Kreativität ist etwas, das Computer nicht lernen können. Man spricht im Englischen vom thinking outside the box. Es geht also darum, sich nicht in der Kiste zu bewegen, in der man sich jeden Tag aufhält. Ob ein Autor oder eine Autorin das nur geistig oder auch physisch auslebt, bleibt ihm oder ihr überlassen.

Aber was ist denn die übliche Kiste? Und wo findet man den Bereich außerhalb der Box?

Foto: Kia Kahawa

Foto: Kia Kahawa

Es geht um einen Raum mit vier Wänden oder einen Bereich, der durch einen Radius von wenigen hundert Metern definiert werden kann. Besonders Menschen, die in einer abhängigen Beschäftigung “feststecken”, gehen täglich denselben Routinen nach. Sie bereiten sich auf die Arbeit vor, fahren hin, arbeiten, fahren zurück und bereiten ihren Tag nach. Wie kann ein Mensch kreativ sein, der jeden Tag dieselben Routinen durchläuft?

Das funktioniert nicht, ohne dass der Mensch beginnt, seine Box im Kopf zu entmannen.

Meine ersten Studien zur Kreativität begann ich, als ich den langen Weg nach Hause genommen habe. Dabei hörte ich mein Dauerbrenner-Lieblingslied “Take the long way home*” von Supertramp. Was habe ich damit hinsichtlich meiner Kreativität bewirkt? Sie ist losgegangen.

An diesem ersten Tag meiner Kreativitäts-Studie kamen mir gute Ideen, die dafür sorgten, einen halben Roman zu plotten. Die Konzepte flogen vom Hirn auf den Bildschirm, ohne dass ich nach kreativen Geanken suchen musste.

Kreativität kommt zu dir, wenn du aus dem Alltag ausbrichst

So, wie kurze Ausflüge und Umwege spontan geschehen sollten, geschieht die Kreativität auch spontan. In meinem Fall lag das an der Denkweise. Aus einem “Mist, ich komme später nach Hause und habe weniger Freizeit” oder einem “Mein Heimweg dauert doppelt so lang wie sonst” wurde bei guter Laune und guter Musik spontan ein gedankenverlorenes Laufen. Es ging um die Bewegung, die den Geist geleert hat. Ich habe mich vom Urteilen freigesprochen und mich vom Plan, den ich für den restlichen Tag hatte, befreit.

Friedrich Nietzsche sagte einst:

Traue keinem Gedanken, der im Sitzen kommt.

Und es ist wahr: Das Sitzen ist die Box. Ich sitze im Büro, in der Bahn und am Schreibtisch, wenn ich an meinem Manuskript schreibe. Das Manuskript auszuschreiben ist dabei nicht wirklich kreativ – denn der Löwenanteil meiner schriftstellerischen Aufgaben geschieht ‘irgendwie’. Das planerische Schreiben ist eher ein Handwerk, das ohne große geistige Tätigkeit geschieht.

“Irgendwie” definiert die Autonomie der Kreativität

Irgendwie habe ich eine Idee für ein Buch. Irgendwie kommt ein Teetext in mir hoch. Und irgendwie kenne ich meine Protagonisten schon, bevor ich den Charakterbogen erstelle. Weil es in meinem Kopf geschieht, während ich andere Dinge mache. Weil die Kreativität ungebeten angeflogen kommt und mir meine erfundenen Welten, Personen und Umstände bekannt und vertraut erscheinen lässt.

Ich habe mich im weiteren Verlauf meiner Studie gefragt, ob Kreativität und Logik Gegenteile zueinander bilden würden. Und dabei kam ich zu dem Schluss, dass diese These stimmt – zumindest für meine persönliche Definition.

Logik ist der Antagonist der Kreativität

Du befindest dich in einer Kiste. In dieser Kiste gibt es Schalter, die an der Wand montiert sind und eine Lampe, ein Fenster und eine Tür. Jeder der Schalter löst eine Funktion aus: Licht durch die Glühbirne, Lüftung durch das Fenster oder eine Fluchtmöglichkeit durch die Tür.

Dass auch die geöffnete Tür für mehr Licht in der Kiste sorgen kann, ist jedem klar. Hier spielt weniger Kreativität die Rolle, sondern die Logik. Aber kann die Glühbirne zu einem Fluchtweg führen?

Wenn wir davon ausgehen, dass die Glühbirne heiß wird und die Kiste aus Pappe besteht, kann das passieren. Aber niemand käme auf die Idee, wenn er den lieben langen Tag in der Kiste steht und die Tür betrachtet, über der überflüssigerweise noch das Schild “Ausgang” hängt.

In diesem Beispiel ist die Kiste die Kiste, und der Blick auf die Tür verengt die Kiste. Sobald man daran denkt, ein Loch in die Kiste zu schneiden oder die Funktionen der Schalter und Optionen zu verändern, denkt man außerhalb der Kiste. Outside the Box, sozusagen.

So versinnbildliche ich gerne die gedankliche Kiste, in der die Unkreativen und Logischen leben. Nur durch scheinbar irrationale Fragen wird es dem menschlichen Gehirn ermöglicht, neue Wege zu erfinden. Und das hat mit Kreativität zu tun. Wobei es sich jetzt darüber streiten lässt, ob eine Kiste wirklich eine legitime Metapher für die Kopf-Kiste ist, wenn es um Kreativität geht. Besonders kreativ scheint das nicht zu sein.

Aber wie ich oben schon beschrieben habe, ist Kreativität frei von Urteilen.

Mein Tee ist jetzt leer und so lässt dieser Teetext Raum für kreatives Weiterdenken. Selberdenken macht kreativ. Besonders, wenn unkonventionelle Methoden des Schreibens verwendet werden, sodass der Leser Einleitung und Hauptteil genießen kann, aber nicht den Schluss.

kia_kahawa

Kia Kahawa mit Ingwer-Zitrone-Brennessel-Tee*. Der schmeckt wie Kuchen! (Echt jetzt!)

Willst du up to date bleiben?

[wysija_form id=”1″]

Manchmal buggt dieses Formular! Nutze stattdessen diese Seite: Newsletter.