Ich möchte über Hektik im Alltag sprechen, denn ich meine, ich habe da ein bisschen was Neues herausgefunden. Keine Weltneuheiten für Jedermann, aber Weltneuheiten für mich und meine Art und Weise, wie ich das Arbeitsleben und auch das Privatleben angehe.

Die Sache mit den griechischen Bauern

Ich habe es schon einmal in einem vergangenen Artikel beschrieben: Es gab mal eine Untersuchung, die die Leben von Bauern und Großstädtern verglichen hat. In einem Dorf griechischer Bauern haben die Menschen langsamer gesprochen, gehandelt und gelebt. Mit einer Großstadt wie Berlin verglichen hat das gezeigt, dass Großstädter eher hektisch, ungeduldig und schneller genervt sind.

Ich schaue mir sachliche Videos und höre mir sachliche Podcasts und Hörbücher immer auf bis zu 2-facher Geschwindigkeit an. Meistens aber 1,6-fach, damit ich auch alles behalten kann. Wenn ich dann mit jemandem im echten Leben spreche, wird mir während des Gesprächs fast schon langweilig.

Aber eigentlich ist das doch komisch: Wo ist bloß all die Zeit hin? Und wo kommt der ganze Stress her? Eigentlich müssten wir doch in zu viel Zeit schwimmen, schließlich nehmen uns die Technologien von heute eine Menge Arbeit ab.

In diesem Themengebiet habe ich meine erste Erkenntnis gehabt: Unser Leben wird immer mehr beschleunigt, weil durch die Technologie alles Erdenkliche schneller zu lösen ist, zugleich aber auf dem Markt gewinnt, wer sich die durch die Technologie freigewordene Zeit zu Nutze macht und noch mehr Ergebnisse erzielt.

Zeitdruck und Beschleunigung

Wusstet ihr, dass Beschleunigung ansteckend sein kann?

Die Sozialpsychologin Janice Kelly hat 1998 Experimente zu dieser These gemacht.

Probanden mussten Rätsel unter Zeitdruck lösen. Zunächst empfanden die Teilnehmer Stress, doch sie gewöhnten sich schnell an das von ihnen erwartete Tempo. Bewilligte Kelly ihnen darauf etwas mehr Zeit für dieselbe Aufgabe, langweilten sie sich.

Diese Probanden haben in einer Gruppe gearbeitet. Und je größer die Gruppe wurde, desto höher war dieser Langeweile-Effekt, dieses Genervtsein, das ich schon über meine eigenen Erfahrungen mit Gesprächspartnern im echten Leben erzählt habe.

Letzten Endes hat jeder in der Gruppe eine gewisse Hektik an den Tag gelegt.

Und Hektik ist auch das, worüber ich mir momentan Gedanken mache. Denn da ich seit Jahren schon nicht mehr länger als insgesamt maximal zwei Wochen pro Jahr gestresst war (denn ich lebe stressfrei), merke ich tagtäglich eine gewisse Hektik, die dauergestresste Menschen wohl einfach mit ihrem Stress unter ein und denselben Teppich kehren.

Zeitnot

Alles unter einen Hut kriegen wollen – ist das eigentlich möglich? Ich kenne niemanden unter 30, der die Selbstständigkeit, persönlcihe Ziele, Freunde, Hobbies, Sport, gesunde Ernährung und eine Partnerschaft unter einen Hut kriegt. Und da habe ich noch nicht auf die Personen geschaut, die nebenbei noch Kinder erziehen – und ganz ehrlich, das ist doch ein Unding. Dass wir, wenn überhaupt, nur eine Familie „nebenbei“ haben können. Arbeit ist der Fokus von allem, das Zentrum von allem.

Aber ich möchte eigentlich auf ein anderes Unwort eingehen: Zeitnot.

Ist das nicht ein Unwort?

Zeitnot klingt nach Notfall, nach „schnell erledigen und dann dafür sorgen, dass das nicht noch einmal vorkommt“. Dabei haben wir alle seit Monaten, Jahren und Jahrzehnten auf der einen Seite zu viel zu tun für unsere Zeitbudgets, und auf der anderen Seite arbeiten wir in Projekten, die immer größer werden, obwohl Fristen gleich bleiben. Da muss sich doch etwas ändern lassen!

Meine Tipps für mehr Langsamkeit im Leben

Tipp #1

Zeitkritische Projekte dürfen nach Beginn nicht mehr geändert werden. Das kann man als deutlich formulierte Regel gegenüber Mitarbeitenden und Kunden umsetzen, aber auch, indem man selbst ausführlicher plant und sich von eigenen Projekten nicht aus Nachlässigkeit bei der Vorbereitung überraschen lässt.

Tipp #2

Dieser Tipp gilt sowohl für das Privatleben als auch für die Berufswelt. Frage dich, ob Effizienz einen Mehrwert hat. Und sei dann nur effizient, wenn es einen Mehrwert gibt. Nichts ist mehr Verschwendung als sinnloses Streben nach Effizienz.

Tipp #3

Manchmal ist der Weg das Ziel. Ich koche inzwischen sehr gerne. Ich genieße das Kochen und das Essen viel mehr als früher, einfach weil ich mir den Weg zum Ziel erklärt habe. Das entschleunigt nachhaltig den ganzen Tag drumherum, weil ich nicht „kurz Pause mache, um wieder zu arbeiten“, sondern weil ich mich auf die Pause freue und sie gewissermaßen zelebriere.

Tipp #4

A propos Pause: Wie wäre es, wenn du die Mittagspause dazu nutzt, deine aktuelle Serie bei Netflix weiterzuschauen? Das hält dich womöglich davon ab, nach Feierabend mal eben kurz eine Folge zu sehen und dann um 22 Uhr hochzuschrecken, weil der ganze Abend vorbei ist und du eigentlich noch x, y und z erledigen wolltest.

Tipp #5

Pareto, Pareto, Pareto! Befasse dich nur mit den wichtigen 20 % deiner Aufgaben, die 80 % der Ergebnisse erzielen. Das gilt sowohl für die Arbeit, aber auch für Sport, Freunde, Veranstaltungen, Hobbies. Nur geht es dann nicht um Ergebnisse, sondern beispielsweise darum, dass du 80 % deiner Zeit, die du mit Freunden verbringen kannst, mit den 20 % der für dich wichtigsten Menschen im Leben verbringst. Denk da doch mal drüber nach 😊

Tipp #6

Wenn du eine überfällige Frist hast, dann setz diese Aufgabe nicht als „sofort erledigen“ mit höchster Dringlichkeitsstufe auf deinen Plan und hetz dich ab. Erledige die Aufgabe, die überfällig ist, erst, sobald du dazu kommst. Zum Beispiel am Ende des Arbeitstages. Du wirst sehen, wie wenig Auswirkungen das auf den Erfolg rund um die Aufgabe hat – es sei denn, es ist eine unumstößliche Frist, aber die sollte natürlich gar nicht erst überfällig werden.

Ich hoffe, meine Gedanken und Tipps konnten dir den einen oder anderen Impuls geben, um selbst weniger hektisch und mit einer gewissen Prise Langsamkeit und Genuss mehr Leben in deine Zeit zu stecken.

Alles Liebe,

Kia



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