Heute sprechen wir über schlechte Texte und peinliche Anfänge über unseren Rat an Schreibanfänger*innen und über Vorbilder, und ob Schriftsteller Vorbilder brauchen.

 

Wir, das sind: Michael Leuchtenberger, Thriller- und Horror-Autor. Meddi Müller, der seit seinem Debütroman „Der Gewürzhändler“ im Jahr 2008 über 20.000 Bücher verkauft hat und Michael Hirtzy, Sci-Fi-, Horror- und Thriller-Autor.

Ich bin derzeit im Urlaub, und daher habe ich euch etwas ganz tolles vorbereitet: Das Sommerferienprogramm! Vom 3. Juli bis zum 20. August hört ihr mich und tolle Gäste wie Michael Hirtzy, Michael Leuchtenberger und Meddi Müller! Ab dem 30. August geht es dann wieder weiter wie bisher.

 

Schlechte Texte und peinliche Anfänge

Kia Kahawa: Dann lasst uns doch mal direkt über schlechte Texte und peinliche Anfänge sprechen. Wir alle haben mal angefangen zu schreiben. Ich möchte meine Gäste jetzt darüber ausfragen und fange da einfach mal mit Michael Leuchtenberger an. Findest du frühere Werke von Dir aus heutiger Sicht schlecht?

Michael Leuchtenberger: Ja, also bezogen auf Geschichten schreiben, bin ich ein ziemlich Spätstarter. Da habe ich eigentlich sehr wenig in der Schublade von früher. Es gab mal, als ich so 18 war ungefähr, da hab ich einen Roman anfangen, so ungefähr 20 Seiten. Das habe ich aber ziemlich schnell verloren, und dem trauere ich auch nicht nach. Also, das wäre wahrscheinlich aus heutiger Sicht auch ein bisschen gruslig, das zu lesen. Ansonsten habe ich früher Songtexte geschrieben, und das ist auch was, wo ich sicher viele Sachen niemandem heute mehr zeigen würde.

Kia Kahawa: Die meisten von uns haben sicherlich auch mal irgendwas Peinliches gemacht oder früher für gut befunden. Michael Hirtzy, findest du etwas von dir Geschriebenes heute schlecht oder peinlich?

Michael Hirtzy: Ich würde es nicht als peinlich bezeichnen, aber natürlich ist es so, dass ich in meiner Anfangszeit einiges an Texten geschrieben habe, von denen ich bis heute froh bin, dass Sie nie jemand außer mir selbst gelesen hat und die ich weder in dieser Form noch in irgendeiner anderen jemals auf Leser loslassen würde. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass das eine ganz normale Entwicklung ist. Ich denke, jede Autorin, jeder Autor schreibt hier und da Texte, die nicht für die Veröffentlichung geeignet sind, glaube aber nicht, dass das mit der Anfangszeit als Autor zu tun hat, sondern dass so etwas immer wieder einmal passiert. Und von daher sind mir auch meine ersten Texte weder peinlich noch unangenehm. Sie sind etwas, das mir geholfen hat, mich zu entwickeln, von denen ich froh bin, dass ich sie geschrieben habe, aber sicherlich wird sie nie jemand zu lesen bekommen.

Kia Kahawa: Dankeschön! Meddi, ist dir etwas, das du geschrieben hast, heute peinlich?

Meddi Müller: Naja, so richtig peinlich ist es mir eigentlich nicht wirklich, allerdings gibt es, da so ein paar Gedichte sich früher geschrieben habe, dich ich auf einer Webseite veröffentlicht habe, die zum Glück nicht mehr existiert. Also, die war schon richtig schlechten. In dem Moment fand die eins ganz gut. Das ist so das Einzige, was ich peinlich keine vorzuweisen haben, was jetzt weniger peinlich eher ärgerlich ist, das ist mein Erstlingswerk „der Gewürzhändler zu Frankfurt“ extrem schlecht lektoriert wurde und deshalb nicht mehr von mir verkauft wird, sondern eher nur noch verschenkt wird für besondere Anlässe. Und Leute von denen ich weiß, dass dies jetzt nicht übel nehmen, aber ansonsten schäme ich mich nicht.

Kia Kahawa: Ich finde es schön, dass es hier jedem ähnlich geht. Meine Anfänge finde ich heutzutage auch eher peinlich und will auf gar keinen Fall darüber sprechen, aber es gehört zu mir, und was ich angefangen habe zu schreiben und was sich auch Hals über Kopf mal früher veröffentlicht habe, hat mich heute zu dem gemacht, was ich heute bin. Und das führt mich zur nächsten Frage, nämlich: Was würdet ihr Schreibanfänger/Innen empfehlen?

 

Unser Rat an Schreibanfänger*innen

Kia Kahawa: Meddi, was würdest du Schreibanfänger*innen raten, wie sie an ihr Projekt rangehen sollen?

Meddi Müller: Also, ich würde raten, völlig unverkrampft daran zu gehen, einfach sich treiben zu lassen von der Geschichte, weil, wenn man auch wirklich beim Schreiben tief in die Geschichte genug eintaucht, dann entwickelt sich das von selbst und es bekommt einen Flow, und man bekommt neue Ideen beim Schreiben und die Charaktere entwickeln sich im Kopf. Natürlich muss man die Idee haben und groben Plan, aber letztendlich entscheidet die Geschichte, wo es hin geht und das wäre so mein größter Tipp, sich einfach treiben zu lassen und nicht zu verkrampfen und nicht zu gucken, was machen die anderen, sondern bei sich bleiben, seinen eigenen Stil finden den  konsequent durch ziehen.

Kia Kahawa: Okay, Idee und ein grober Plan und sich treiben lassen sind deine Tipps. Fragen wir mal Michael Hirtzy. Was rätst du Schreibanfänger*innen?

Michael Hirtzy: Das ist eine ganz einfache Frage, und auch eine sehr einfache Antwort, die ich hier geben kann und diese lautet: Schreibt! Ganz einfach tut es! Denn, was jemanden der Schreiben möchte am meisten daran hindert, zu schreiben, ist die Überlegung, irgendwann fange ich an zu schreiben. Keine Autorin, kein Autor ist vom Himmel gefallen und konnte auf einmal schreiben. Es ist immer ein Prozess des Lernens, das sich weiterentwickelt, und nur wenn man damit beginnt und einfach schreibt, kann man Erfahrungen sammeln und kann sich entwickeln.

Kia Kahawa: Ja, einfach schreiben. Ich denke, gerade weil wir früheres schlecht finden, zeigt das, wie wir uns entwickeln und da gehört schreiben natürlich absolut dazu, denn würden wir nicht einfach schreiben und immer mehr schreiben es zur Gewohnheit machen, im Flow schreiben, dann würden wir uns ja gar nicht entwickeln.

Jetzt würde ich gerne Michael Leuchtenberger fragen. Was würdest du Schreibanfänger*innen raten, die sich weiterentwickeln wollen, eher drauflos Schreiben oder mit System und Schreibratgebern anfangen. Was meinst du?

Michael Leuchtenberger: Ja, mit den Ratschlägen, das ist gar nicht so einfach, weil ich im Austausch mit anderen Schreibenden immer wieder merke, dass jeder seine eigene Herangehensweise hat- und deswegen würde ich sagen, erstmal unbefangen daran angehen und herumprobieren.

Bei sowas wie Schreibratgebern, rate ich fast eher Vorsicht, weil natürlich, es kann ganz hilfreich sein, sich mal Methoden anzuschauen und was auszuprobieren, aber wenn dann so Sätze fallen, wie eine Geschichte muss dies haben, und ein Buch muss das haben. Dann empfinde ich persönlich das sehr schnell als eingeengt, und das blockiert mich eher.

Was ich wichtiger finde, wenn man sich weiterentwickeln möchte, würde ich sagen, sich zu vernetzen und sich zutrauen das, was man geschrieben hat, auch mal anderen zum Lesen zu geben. Das hat bei mir immer gut funktioniert, also sich Testlesende zu suchen, zum Beispiel über Social Media und ja auch sich Feedback zu holen und auch im Gegenzug mal selber Testsachen zu lesen. Ich finde, da kann man viel auch dabei lernen, indem man einfach genauer hinschaut, was genau macht denn so eine Geschichte mit mir? Was löst sie in mir aus? Wie funktioniert so ein Text? Ich finde, beide Seiten können davon sehr viel profitieren. Das kann ich nur empfehlen.

Kia Kahawa: Ich würde mal zusammenfassen, dass unsere Tipps an die Schreibanfänger*innen unter den Zuhörern ziemlich eindeutig sind. Einfach schreiben, lesen, treiben lassen, seid Unbedarft, probiert euch aus, holt euch Feedback, vernetzt euch.

 

Brauchen Schriftsteller Vorbilder?

Kia Kahawa: A Aber auch Vorbilder können für Schreibanfänger*innen, sowie für Fortgeschrittene enorm hilfreich sein. Meddi, hast du ein schriftstellerisches Vorbild? Wer ist das und warum?

Meddi Müller: Mein großes Vorbild ist Steven King. Nicht, das Schore, sondern die Art zu schreiben, wie er schreibt, er ist ein richtiger Page-Tuner. Er weiß genau, wie man sein Publikum fesselt. Also, bei ihm habe ich mir sehr viel abgeschaut. Ich benutze ihn als großes Vorbild, weil er auf sehr viel mit Metaphern arbeitet und so weiter. Also, wenn man seine Texte mal ein bisschen analysiert, kann man sehr viel lernen von ihm und wie mit welchen Elementen er spielt und den Leser fesselt an seine Bücher und wie er die Geschichte vorantreibt und wie er mit Rückblenden arbeitet und so weiter. Also, Steven King ist für mich Immer noch der beste Schriftsteller dieser Welt.

Kia Kahawa: : Dankeschön! Von Stephen King gibt es übrigens ein Buch namens „Das Leben und das Schreiben“. Das empfehle ich wirklich jedem. Ich habe gelesen, zwar nur ab Seite 123, aber wer sich das Buch holt, wird sehen, warum ab Seite 123. Michael Hirtzy, hast du ein schriftstellerisches Vorbild?

 Michael Hirtzy: Definitiv, Nein! Bevor das falsch verstanden wird, möchte ich das ein wenig ausführen. Natürlich gibt es sehr viele Autorinnen und Autoren, die ich gerne lese, die mich inspirieren, die mich begeistern, die mich seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten begleiten, aber niemand davon ist für mich ein Vorbild, in der Form, dass ich nicht versuche, ihnen nachzueifern oder nicht versuche, so zu sein wie sie. Denn das ist für mich die Definition eines Vorbildes, sondern einfach, indem Sie mich inspirieren, dazu weiterzuschreiben. Ganz einfach, weil sie zeigen, dass man es schaffen kann, dass man gute Bücher schreiben kann, dass man Leserinnen und Leser begeistern kann und deswegen ist meine Antwort auf die Frage nach Vorbildern: Ein klares Nein!

Kia Kahawa: Dankeschön! Schön, wie vielfältig eure Antworten ausfallen. Ich selbst habe auch keinen eines Vorbildes, dem ich nacheifern will, aber mich inspiriert zum Beispiel der leichte Schreibstil über tiefere Themen, den von François Lelord „Hectors Reise“ zum Beispiel schreibt. Und ich finde die Art wie Dennis E. Taylor verschiedene Aspekte einer Geschichte, verschiedene Perspektiven miteinander verwebt, finde ich absolut super! Weil es am Ende doch irgendwie zusammen kommt und Sinn ergibt, aber trotzdem alles auch für sich stehen kann. Und wenn ich mir ganz ehrlich gesagt, ein bisschen mehr Page-Turner, wie von Neal Shusterman, aneignen könnte, dann wär das auch super!

Michael Leuchtenberger, wer sind deine Vorbilder? Und warum?

Michael Leuchtenberger: Nein also, dass eine schriftstellerische Vorbild- das gibt es für mich nicht, den ich nennen könnte, da ich hin und selber auch schwerpunktmäßig Horror schreibe, ist natürlich Steven King. Das ist vielleicht ein bisschen langweilig, aber ja, der hat einfach mal eine Menge Bücher geschrieben, von denen ich auch ein Großteil gelesen habe, von dem ich auch einige wirklich sehr gut fand – längst nicht alle. Was eben er eben sehr gut kann, ist nicht nur Angst und Schrecken zu verbreiten, sondern vor allem glaubwürdige Figuren zu erschaffen, die wirklich plastisch werden und die auch in einem Milieu zu zeigen, das glaubwürdig ist, und das ist manchmal auch ein bisschen ausschweifend bei ihm. Das kann auch anstrengend sein, aber ich finde, dass es das wert ist, weil man wirklich in diese Welten eintaucht, und das ist wichtig dafür, dass die Geschichten einfach gut funktionieren und auch was mit einem machen und auch im Kopf hängen bleiben.

Kia Kahawa: Jetzt wurde Steven King gleich von zwei von euch genannt, aber nichtsdestotrotz habe ich das Gefühl, dass ihr drei mir vielfältige Antworten gegeben habt, die ein tolles Gesamtbild ergeben.

Im Grunde ist der Schreibprozess so individuell wie jeder Mensch, und so ergibt sich auch eine einzigartige schriftstellerische Entwicklung mit der Zeit. Ich sage vielen lieben Dank an Michael Leuchtenberger, Michael Hirtzy und Meddi Müller.

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In dieser Folge wurden erwähnt:

Stephen King

„Das Leben und das Schreiben“

Neal Shusterman

François Lelord

Dennis E. Taylor

 

In dieser Folge waren mit dabei:

Meddi Müller

Website: http://www.meddimueller.de/

Twitter: @MuellerMeddi

Instagram: @meddi_muller

 

Michael Leuchtenberger

Twitter: @MichaLeute

Instagram: @michael.leuchtenberger

 

Michael Hirtzy

Website: https://www.michael-h76.at/

Twitter: @michael_h76

Instagram: @michael_h76_autor

 



Der Auto(r)preneur-Podcast:

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