Kia fragt

Traut euch, unabhängig zu veröffentlichen!

18. Mai 2017

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Traut euch, unabhängig zu veröffentlichen!

Die überzeugte Selfpublisherin Margaux Navara kann für viele von uns ein Vorbild sein: Sie ist verlagsunabhängig und dennoch hauptberuflich als Schriftstellerin tätig – und das auch noch im BDSM-Bereich der Erotik.

Margaux Navara kann man nur live auf Buchmessen antreffen. Bilder möchte sie nicht von sich im Internet veröffentlichen.
Margaux Navara kann man nur live auf Buchmessen antreffen. Bilder möchte sie nicht von sich im Internet veröffentlichen.

Margaux Navara im Interview #Autorinnenzeit

Ich habe heute die Ehre, Margaux Navara zu interviewen. Vielen Dank, dass du dir Zeit für uns nimmst. Ich habe dich im Vorfeld der Messevorbereitungen per E-Mail kennengelernt und wir hatten unsere Messestände auf der Leipziger Messe 2017 nebeneinander. Meine Leser haben zum größten Teil noch nie etwas von dir gehört. Magst du dich mal kurz vorstellen? Wer bist du und was schreibst du?

Vielen Dank, dass du an mich gedacht hast! Ich bin seit fünf Jahren als Autorin tätig, seit vier hauptberuflich. Dabei schreibe ich das, was mir am meisten liegt, nämlich Erotikgeschichten, speziell über BDSM-Beziehungen, weil ich selbst in einer solchen lebe.

Kannst du kurz erklären, was BDSM bedeutet?

Das ist ein Akronym mit vielen Bedeutungen. Bondage u. Disziplin, Dominanz u. Submission, Sadismus u. Masochismus, ein Sinnbild für die tausend Varianten des Kink.

Danke dafür. Wie kamst du dazu, Erotik zu schreiben? Gerade in einer Beziehung, in der man sich bereits die sexuellen Wünsche erfüllen kann, bleibt doch eigentlich nichts zu wünschen übrig. Warum hast du ausgerechnet mit dem Schreiben angefangen?

Ich lese selbst gerne erotische Bücher. Gerade in einer langjährigen Beziehung finde ich es wichtig, den Sex interessant zu halten, denn “Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit“ (Hape Kerkeling). Wir haben in unserer Ehe entdeckt, dass wir beide das wollen. Es hat uns noch viel enger zusammen geschmiedet und wir sind jetzt “vollständig“. Ich schreibe schon lange, da lag es nahe, die eine Leidenschaft mit der anderen zu verbinden.

Das klingt gut! Alle Autorinnen, die ich bisher zur Interviewreihe #Autorinnenzeit befragt habe, waren starke und unabhängige Frauen. Du hast mir in einer unserer E-Mails mal verraten, dass du Selfpublisherin bist, weil du es willst und keinesfalls, weil dich kein Verlag haben will. Damit haben Selfpublisher oft zu kämpfen und werden von “den Großen” belächelt. Warum hast du diesen Weg gewählt?

Am Anfang war es ein Ausprobieren, die große Frage: Will überhaupt jemand das lesen, was ich schreibe? Nach den ersten kleinen Erfolgen (Platz 5 der amazon Erotik Charts) dachte ich über die Suche nach einem Verlag nach. Nach Eruierung der Verdienstmöglichkeiten und der Einsicht, dass ich damit die Kontrolle abgeben würde, was Cover, Preis oder auch z. T. Inhalt betrifft, entschied ich mich bewusst für das Selfpublishing.

Würdest du einer jungen, ambitionierten Frau raten, sich als Selfpublisher selbstständig zu machen? Wie schätzt du finanzielle Risiken ein?

Ich kann es jeder Autorin, egal welchen Alters, empfehlen, selbst zu veröffentlichen. Nirgends erfährt sie auf so direktem Weg, ob das ankommt, was sie schreibt, wie sie schreibt. Diese Reaktion muss man verkraften, sie ist ehrlich, kann auch verletzen. Von einem Verlag kommt meist eine Standardabsage, vielleicht nur, weil der Stapel zu groß wird, oder ein Schreibfehler im Exposé ist. Man kann die Kosten auch bei Null halten, wenn man sich traut, ohne Korrektorat und ohne Lektorat zu veröffentlichen. Ein Risiko, das man abwägen muss. Vielleicht unter Pseudonym anfangen und die Reaktionen testen? Oder sich Hilfe von anderen Autoren holen? Ich helfe z. B. anderen in meiner Schreibgruppe.

Wie sieht es als Frau in der Branche aus? Erotik wird überwiegend von Frauen geschrieben. Ist der Konkurrenzdruck unter Selfpublishern hoch?

Witzig! Der Konkurrenzdruck ist in allen Genres hoch, und ist unabhängig vom Geschlecht. Außerdem konkurrieren wir alle mit Verlagsautoren. Die größte Konkurrenz bilden aber immer noch die (für die Verlage) billigen Übersetzungen aus dem Englischen von Büchern, deren Erfolg hier garantiert ist. Schau dir an, wie viele Titel in den Charts übersetzt wurden … Unter den Selfpublisherinnen setzt sich nur langsam der Gedanke durch, dass wir nicht konkurrieren. Ich kann nie so schnell schreiben, wie meine Leser lesen. Es liegt also in meinem Interesse, dass die Leser zwischen meinen Büchern genauso gute Bücher anderer lesen, damit sie bei der Stange bleiben.

Das sehe ich auch so. Allein wenn man in sein Bücherregal schaut, sieht man viele Bücher vieler Autoren und Autorinnen! Wenn wir schon bei dem Gedanken sind, dass Selfpuiblisher keine Konkurrenten sein müssen, interessiert mich das Folgende: Welche literarischen Vorbilder hast du? Ein Vorbild aus deinem Genre und eines, das du frei wählen kannst.

Für das Selfpublishing: Aus meinem Genre, wenn auch eher fantasylastig, ist Lisa Skydla, ebenfalls Selfpublisherin, die schon lange begriffen hat, dass wir neben unserem Beruf als Autorin immer auch Unternehmerinnen sein müssen.

Das ist die Negativseite, wir müssen eben alles selber machen. Das Gleiche bewundere ich an Poppy J. Anderson, mega erfolgreich, äußerst diszipliniert, äußerst kreativ auch in Vermarktung. Was die literarische Seite angeht, fallen mir Robin Schone (Erotik) und Elizabeth George (Krimi) ein.

Als Autorin von “Die Krankheitensammlerin” habe ich viel mit Gerüchten zu tun, die behaupten, der Entwicklungsroman sei autobiographisch. Ich habe auch schon gelesen: “Kia Kahawa ist die Krankheitensammlerin”. Wie sieht das bei dir aus? Wird dir nachgesagt, du sprächest aus Erfahrung und nicht aus Fantasie?

Der erste Krimiautor, mit dem ich sprach, fragte, ob ich denn “vom Fach, eine Professionelle“ sei. Ich fragte zurück, wie viele Menschen er schon ermordet hat… Angesprochen hat mich darauf sonst noch niemand, aber ich meine, es bei den Messen schon hinter der ein oder anderen Stirn lesen zu können. Zum andren mache ich ja keinen Hehl daraus, dass ich in einer BDSM- Beziehung lebe, (sexuell) submissiv zu sein.

Haha, das mit dem Krimiautor ist gut. Ich habe mal gelesen: “Du musst nicht in der Bratpfanne gelegen haben, um über Schnitzel zu schreiben!”. Nun interessiert mich als letztes noch deine persönliche Zukunft als Autorin. Woran arbeitest du? Worauf können wir uns noch freuen?

Sehr schöner Vergleich!
Ich arbeite an mehreren Projekten gleichzeitig, und kann mich zur Zeit noch nicht entscheiden, ob eher der dominante Koch mit einer Schwäche für submissive unfähige Hamburgerbraterinnen gewinnt oder die drei Frauen auf Yachten im Mittelmeer, die in ihrer Unterwerfung ihre Stärke entdecken …
Danke, dass du mich als Interviewpartnerin gewählt hast. Ich wünsche dir viel Erfolg für deine nächsten Bücher! Vielleicht bis zur nächsten Messe? Der Kontakt zu begeisterten Lesen kann süchtig machen.

Dem stimme ich zu! Ich würde mich freuen, wenn wir uns im Oktober in Frankfurt oder im November in Berlin wiedersehen würden. Vielen Dank für deine Offenheit und bis dahin!

visitenkarte-loveme  Margaux Navara, Autorin mit Lust an BDSM, veröffentlicht seit 2012 Erotikromane und Kurzgeschichten.

Webseite: margauxnavara.com mit Geschichten über BDSM und Leseproben aller Bücher

Facebook: Margaux Navara (Privat | Autorenseite)

Amazon: Margaux Navara

Als nächstes werde ich die Gay Romance Autorin Susann Julieva befragen. Seid gespannt!

Kia (*1993) produziert. Gedanken mit Menschen teilen - ob als Blog, Roman, Zeichnung, Musikstück, Sachbuch oder Hörspiel - das ist es, was am Produzieren so fasziniert.

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  1. […] Die gesellschaftliche Entwicklung der Autorinnen Traut euch, unabhängig zu veröffentlichen! […]

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