Ich will mit euch über FOMO sprechen. Es geht um Fear of missing out, um die Angst, etwas zu vepassen. Darum, nicht dazuzugehören und damit handelt es sich um eine unserer Urängste. Was in der Steinzeit ein Kriterium für Nichtüberleben war, ist heute einfach nur nervig und kann dir deine Arbeit ruinieren. Ich möchte diesen Artikel über FOMO für Selbstständige etwas unkonventionell beginnen.

Stell dir vor, ein sehr guter Freund, mit dem du die letzten 20, 30, 40 oder mehr Jahren verbracht hast, kennt dich in- und auswendig. Er weiß ganz genau, dass du nicht willst, dass er dein Handgelenk anfasst. Dann kommt er auf dich zu und fasst dich an. Eine übergriffige Handlung. Grenzüberschreitend. Einfach nur falsch.

Ganz ehrlich? Wen du zu etwas „ja“ sagst, obwohl du „nein“ meinst, ist das genau diese Situation. Du kennst dich selbst dein Leben lang. Ob 15, 30 oder 50 Jahre: Du kennst dich selbst am besten. Wenn etwas in uns drin „nein“ sagt, sagen wir viel zu oft „ja“. Und ich finde, dass das genau so übergriffig und falsch ist, wie wenn andere mit uns so umgehen. Wieso sollten wir mit uns schlechter umgehen als wir es von anderen erwarten?

 

FOMO in der Praxis

Wie FOMO konkret aussieht? Nun, ich habe es mit dem Gamestop-Aktien-Kram erlebt: Die Kurse steigen, du magst die Aktie, ganz viele Leute investieren und ihr Buchwert erhöht sich. Dann bist du dich doch das dumme Schaf, das diese Aktion verpasst, die offensichtlich alle anderen Menschen erfolgreich und glücklich macht. Wenn ganz viele Leute bei etwas dabei sind – und vor allem, wenn es neu oder schnelllebig ist –, dann kann man schnell Fear of Missing Out (FOMO) erleben.

Ein anderes Beispiel für diejenigen, die sich mit Aktien-Zockerei so gar nicht identifizieren können: Eine neue Social-Media-Plattform erblickt das Licht der Welt. Seien es Vero oder Clubhouse: Sobald ein Hype entsteht und alle darüber sprechen, will ich dabei sein. Als Vero damals hochkam (nein, du musst davon noch nie etwas gehört haben), war plötzlich gefühlt jeder dabei. Twitter war voll von automatisch generierten „Ich bin bei Vero, komm du auch dazu“-Tweets, der Trend war riesig.

Andere Trends, auf die FOMO zutreffen kann, sind besonders für Autor*innen Plattformen wie Twitch. Und ich glaube, mit diesem Beispiel kann ich am besten klar machen, wie wir mit FOMO umgehen und umgehen sollten.

Es spricht absolut nichts dagegen, dass Autor*innen so zahlreich seit Anfang 2020 auf Twitch streamen. All die kreativen, motivierenden und unterhaltsamen Streams sind für ihre Zuschauer wertvoll. Auch für mich spricht nichts dagegen, meinen Twitch-Kanal zu aktivieren und live zu gehen.

Aber ich möchte eine Lanze dafür brechen, „Nein“ zu sagen, auch wenn nichts dagegenspricht, „Ja“ zu sagen. Denn was für mich dagegenspricht, ist das innere Gefühl. Ja, ich könnte auf Twitch streamen. Ja, ich hätte ein Konzept, das sogar ziemlich cool wäre. Aber nein, mein Bauchgefühl sagt nein.

 

 

Wisse, was Priorität hat!

Wir müssen nicht alles schaffen! Gerade, wenn alles zu viel wird, hast du vielleicht deine Belastungsgrenze erreicht. Wenn du diese Grenze einfach mal nach unten verschiebst, tust du dir selbst einen Gefallen und machst dein Leben erheblich leichter.

  • Wisse, wann du Entlastung brauchst.
  • Wisse, wann deine Belastungsgrenze erreicht ist.

Und vor allen Dingen:

  • Wisse, was Priorität hat!

Ist es nicht traurig, wenn wir „Prioritäten setzen“ als einen Prozess definieren, bei dem wir einfach nur entscheiden, was liegen bleibt und somit mangelhaft oder ungenügend erledigt wird? Prioritäten sollten unsere wahren Wege sein. Sie sollten mit unserem Sinn und unseren Zielen übereinstimmen.

Eine deiner wichtigsten Fähigkeiten ist es, „Nein“ zu sagen. Und zwar nicht nur, wenn du ein Angebot erhältst, das dir nichts Konkretes gibt oder bringt – sondern auch, wenn ein Angebot vielversprechend wirkt, selbst wenn es finanziell sinnvoll ist. Verrate dich nicht selbst und sei, wer du bist. Arbeite für deine Ziele.

Diese obenstehenden Imperative sage ich übrigens vor allem zu mir selbst, denn ich setze sie noch nicht einwandfrei um. Ich lerne noch, und da Erkenntnis der erste Weg zur Besserung ist, fühle ich mich schon sehr fortgeschritten auf dem Weg.

Meine Buchempfehlung ist nach wie vor: „The One Thing“ von Gary Keller. Es wird dir nicht helfen, sofort auf den richtigen Weg zu kommen (und wenn doch, ruf mich bitte sofort an!), sondern eher eine Hilfe dabei sein, immer wieder zurück auf den richtigen Pfad zu gelangen. Kommst du vom Weg ab, geh zurück. Machst du irgendeine FOMO-Sache mit: Beende sie. Egal, was die Leute dann denken. Bleib bei deinen Zielen, so oft es geht, und so wirst du nach und nach immer weniger stark vom Weg abkommen. So läuft es zumindest bei mir.

 

Eine Skala von 1 bis 10 gegen die FOMO-Laster

Nur eine 9 oder 10 ist gut genug.

Bewerte alles, was neu, interessant oder anziehend wirkt, auf einer Skala von 1 bis 10. Wenn es eine 9 oder 10 ist, dann spring auf den Zug auf. Entscheidest du dich dafür, wirst du zufrieden sein, weil das, was du tust, dadurch entweder wichtig, richtungsweisend, lustbringend oder schmerzvermeidend ist.

Doch dabei solltest du auf die Details achten, auf die tatsächliche Aufgabe. Clubhouse war Ende Februar eine total neue Sache. Es war eine 10. Ich war neugierig. Das heißt aber nicht, dass ich jeden Tag eine Stunde mit Clubhouse verbringe, sondern dass ich wissen wollte, was das ist. Sobald die Neugier gestillt war, wurde Clubhouse schnell zur 6, dann zur 5, irgendwie ist es, je mehr ich darüber nachdenke, sogar eine 3 oder 2 oder vielleicht gar nicht existent für mich. Denn ich bin nicht bei Clubhouse. Abgesehen davon, dass ich gar nicht die Möglichkeit dazu habe: Ich habe kein Ziel, dem ich dadurch erreichen könnte.

Mit der Skala von 1 bis 10 kannst du außerdem zwei Optionen vergleichen und bewerten. Will ich jetzt diesen Artikel schreiben? Was bringt es mir? Oder will ich lieber auf der Couch liegen und Netflix schauen? Natürlich wäre es eine 10, jetzt gerade Pause zu machen und es mir gut gehen zu lassen. Aber es ist keine langfristige 10: Wenn ich eine Viertelstunde Pause gemacht habe, will ich etwas tun. Und das, was ich tue, nämlich diesen Artikel zu schreiben, ist langfristig natürlich deutlich wichtiger für mich.

Vielleicht hilft es dir und mir, Aktivitäten und vor allem alles, was mit FOMO und / oder höheren Zielen zu tun hat, auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten. So abstrahieren wir unsere Gefühle und Bedürfnisse und machen sie gewissermaßen greifbar. Ich bin noch nicht sehr erfahren mit dem System, aber es hat mir die Ruhe gegeben, die man bei FOMO so dringend braucht. Ich ruhe in mir selbst und bin nicht aufgekratzt, wenn Aktienkurs X schnell steigt, wenn meine Kolleg*innen bei Twitch Erfolge feiern oder wenn die nächste Social Media Plattform aus dem Boden sprießt.

 

Auf Nimmerwiedersehen, liebe FOMO!

Ich möchte mich nicht mehr ablenken lassen. Ich will nicht mehr von meinem Weg abkommen und mich meinen Zielen in voller Inbrunst verpflichten. Ohne Trends, die niemandem etwas bringen. Ohne den bitterernsten Verrat an mir selbst. Tschüss, liebe Angst, etwas zu verpassen, tschüss FOMO!

Wie sieht das bei dir aus? Brennen bei dir alle Sicherungen durch, wenn du von FOMO erfasst wirst, oder kannst du dich immer an deinem Sinn und deinen Zielen ausrichten? Erzähl mir gerne in den Kommentaren davon.

Alles Liebe,

Kia



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