – übernimmt im Idealfall das komplette Paket: Er trägt die Kosten für Lektorat, Korrektorat, Buchsatz und Cover, kümmert sich um Druck und Auslieferung und bringt das Buch über seine Vertriebswege in den Handel. Manche Autoren bekommen einen Vorschuss, also eine Vorauszahlung auf künftige Verkäufe, die später mit dem Honorar verrechnet wird. Und ja: Ein bekannter Verlagsname öffnet manche Tür, etwa im Feuilleton oder bei Literaturpreisen.
Das ist die Sonnenseite, und sie ist real. Nur ist sie die halbe Wahrheit: Dieses Rundum-Paket bekommt nicht, wer es verdient, sondern wer durch ein sehr enges Nadelöhr passt. Und was dahinter wartet, sieht anders aus, als der Mythos verspricht.
Ein Verlag findet nicht dich, du bewirbst dich bei ihm
Wie hoch sind die Chancen, als unbekannter Autor einen Verlag zu finden? Ehrlich gesagt: sehr gering. Publikumsverlage erhalten Jahr für Jahr tausende unverlangt eingesandte Manuskripte. So nennt die Branche Einsendungen, um die der Verlag nicht gebeten hat. Die Annahmequote ist verschwindend klein, denn die wenigen Programmplätze pro Saison sind größtenteils für etablierte Autoren und vermittelte Projekte reserviert. Viele große Häuser nehmen unverlangte Manuskripte gar nicht mehr an; der Weg führt dann nur über eine Literaturagentur, eine Vermittlerin, die dein Manuskript bei Verlagen anbietet und dafür an deinem Honorar beteiligt wird. Und die Agenturen wählen ebenso streng aus wie die Verlage selbst.
Dazu kommt die Wartezeit. Auf eine Einsendung – üblicherweise ein Exposé, also eine kurze Zusammenfassung deines Buches, plus Leseprobe – wartest du in der Regel mehrere Monate auf eine Antwort. Wer mehrere Verlage nacheinander durchläuft, ist schnell ein Jahr oder länger unterwegs, manchmal zwei. Und oft kommt gar keine Antwort: Viele Häuser melden sich nur bei Interesse.
Diese Phase fühlt sich für viele Autoren an, als würden sie gegen eine Wand schreiben: Du schickst dein Herzensprojekt los, aber es kommt nichts zurück. Keine Begründung, kein Feedback, oft nicht einmal eine Absage. Das sagt nichts über die Qualität deines Buches, aber viel über den Auswahlprozess: Ein Verlag sucht nicht das beste Manuskript, sondern das, das in sein Programm und seine Kalkulation passt.
Merke: Eine Verlagsabsage ist kein Qualitätsurteil über dein Buch. Verlage wählen nach Programm und Marktlogik aus, nicht danach, ob deine Geschichte es verdient hat, erzählt zu werden.
Rechte, Tantiemen, Kontrolle: die drei Punkte, die kaum jemand vorher durchrechnet
Angenommen, du bekommst den Vertrag – was bedeutet das konkret? Drei Dinge solltest du kennen, bevor du unterschreibst.
Erstens: die Rechte. Mit einem Verlagsvertrag überträgst du dem Verlag die Nutzungsrechte an deinem Werk, also das Recht, dein Buch zu drucken, zu verbreiten und zu verwerten, meist exklusiv und für viele Jahre. Du bleibst zwar Urheber, aber über dein eigenes Buch entscheidest du nicht mehr allein: nicht über Neuauflagen, nicht über das E-Book, oft nicht einmal darüber, ob dein Buch lieferbar bleibt.
Zweitens: das Geld. Als Autor bekommst du Tantiemen – eine prozentuale Beteiligung pro verkauftem Exemplar. Und die ist deutlich kleiner, als die meisten denken. Die Autorin und Schreibtrainerin Dr. Anette Huesmann nennt als übliche Größenordnung beim Taschenbuch etwa 7 bis 8 Prozent vom Nettoladenpreis, also dem Verkaufspreis ohne Mehrwertsteuer. Sprich: Von jedem verkauften Buch landet ein einstelliger Prozentanteil bei dir, den Rest teilen sich Verlag, Handel und Auslieferung. Im Selfpublishing ist deine Marge pro Exemplar ein Vielfaches davon, weil zwischen dir und dem Leser kein Verlag steht. Dieses Verhältnis solltest du kennen, bevor du unterschreibst.
Drittens: die Kontrolle. Cover, Titel, oft auch Textpassagen … beim Verlag entscheidet am Ende der Verlag, denn er trägt das wirtschaftliche Risiko. Das ist aus seiner Sicht nachvollziehbar. Aus deiner Sicht heißt es: Dein Buch muss in die Strategie des Verlags passen, nicht umgekehrt. (Das alles ist übrigens eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine Rechtsberatung. Einen konkreten Verlagsvertrag lässt du im Zweifel juristisch prüfen.)
Und ein vierter Punkt, der viele überrascht: das Marketing. „Der Verlag macht dann ja die Werbung.” Das ist einer der hartnäckigsten Irrtümer überhaupt. Die Marketingbudgets eines Verlags konzentrieren sich naturgemäß auf die wenigen Spitzentitel jeder Saison. Die übrigen Bücher erscheinen, stehen ein paar Monate im Programm und wandern dann in die Backlist, so heißen die älteren Titel im Verlagskatalog, die lieferbar bleiben, aber kaum noch beworben werden. Die Vermarktung deines Buches bleibt also in den meisten Fällen bei dir hängen, nur ohne die Kontrolle und die Marge, die du im Selfpublishing hättest.
Wichtig: Auch mit Verlag bist du in aller Regel selbst für die Sichtbarkeit deines Buches verantwortlich. Der Unterschied ist nicht „Verlag macht Marketing, Selfpublisher nicht“, der Unterschied ist, wem die Früchte dieser Arbeit gehören.
Selfpublishing ist keine Notlösung, sondern der direkte Weg
Ist Selfpublishing schlechter angesehen als ein Verlagsbuch? Dieses Vorurteil hält sich, aber es beschreibt nicht das Selfpublishing von heute. Selfpublishing – oft auch Eigenverlag genannt – heißt nur: Du veröffentlichst dein Buch selbst, in eigener Verantwortung und auf eigene Rechnung. Es heißt nicht, dass dein Buch schlechter gemacht ist. Ob ein Buch professionell wirkt, entscheidet sich an Lektorat, Buchsatz und Cover, und die kannst du dir genauso ins Boot holen, wie ein Verlag es tun würde. Deine Leser sehen am fertigen Buch nicht, auf welchem Weg es entstanden ist. Sie sehen nur, ob es gut gemacht ist.
Auch die praktischen Hürden von früher sind gefallen. Mit einer eigenen ISBN – der internationalen Buchnummer, über die der Handel Bücher eindeutig identifiziert – und einem Eintrag im VLB, dem Verzeichnis lieferbarer Bücher, ist dein Buch in jeder Buchhandlung bestellbar. Über Print-on-Demand (Druck auf Bestellung) brauchst du dafür weder Lager noch Startauflage. Und du entscheidest alles selbst: Titel, Cover, Preis, Erscheinungstermin. Dein Buch bleibt zu hundert Prozent deins. Ein ehrliches Wort gehört dazu: Selbst veröffentlichen heißt auch selbst verantworten. Die Kosten für professionelle Unterstützung trägst du. Dafür wartest du nicht auf die Erlaubnis eines Programmleiters, sondern fängst einfach an.
Eine Abgrenzung ist mir hier wichtig, weil viele Autoren in diese Falle laufen: Selfpublishing ist nicht dasselbe wie ein Druckkostenzuschussverlag. Das ist ein Anbieter, der sich Verlag nennt, dich aber für die Veröffentlichung bezahlen lässt und dafür auch noch Rechte beansprucht. Die Faustregel ist einfach: bei einem echten Verlag fließt Geld zum Autor, nie vom Autor zum Verlag. Mehr dazu kannst du in unserem Artikel zum Thema Druckkostenzuschussverlage lesen.
Wann sich ein Verlag trotzdem lohnt
Lohnt sich ein Verlag denn überhaupt noch? Ja, in bestimmten Konstellationen. Ich würde dir nie raten, eine Tür zuzuschlagen, die für dich die richtige sein könnte. Der Verlagsweg passt zum Beispiel, wenn dir der Name eines renommierten Hauses auf dem Cover wichtiger ist als Marge und Kontrolle. Wenn du auf Literaturpreise, Feuilleton oder eine klassische Schriftstellerlaufbahn zielst, wo Verlagsveröffentlichungen nach wie vor die Eintrittskarte sind. Oder wenn ein Vorschuss für dich den Ausschlag gibt. Das sind legitime Gründe, solange du die Entscheidung bewusst triffst.
Wofür ich nicht plädiere: jahrelang auf diese Tür zu starren, während dein fertiges Manuskript in der Schublade altert. Wenn du den Verlagsweg versuchen willst, setz dir eine Frist. Zum Beispiel eine Runde sorgfältig ausgewählter Verlage oder Agenturen, ein Jahr Zeit. Danach entscheidest du neu. Dein Buch wird nicht dadurch wertvoller, dass es wartet.
Selfpublishing heißt selbst entscheiden, nicht alles selbst können
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass dich der selbstbestimmte Weg mehr reizt, kommt jetzt oft die zweite Sorge: „Dann stehe ich mit Lektorat, Buchsatz, Cover und Druck ja komplett allein da.“ Diese Sorge ist berechtigt, aber dafür gibt es Buchagenturen wie uns. Wir sind kein Verlag: Du gibst keine Rechte ab und behältst jede Entscheidung. Aber du bekommst dieselben Profis an deine Seite, die auch ein Verlag einsetzen würde: Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Covergestaltung, dazu Beratung zu Druckabwicklung, ISBN und Vertriebswegen. Selfpublishing mit Verlagsqualität, ohne den Verlagsvertrag.
Das ist der Punkt, den der alte Mythos übersieht: Die Wahl ist nicht „Verlag mit Profis“ oder „allein am Küchentisch“. Die Wahl ist, wer am Ende über dein Buch bestimmt.
Aus der Praxis: „Es sollte mein Buch bleiben“
Wie sich diese Entscheidung im echten Leben anfühlt, zeigt Annette Goldschmitt-Helfrich. Die Psychologin hat über zehn Jahre an ihrem Sachbuch gearbeitet und sich dann bewusst gegen den Verlagsweg entschieden. Ihre Begründung bringt es auf den Punkt: „Ich habe das Buch selbst veröffentlicht, weil es mir viel Freiraum gegeben hat und mich in meiner Selbstwirksamkeit gestärkt hat. Es sollte mein Buch bleiben, und nicht ein Buch, das in die Strategie eines Verlags passt.“ Sie wollte sich nicht der Situation ausliefern, zwanzig Verlage anzuschreiben und abgelehnt zu werden, bloß weil ihr Thema nicht ins Genre passt. Und sie hatte im Bekanntenkreis gesehen, dass es bei Verlagsbüchern „schon beim Cover losgeht“ – man muss Vorgaben akzeptieren. Ihr Buch ist heute genau so geworden, wie sie es sich vorgestellt hat, und es erfüllt sie, in ihren Worten, „immer wieder mit Stolz und Freude“.
Sie ist damit nicht allein. Auffällig viele Autoren, die wir begleiten, nennen denselben Grund für ihre Entscheidung: die Kontrolle. Einer formulierte es so: „Ich habe komplett die Rechte am Buch. Da nimmt niemand mehr Einfluss. Das ist mein Werk und geht mit mir nach Hause.“ Ein anderer: „Ich habe mich bewusst gegen einen Verlag entschieden, weil ich mein eigener Herr über das Buch bleiben möchte. Das ist meine Handschrift.“ Drei verschiedene Bücher, drei verschiedene Menschen und derselbe Kern: Das Buch sollte ihres bleiben.
Häufige Fragen zu Verlag oder Selfpublishing
Verlag oder Selfpublishing – was ist denn jetzt besser?
Pauschal: keins von beiden, aber für die meisten Autoren passt Selfpublishing besser. Du behältst Rechte, Kontrolle und den größeren Anteil am Erlös und kannst sofort loslegen, statt Monate oder Jahre auf Zusagen zu warten. Ein Verlag lohnt sich vor allem, wenn Prestige, Vorschuss oder eine klassische Literaturkarriere für dich an erster Stelle stehen.
Wie realistisch ist es, als Neuling einen Verlag zu finden?
Die Chancen sind sehr gering. Verlage erhalten weit mehr Manuskripte, als sie je veröffentlichen können, und vergeben ihre wenigen Programmplätze überwiegend an etablierte Autoren und über Literaturagenturen vermittelte Projekte. Eine Absage ist deshalb der statistische Normalfall, kein Urteil über dein Buch.
Wie lange wartet man auf eine Antwort vom Verlag?
Meistens mehrere Monate pro Verlag, oft kommt auch gar keine Antwort, weil viele Häuser sich nur bei Interesse melden. Wer mehrere Verlage und Agenturen nacheinander versucht, ist schnell ein bis zwei Jahre unterwegs. Rechne diese Zeit ehrlich gegen das, was du im selben Zeitraum im Selfpublishing erreicht hättest.
Wie viel verdiene ich beim Verlag pro verkauftem Buch?
Üblich sind Tantiemen im einstelligen Prozentbereich. Beim Taschenbuch etwa 7 bis 8 Prozent vom Nettoladenpreis, also dem Verkaufspreis ohne Mehrwertsteuer. Im Selfpublishing liegt deine Marge pro Exemplar deutlich höher, dafür trägst du die Kosten der Buchproduktion selbst.
Verliere ich beim Verlag wirklich die Rechte an meinem Buch?
Du bleibst immer Urheber, aber du überträgst dem Verlag die Nutzungsrechte. Meist exklusiv und langfristig. Das heißt: Über Druck, E-Book, Neuauflagen und Verwertung entscheidet der Verlag, nicht du. Im Selfpublishing bleiben alle Rechte vollständig bei dir.
Komme ich ohne Verlag überhaupt in den Buchhandel?
Ja. Mit einer ISBN und dem Eintrag im Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) ist dein Buch in jeder Buchhandlung in Deutschland bestellbar, unabhängig davon, ob ein Verlag dahintersteht. Den Weg dorthin gehst du im Selfpublishing über eine Selfpublishing-Plattform, und dazu beraten wir dich gern.
Am Ende ist es deine Entscheidung und beide Wege sind legitim
Ob Verlag oder Selfpublishing, es ist dein Buch und deine Entscheidung, und wenn der Verlagsweg zu deinen Zielen passt, ist er genauso legitim. Damit du diese Entscheidung mit klarem Blick treffen kannst statt auf Basis eines Mythos von gestern, lade ich dich zu unserer Buchberatung ein.
In dieser kostenlosen, ca. 60-minütigen Buchberatung entwickeln wir gemeinsam einen Plan für deine Buchveröffentlichung. Du wirst herausfinden, wo und wie dein Buch in den Vertrieb kommt und welche Veröffentlichungsstrategie zu deinem Projekt passt. Um mehr Informationen zu erhalten, gehe jetzt auf Buchagentur.de. Dort findest du weitere Artikel und Wissenswertes rund um die Möglichkeiten, dein Buch auf den Markt zu bringen.