Vom Sinn selbst gestalteter Buchcover

Ich habe ein Buchcover für Hanover’s Blind selbst erstellt. Damit meine ich nicht das Buchcover, das mit der Novelle veröffentlicht und gedruckt wird, sondern den ersten Entwurf. Ich möchte hiermit gerne eine Plattform zum kritischen Austausch über meine Covergestaltungskünste bieten und gleichzeitig erzählen, weshalb ich den ersten Coverentwurf zu Hanover’s Blind selbst erstellt habe.

Warum habe ich das Buchcover entworfen?

Meine Coverdesignerin kann es mir bestätigen: Ich bin eine ganz normale Kundin.

In meinem Gefühl bin ich nervig, aufdringlich und will, was ich will. In freundlichen Nebensätzen bat ich meine Designerin Esther, immer auf Markttauglichkeit, goldener Schnitt und Verkaufsrelevanz des Buchcovers zu achten.

Aber ich empfand es als hilfreich, ihr meinen eigenen Entwurf des Covers von Hanover’s Blind zu schicken, da Bilder mehr sagen als tausend Worte. Bevor ich ihr das Buchcover geschickt habe, beschrieb ich es ihr in Worten.

Der Hintergrund sollte weiß sein. Vielleicht mit Struktur, also gerne auch gräulich. Denn ich habe gelernt: Man soll weiß nie mit reinem Weiß und Schwarz nie mit reinem Schwarz darstellen. Natürlich habe ich das in meiner Tinten-Illustration des Neuen Rathauses in Hannover versäumt. Aber darum ging es nicht.

Mit Worten teilte ich Esther mit, dass die Hauptfarbe ein kräftiges Blau sein soll. Das Blinden-Zeichen in gelb mit den drei schwarzen Punkten sollte verspielt “irgendwie” im Bild auftauchen. Ich empfand es als gute Idee, das Symbol mit dem Wort “blind” zu kombinieren und daraus eine Spielerei zu machen.

Ob die Illustration und der Titel ihren Platz tauschen, oder welche Schriftart wir konkret wählen, war mir egal. Wichtig war mir nur: Auf gar keinen Fall eine verschnörkelte Schrift wie die “beloved”-Schrift sollte es sein.

Letztlich wollte ich Esther Arbeit abnehmen und so klar wie möglich kommunizieren. Daher habe ich den ersten Entwurf für das Cover von Hanover’s Blind angefertigt und ihn meiner Designerin geschickt.

Was wirkt am Nicht-Cover schlecht?

Es gibt einiges, was ich schon zu Beginn an meinem Entwurf zum Buchcover von Hanover’s Blind kritisiert habe. Zum Beispiel ist das Wort “blind” nicht lesbar, da das auffällige Symbol den Rahmen ausfüllt und “blind” nur die Auslassung ist. Dennoch wollte ich, dass es gewissermaßen verspielt rüberkommt.

Als schlecht empfinde ich auch den freien Platz. Der Titel ist nicht prominent genug, es gibt viel leeren Platz, der mit ein paar Photoshop-Effekten zu einer Struktur gebastelt wurde. Außerdem hätte ich mir mehr “Wasserfarbe” gewünscht. Das habe ich schlichtweg nicht hinbekommen, da ich weder Grafikerin bin, noch professionell gelernt habe, mit den Adobe-Programmen umzugehen. Alles, was ich kann, stammt aus circa 25 Minuten Youtube-Tutorial-Material.

Außerdem nicht gelungen ist die Illustration. Sie ist gar keine Illustration. Ich bin in die Innenstadt gefahren und habe ein Foto vom Rathaus gemacht. Vom üblichen Neues-Rathaus-Fotografier-Punkt (den gibt es wirklich! Ist sogar ein Geländer drumherum!). Das Foto habe ich ausgeschnitten und so weit verfremdet, dass es wie eine Illustration aussieht. Damit wollte ich mir Arbeit nehmen und ausprobieren, wie es in diesem Punkt-Druck-Comic-Stil rüberkommt. Das sollte eine Anspielung auf die Blindenschrift werden, ist aber schlichtweg nicht gelungen. Zumal die Blindenschrift für die Geschichte von Hanover’s Blind eher nebenrangig ist.

Wieso ist es gut, dass ich das Nicht-Cover zu Hanover’s Blind erstellt habe?

Esther hat genau meinen Geschmack getroffen. Gleichzeitig ist sie ihren Grundsätzen als Coverdesignerin treu geblieben. Sie wusste, dass ich Blau als Hauptfarbe wollte und zu ein bisschen Gelb-Kontrast bereit bin. Das abendliche Dämmerungsrot habe ich ihr im Laufe unseres Mailverkehrs erlaubt und darum gebeten, dass sie es einmal ausprobiert. Darauf antwortete sie sinngemäß “Yay!”. Vorher glaubte sie, ich würde bei zu viel Farbvariation rumjammern. Es war sehr gut, dass ich ihr geschrieben habe, dass ich auch für Rot zu haben bin. Woher ihre Zweifel kamen? Nun gut, in einer meiner ersten Mails habe ich ihr meine persönlichen Vorlieben geschrieben. Dazu gehörte: “Ich hasse Rot-Blau-Kontraste!” – Hach… Kia!

Außerdem ist gut daran, dass ich das Buchcover zu Hanover’s Blind im Vorfeld erstellt habe, dass ich die Form bestimmt habe. Das Rathaus sollte frei bestehen, möglichst pastellartige Farbstriche als “Ausmalung” bestehen. Das hat Esther besser umgesetzt als ich es jemals erwartet hätte. Ich hätte nicht zu träumen gewagt, dass sie es so gut umsetzt. Im Laufe unseres Mailverkehrs kam mir der Entwurf ziemlich leer vor, also sprach ich mit ihr über die Kröpcke-Uhr, die in der Novelle recht prominent vorkommt. Dann sah es leer aus und ich schlug ihr einige weitere Wahrzeichen vor, von denen wir einstimmig das Ernst-August-Denkmal (“Pferd”) wählten. Schließlich wurde das Cover zu dem, was es heute ist. Ich schätze, ohne meinen Erstentwurf wäre es auch so genial geworden, wie ich das Ergebnis heute finde. Doch das verspielte Umsetzen des Blindensymbols in Form von I-Punkten beispielsweise fußt mit Sicherheit auf meinen ersten Entwurf, in dem ich diese Spielerei gewagt habe.

Mit einer anderen Coverdesignerin habe ich zeitgleich einen neuen Entwurf für “Die Krankheitensammlerin” angefertigt. Im ersten Entwurf verfehlte sie völlig meine Farbvorstellungen – einfach, weil wir nicht konkret gesprochen haben und ich keinen Erstentwurf geschickt habe. Ich wollte ihr völlig freie Hand lassen. Nun sieht das Buchcover im Entwurf der Designerin ziemlich grün aus, was mir schon viel mehr zusagt. Ich denke, diese kleine Hürde in der Kommunikation (was nun wirklich kein Beinbruch und absoluter Alltag in der Kommunikation zwischen Coverdesignern und Autoren ist), wäre durch einen eigenen Erstentwurf von vornhinein genommen worden.

 

Wie sieht das Ergebnis aus?

Jetzt bist du gefragt.

Ich bin begeistert vom Ergebnis. Ich würde mich sehr freuen, wenn du dir die Freiheit nimmst, Esthers Werk zu loben und meines einzustampfen. Ich versprche dir hoch und heilig: Ich werde 0,0000 pikiert sein.

Liste mir alles Negative auf, das du an meinem Erstentwurf zum Buchcover von Hanover’s Blind entdeckst. Würdest du mein Buch mit diesem Cover kaufen? Warum nicht? Was daran wirkt billig? Was schreckt dich ab?

Und schließlich würden Esther und ich uns freuen, wenn du zum neuen, echten Cover zu Hanover’s Blind äußern würdest: Was gefällt dir daran? Give us compliments <3

Natürlich freue ich mich auch über Fragen und Anregungen zum Thema “Austausch zwischen Coverdesigner und Autor”. Ich habe, wie du gelesen hast, eine Methode gefunden, wie ich mit meiner Designerin kommuniziere und schnellstmöglich auf einen grünen Zweig komme. Esther hat mich nicht als besonders nervige Kundin wahrgenommen, was für mich ein großer Erfolg ist. Denn Künstler haben häufig das Problem: Sie wissen, wie etwas funktioniert, der Kunde hat aber seinen eigenen Kopf. Das kenne ich durch meine zehnjährige Freundschaft mit dem Künstler Sleepyheadphone. Ich hoffe wirklich, eine Balance gefunden zu haben und jedem gerecht zu werden: Der Designerin, euch Lesern und mir selbst.

Wie gesagt: Schreib’ mir alles in die Kommentare, was du denkst! Heute ist free-hate-day, was meinen Erstentwurf angeht!

P.S.: Die schnörkelige Schrift “beloved” ist es schließlich geworden. Coverdesigner haben eben doch Ahnung von dem, was sie tun 😀
 

Die Kosten für das Coverdesign durch Esther Wagner sowie die Kosten für Lektorat, Korrektorat, Satz und ggfs. Illustrationen werden durch das Crowdfunding bei startnext.com finanziert. Bitte teile diesen Link, erzähl es weiter und unterstütz mein Projekt durch eine kleine Spende!

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