Autorenleben

Dönermonds Twitter-Manifest – Twittern für Fortgeschrittene

29. Juni 2017

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Dönermonds Twitter-Manifest – Twittern für Fortgeschrittene

Benjamin Spang ist verlagsunabhängiger Autor und macht ein Fernstudium zum Social Media Marketing Manager. Seine Session “Mein Twitter-Manifest” beginnt am Samstag, den 24.06.2017 auf dem Literaturcamp in Heidelberg um 15 Uhr. Gut, ein bisschen später, denn der Raum wurde spontan umgelegt und die Session findet nun im dritten Stockwerk statt. Es geht um Twittern für Fortgeschrittene: Wie man sich mit 140 Zeichen eine treue Fanbase aufbauen kann.

Twittern noch nicht für Fortgeschrittene

Ich weiß, dass die Vollständigkeit abgegrast werden muss. Das begründet, dass der Vortragende zunächst auf das Twitter-Profil eingeht. Denn der erste Eindruck ist entscheidend. Ich erwarte Standard-Blabla über ein vollständiges Profil, was für mich selbst nicht relevant ist (so hoffe ich doch!), freue mich auf die nächsten Punkte. Aber wie Benjamin Spang an diesen Punkt rangeht und welches knackige Tempo er seinem Vortrag verleiht, lässt niemanden ermüden, im Gegenteil. Wir erhalten eine tolle Auffrischung und können unser Profil vor dem geistigen Auge durchgehen, um uns mit den Ausführungen Spangs abzugleichen.

Twitter ist wie Speeddating. Je nachdem, wie viele und wie effektiv man Hashtags benutzt, stoßen täglich eine Menge fremder Leute auf unsere Twitter-Profile. Ist dieser Eindruck ein guter, so erhält man einen neuen Follower.

Das Profil soll dazu führen, dass ahnungslose Menschen, die sich fragen, wer du bist, danach einen Eindruck von dir haben. Sie sollen wissen, wer du bist, was du machst und wie du sie erreichen kannst. Erreichst du sie, folgen sie dir.

Besonders wichtig auf dem Profil: Benutzt ein sympathisches Profilbild!
Eine der wichtigsten Botschaften an alle Teilnehmer der Twitter-Manifest Session, die auch während dem LitCamp schnell umgesetzt wurde: Einige Twitterer erkannte ich gar nicht wieder, weil sie plötzlich ihr Gesicht in Social Media gezeigt haben, konnte sie aber mit den realen Personen verknüpfen. Ich freue mich sehr, dass dieser Tipp beispielsweise für die Dauer des LitCamps von Jutta Frenzel und dauerhaft von Michael Schäfer umgesetzt wurde. Man nimmt Benjamin ernst und will von ihm lernen.
Nur, wenn wir uns wirklich selbst zeigen, können wir sympathsich und authentisch sein. Katzenbilder oder Gesichtsauschnitte sind nicht ratsam.

Im Grunde hat Benjamin hier eine einfache Grundaussage: Vervollständige dein Profil und sei dabei authentisch.

Entscheidend auf Twitter: deine Tweets!

Veröffentlicht nur gute Fotos und Grafiken. Postet nichts, was nicht überzeugt. Verwackelte Fotos gehören raus aus Social Media, weg von Twitter.

Eine weitere, wichtige Regel aus dem Twitter-Manifest, die auf viel Zustimmung stößt: Twittert nichts, was mit Rechtschreibfehlern behaftet ist. Ganz viele Leute, inclusive Benjamin Spang, retweeten nichts, was fehlerhaft ist.

An dieser Stelle ruft Benjamin dazu auf, sich Mühe zu geben. Und ich finde das sehr wichtig, denn gerade bei 140 Zeichen müssen die eigenen Qualitätsansprüche für einwandfreie Rechtschreibung genügen. Etwas wehleidig denke ich an die ganzen Tippfehler, die sich bei Tweets vom Handy aus bei mir immer wieder einschleichen.
Links müssen stimmen, Grafiken und Fotos qualitativ sein.

Aber Benjamin spricht auch das Crossposting an. Crosspostings empfinde ich persönlich als unheimlich nervig. Selbst bei Instagram schalte ich diese Funktion oft aus und bastele einen eigenen Tweet, bei dem man das Instagram-Bild auch sehen kann, ohne auf den automatisch generierten link zu klicken.

Abgebrochene Sätze wirken abgehackt, das Auto-Posting ist Spangs Meinung nach respektlos, denn so wird Twitter als Postwurfmaschine behandelt. Der Text wird abgehackt und dementsprechend sieht er schrecklich aus, ist irrelevant und unbeliebt. Wer auf Twitter unterwegs ist, will nicht auf einen Link klicken und auf Facebook landen.

Das Ziel deiner Tweets sollte sein, dass du einen gelangweilten, neutralen Menschen zu einer Emotion verleitest. Benjamin Spang macht das mit Humor und bringt Leute gerne zum Lachen.

Was auch funktioniert, zeigt die Folie der Präsentation mit Emoticons: Heulen, Lieben, Nachdenken, Aufschreien, Wut.
An dieser Stelle fällt mir ein, dass ich mir eine Klickbait-Session gewünscht hätte. Die Verknüpfung dieser beiden Sätze lasse ich an dieser Stelle unkommentiert ;-).

Reiz und Relevanz aus dem Twitter-Manifest

Was macht den Tweet für deine Follower spannend?

Welche Emotionen werden geweckt?

Macht der Tweet deine Follower schlauer?

Hilft der Tweet deinen Followern, einen positiven Moment zu haben?

Insgesamt empfinde ich diese Folie, die Benjamin Spang hier präsentiert (Quelle: Martin Oswald „Diese zwei R-Worte können zu ihrem Mantra für Social Media werden“), als gute Methode, den Mehrwert seiner eigenen Tweets zu entdecken bzw. methodisch zu konzipieren. Aus einem nackten „Twittert mit Mehrwert!“ bastelt er anhand seines Oster-Tweets eine konkrete Vorstellung dieses sagenumwobenen Mehrwerts.

Es geht nicht nur um Beispiele von Benjamin selbst, sondern bindet er auch Madita K. Sternberg ein. Ihr Tweet über den neuen Kugelschreiber, der so flüssig schreibt und ein so weiches Gefühl vermittelt, wird als Positiv-Beispiel angebracht.

Dieser Tweet ist für Autoren relevant, da wir alle dieses Gefühl kennen. Also erreicht er Autoren und hat sein Ziel erfüllt. Hier ist wieder das zielgruppenorientierte Denken. Es macht vor keiner Session, auch nicht vor dem Twitter-Manifest halt. Schlecht ist das definitiv nicht!

Keine Zielgruppe haben #Wartezimmertweets – gähnende Langeweile schlägt uns hier entgegen. Ein schrecklicher Hashtag und somit ein tolles Negativ-Beispiel, da viele dieser Tweets unrelevant sind und keinen Zweck haben. Diese Tweets sind für niemanden sonst geschrieben als für den Tweetverfasser selbst.

Twittert nicht für euch selbst, sondern für die, die dir auf Twitter folgen oder folgen sollen.

Tweets erzählen eine Geschichte. Auch wenn sie nur aus einem Bild und einem Wort bestehen. Auch hierzu hat Benjamin Positiv-Beispiele.

Replies sind mehr wert als Likes.
Baut Beziehungen auf.

 

Rasend schnell (doch man konnte ihm folgen) kommt Benjamin Spang zum nächsten Punkt. Wie er die Themen anreißt, so hinterlässt er bei mir zahlreiche Ideen.

Wir müssen authentisch sein!
Wir alle haben bunt gefächerte Hobbies und Interessen. Benjamin verspricht uns Teilnehmern, dass uns Menschen finden werden, die unsere Interessen teilen, wenn wir teilen, was wir mögen und was wir nicht mögen. Beschränkt euch nicht darauf, immer nur übers Schreiben zu twittern. Das ist der schlüssel, warum ich persönlich fast nur Autoren in meiner Timeline habe: Weil ich nie über Hobbies und Interessen twittere.

Das Döner- und Capri-Sonne Branding, das an Benjamin Spang klebt, als sei es auf Lebensdauer unwiderruflich, geschah übrigens tatsächlich aus Versehen. Er hatte sich daraus erst nur einen Scherz gemacht und lustige Döner-Tweets verfasst. Inzwischen denken viele der fast 3000 Follower beim Döneressen sofort an den twitternden Saarländer.

Ob man so langfristig mehr Follower und interaktive Fans bekommt, werde ich ausprobieren. Versprochen!

Das A & O aus dem Twitter-Manifest: Dialogische Kommunikation

Dialogische Kommunikation ist die einzige Art, im Web zu interagieren. Dialogisch heißt: Interaktion!

Gib den anderen das, was du haben willst: Like, schreibe Replys und nimm an Umfragen teil.

Liken, retweeten, auf replys antworten, mit Mehrwert an anderen Gesprächen teilnehmen, Umfragen und Fragen stellen – Gleiches wird mit Gelichem vergolten.

 

Plötzlich bricht die Präsentation ab, denn der Laptop des vortragenden möchte Windows-Updates aktualisieren und sich neu starten. Nachgefragt wird nicht. Eine Pause, in der gelacht und getwittert wird, macht den Dönermond gar nicht nervös. Ich bin bisher begeistert von diesem Vortrag und ich hoffe, ihr merkt das schon anhand der Wortmenge, die ich bisher (es ist 15:24 Uhr, in Rohfassung 822 Wörter) auf dem Laptop eingehackt habe.

Es geht schnell weiter. Die Präsentation wird wieder aufgenommen. Statt Beamer und Netbook gibt’s nun das Handy mit geöffnetem Twitter-Profil als Vortragsnotizen.

 

Ihr müsst Zeit investieren!

Mit einer wunderbaren Überleitung kommt Benjamin Spang zum nächsten Punkt. Es geht ums Zeitinvestieren. Nutzt tote Zeit: Wartezimmer, Bahnfahrten etc sind fürs Twittern geschaffen!

Jeder einzelne Follower ist wichtig. Das verdeutlichte Benjamin Spang übrigens auch, als er sich die Mühe machte, zu seinen Geburgstagswünschen jedem einzelnen gratulierenden Follower ein kurzes Dankes-Video zu schicken. Personalisiert mit Namensnennung. Daran erinnere ich mich heute noch, dabei weiß ich gar nicht mehr, wann Benjamin Geburtstag hat. An das kurze, mit dem Handy aufgenommene „Danke Kia“ kann ich mich hingegen sehr gut erinnern. Es schießt mir sofort in den Kopf, sogar noch bevor Benjamin darauf anspricht. Kaum denke ich darüber nach und schreibe diese Gedanken auf, geht Benjamin auf genau dieses Thema ein. Videoantworten kosten am meisten Zeit, gehen auf Twitter aber am besten. Investiert die Zeit, wenn ihr wollt, dass Menschen sich so wie ich daran erinnern. Übrigens hat Benjamin Spang im März Geburtstag, wie er gerade erzählt.

 

Mein Fazit zum Twitter-Manifest

Ich bin total gefüttert und habe Lust, die Tipps dieses guten Vortrages umzusetzen. 90 % der Unterstützer der über 3.300 Euro schweren Crowdfunding Aktion für “Blut gegen Blut* kamen von Twitter. Man muss Benjamin Spang gegenüber den Hut ziehen, denn er ist den meisten von uns meilenweit voraus, was Twitter angeht. Dass er dieses Wissen mit uns teilt und jeder einige Ansätze und Ideen aus dieser Session mitnehmen konnte, ist großartig!

Um auf Twitter eine treue Fanbase zu bekommen, mussm an vor allem eins tun: Interagieren! Zieht eure Folowerschaft mit ein, antwortet auf Replies und verhaltet euch anderen Twitterern gegenüber so, wie ihr wollt, dass eure Follower sich euch gegenüber so verhalten. Achtet auf Qualität und Mehrwert und gebt mehr von euch Preis als nur #Autorenleben und #Schreiben.

Lieber Benjamin, vielen Dank für diesen lebendigen und aufschlussreichen Vortrag über dein Twitter-Manifest. Du bist für mich ein Vorbild und ich hoffe, dass dich das stolz macht und du ein großartiger Social Media Manager wirst!

 

Zum Twitter-Account: @Doppelmond
Zur Website: benjaminspang.de

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Spenden, damit ich nächstes Jahr wieder in Heidelberg sein kann:

http://patreon.com/kiakahawa


Danke, liebe Sponsoren!


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Kia (*1993) produziert. Gedanken mit Menschen teilen - ob als Blog, Roman, Zeichnung, Musikstück, Sachbuch oder Hörspiel - das ist es, was am Produzieren so fasziniert.

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4 Comments
  1. […] Kia Kahawa […]

  2. […] umfangreiche inhaltliche Zusammenfassung der Session könnt ihr übrigens bei Kia finden, die bei einigen Session auf dem Literaturcamp mitgeschrieben und diese auf ihrem Blog […]

  3. […] war sehr intelligent von Benjamin Spang, am Vortag des Literaturcamps sein Twitter-Manifest zu präsentieren. So hatte die Mehrzahl der Teilnehmer dieser Session bereits ein Bild über seine […]

  4. […] eine Tragödie vorweg: Als ich in der Session zu Benjamin Spangs Twitter-Manifest saß, habe ich meinen Blogartikel zum publisherparadoxon überschreiben. Das ist sehr ärgerlich, […]

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