Silvester ist vorbei. Die Menschen haben sich beruhigt. Sie sind entweder ernüchtert von ihrem Start ins neue Jahr und dem, was in der Welt geschieht, oder genau das Gegenteil: Zu müde, um mehr zu leben als die bloße Existenz. Zu verkatert, um mehr Geräusche zu hören als die Unstille des Körpers. Einfach zu erledigt.

Das kann jedem mal passieren. Und so passiert es wie immer, dass das Schlachtfeld der Erinnerungen brach liegt. Müll häuft sich an gegebenen Stellen, die Straßen sind menschenverlassen. Und dass es gerade wieder dunkel wird, wundert sicher jeden Dritten von uns, die bis zum Sonnenaufgang gefeiert haben.

Foto: Kia Kahawa

Foto: Kia Kahawa

Eigentlich feiern wir am 31.12. das, was wir auch am 31.10. feiern könnten: Das Ende eines Monats. Und im Gegensatz zum 31.8. ist es nicht gleichzeitig der wehmütige Abschied der wohl besten Wetterperiode des Jahres, nein, es ist auch kein Abschied einer Jahreszeit.

Silvester ist ein Tag am Rande des Jahres, in der Mitte des Winters und am Anfang von etwas ganz Neuem. Wir können unsere Erinnerungen an den einsamen Valentinstag überschreiben, indem wir dieses Jahr ganz sicher nicht allein sind. Wir können am ersten April einen Wecker gestellt haben und dieses Mal nicht vergessen, jemandem einen annähernd witzigen Streich zu spielen.

Wir können uns vornehmen, diesen einen dritten Januar des letzten Jahres am dritten Januar dieses Jahres besser zu leben. Der völlig versaute Geburtstag der Oma am 14. September 2016 hat durch eure Streitereien nur gelitten. Das soll nicht die Erinnerung an den letzten Geburtstag sein, vor allem dann nicht, wenn es vielleicht der letzte Geburtstag gewesen wäre.

Aber Zeit ist kein Kreislauf.

Ich erwische mich selbst dabei.

Ich erwische mich selbst dabei, wie ich das Schlachtfeld der Erinnerungen mit Farbe besprühe, eine Blume danebenstelle und grinsend posierend ein Selfie davor knipse, wenn ein Tag funktioniert, der früher nicht funktioniert hatte.

Am Valentinstag bin ich nicht allein. Und schon ändert sich meine Meinung darüber. Klar, es ist ein Konsum-Fest von Plastik und sozialem Druck, aber ich für mich mag meinen Valentinstag. Denn ich verbringe ihn so, wie es mir gefällt. Dass ich noch letztes Jahr und die Jahre davor  in der typischen Valentinstags-Opferrolle gesteckt habe, vergesse ich dabei. Ohne es zu wollen.

Die letzten Jahre Weihnachten waren besinnlich, aufregend, lustig. Ich habe mich jedes Jahr auf Weihnachten gefreut wie ein kleines Kind – auch, als ich ein großes Kind war. Und durch ein eher durchwachsenes Weihnachtsfest in 2016 bin ich nun ernüchtert.

Nicht über das große Weihnachtskonzept an sich, das nur mit Konsum zu tun hat. Wirtschaft. Geld. Ist mir alles klar.

Sondern über das allgemeingültige emotionale Betrachten des Festes. Das Freuen.

Und so habe ich es auch überschrieben und überwunden, eine große, eskalierende Silvesterparty als Statussymbol zu betrachten. Ich brauche keine große Clique mehr, dessen Mitglieder noch Tage später über mein legendäres Silvester sprechen.

Das ändert nichts an meiner Meinung zu Böllern, Geldverschwendung, Tierquälerei oder Fahrlässigkeit. Im Gegenteil: Meine Meinung verfestigt sich, weil sich durch meinen nun veränderten Blickwinkel nichts verändert hat.

In diesem Sinne: Frohes Neues.

Und weil dies mein allererster Teetext ist, und ich erst am Freitag, den 6. Januar 2017, den Teetext über Teetexte veröffentlichen werde, ergänze ich diesen Artikel um die Essenz meiner Meinung über Silvester:

 

01.01. – 27.12.: “Ich habe kein Geld, um mir Bionahrung und faire Kleidung zu kaufen!”

28.12. – 31.12.: “Geieeelll, endlich wieder Böller kaufen!”

 

In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr wünsche ich dir und übermittele dir liebe Grüße vom Schlachtfeld der Erinnerungen.

Keine Schlacht wird hier je verloren, denn die Meinung wird gestärkt.

kia_kahawa

Kia mit Nibelungen-Tee*.

 

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