Buch bei Amazon veröffentlichen: Wie KDP wirklich funktioniert und was zwischen Hochladen und Verkaufen liegt

Buch bei Amazon veröffentlichen: Wie KDP wirklich funktioniert und was zwischen Hochladen und Verkaufen liegt

„Bei Amazon ein Buch zu veröffentlichen dauert keine halbe Stunde.“ Diesen Satz liest man überall. Und das Verrückte ist: Er stimmt. Technisch gesehen.

Du legst ein Konto an, lädst zwei Dateien hoch, klickst auf „Veröffentlichen“, und in der Regel steht dein Buch 72 Stunden später im größten Buchshop der Welt. Kein Verlag, der dich ablehnen kann. Keine Mindestauflage. Kein Karton voller Bücher im Keller.

Und trotzdem sitzen viele Autoren vor dem KDP-Dashboard – der Verwaltungsoberfläche von Amazons Selfpublishing-Plattform – und fühlen sich wie im Cockpit eines Flugzeugs. Tantiemenoption? Beschnitt? KENP? Eigene ISBN oder die von Amazon? Wenn du gerade mit einem fertigen oder fast fertigen Manuskript dasitzt und dich genau das fragst, bist du hier richtig. Ich erkläre dir, wie das Veröffentlichen bei Amazon wirklich funktioniert und warum der Klick auf „Veröffentlichen“ der einfachste Teil der ganzen Reise ist.

Kurz gesagt: Ein Buch bei Amazon zu veröffentlichen ist über Kindle Direct Publishing (KDP) kostenfrei und technisch in kurzer Zeit machbar, als E-Book, Taschenbuch oder Hardcover im Print-on-Demand-Verfahren, also gedruckt erst bei Bestellung. Du bekommst Tantiemen: beim E-Book 35 oder 70 Prozent, beim gedruckten Buch 60 beziehungsweise 50 Prozent des Listenpreises minus Druckkosten. Die eigentliche Arbeit liegt nicht im Hochladen, sondern davor: veröffentlichungsreifes Manuskript, professioneller Buchsatz, ein Cover, das dein Genre trifft, und durchdachte Metadaten. Genau dabei begleitet dich Kahawa Medien.

KDP: Amazons Selfpublishing-Plattform – Veröffentlichen kostet nichts

Wie veröffentlichst du ein Buch bei Amazon? Über Kindle Direct Publishing (kurz KDP), Amazons hauseigene Plattform, über die jeder ein Buch hochladen und verkaufen kann, ohne einen Verlag zu brauchen. Drei Formate sind möglich: E-Book, Taschenbuch und Hardcover, also die gebundene Ausgabe.

Bei den gedruckten Formaten arbeitet Amazon mit Print-on-Demand. Das heißt übersetzt: Druck auf Bestellung. Es gibt keine Auflage und kein Lager. Erst wenn jemand dein Buch kauft, wird genau dieses eine Exemplar gedruckt und verschickt. Für dich heißt das: kein finanzielles Risiko, und dein Buch ist trotzdem dauerhaft lieferbar.

Und die Kosten? Die Veröffentlichung selbst ist komplett kostenfrei. Keine Einstellgebühr, keine Jahresgebühr. Amazon verdient über einen Anteil an jedem Verkauf, bei gedruckten Büchern zusätzlich über die Druckkosten, die von deinen Tantiemen abgezogen werden. Du zahlst also nur, wenn du auch verkaufst. Was du vorher in Lektorat, Buchsatz und Cover investierst, ist eine andere Geschichte. Dazu kommen wir noch.

So läuft die Veröffentlichung bei Amazon ab

Der Ablauf ist im Prinzip immer gleich, egal ob E-Book oder Taschenbuch:

  1. Konto anlegen. Auf kdp.amazon.com registrieren, Adresse, Bankverbindung und Steuerinformationen hinterlegen. Das machst du einmal.
  2. Buchdetails eintragen. Titel, Autorenname, Buchbeschreibung, Kategorien und Schlagwörter, die sogenannten Metadaten. Über sie finden Leser dein Buch überhaupt erst.
  3. Dateien hochladen. Das fertig gesetzte Innenleben (bei Print als druckfertiges PDF, beim E-Book als EPUB-Datei) und das Cover. Bei gedruckten Büchern braucht das Cover eine exakt berechnete Gesamtdatei inklusive Buchrücken und Beschnitt, das ist der zusätzliche Rand, der beim Zuschneiden in der Druckerei wegfällt, damit keine weißen Blitzer entstehen.
  4. Preis und Tantiemenoption festlegen. Du bestimmst den Listenpreis, also den Verkaufspreis, und wählst dein Tantiemenmodell.
  5. Veröffentlichen. Amazon prüft dein Buch; laut offizieller KDP-Hilfe ist es in der Regel innerhalb von 72 Stunden im Shop verfügbar.

Mein Rat aus der Praxis: Bestell dir vor der echten Veröffentlichung ein Korrekturexemplar, KDP nennt das „Proof“. Das ist ein Probedruck mit „Nicht zum Weiterverkauf“-Aufdruck zum reinen Druckkostenpreis. Erst wenn du das Buch in der Hand hattest, weißt du, wie Schrift, Ränder und Coverfarben gedruckt wirken. Diesen Schritt überspringen viele und ärgern sich dann über Details, die am Bildschirm nicht zu sehen waren.

Die Tantiemen-Logik: Beim E-Book wählst du zwischen 35 und 70 Prozent

Wie viel verdienst du pro verkauftem Buch? Beim E-Book bietet Amazon zwei Tantiemenoptionen: 35 oder 70 Prozent des Listenpreises (jeweils ohne Mehrwertsteuer gerechnet). Klingt nach einer einfachen Wahl, aber die 70-Prozent-Option ist an Bedingungen geknüpft:

  • Dein Listenpreis muss in einem von Amazon festgelegten Preiskorridor liegen; die aktuellen Grenzen zeigt dir KDP direkt bei der Preiseingabe an.
  • Gibt es eine gedruckte Ausgabe, muss das E-Book mindestens 20 Prozent unter deren Listenpreis liegen.
  • Amazon zieht eine kleine Übertragungsgebühr pro Verkauf ab, abhängig von der Dateigröße. Bei einem Roman vernachlässigbar, bei einem Bildband spürbar.
  • Sie gilt nur für Verkäufe in bestimmten Ländern; der deutsche Shop gehört dazu. Außerhalb bekommst du automatisch 35 Prozent.

Für die Praxis heißt das: Liegt dein Wunschpreis im Korridor, ist die 70-Prozent-Option fast immer die richtige Wahl. Die 35-Prozent-Option brauchst du, wenn du preislich aus dem Korridor heraus willst – sehr günstig oder sehr hochpreisig. Details in der KDP-Hilfe zu E-Book-Tantiemen.

Für Taschenbuch und Hardcover gilt eine eigene Formel, die du kennen solltest, bevor du deinen Preis festlegst:

Tantieme = Tantiemensatz × Listenpreis − Druckkosten

Der Tantiemensatz liegt laut KDP-Hilfe bei 60 Prozent. Seit einer Änderung im Juni 2025 allerdings nur noch oberhalb einer bestimmten Preisschwelle; für sehr günstig angesetzte Bücher gilt darunter 50 Prozent. Die Druckkosten berechnet Amazon nach einer festen Mechanik: ein Grundbetrag plus ein Betrag pro Seite, abhängig von Format und Farbigkeit. Farbdruck ist deutlich teurer, deshalb brauchen Bildbände und durchgehend farbige Ratgeber im Print-on-Demand schnell hohe Listenpreise.

Aus dieser Formel ergibt sich auch der Mindestlistenpreis: Amazon lässt dich keinen Preis festlegen, bei dem deine Tantiemen die Druckkosten nicht mehr decken. Ein dickes Buch kann also nicht beliebig günstig verkauft werden. Die Seitenzahl setzt die Untergrenze.

Ich würde dir raten, diese Rechnung ganz früh zu machen. Am besten, bevor der Buchsatz beginnt. Denn Seitenzahl, Format und Farbigkeit entscheiden über deine Marge, und manche Enttäuschung („pro Buch bleibt ja kaum etwas übrig“) ist in Wahrheit eine Planungsfrage, keine Amazon-Frage.

Eigene ISBN oder Amazon-ISBN? Eine Frage der Unabhängigkeit

Brauchst du eine eigene ISBN? Die ehrliche Antwort: für den Start bei Amazon nicht zwingend, aber die Entscheidung hat Folgen, die du kennen solltest.

Die ISBN ist die internationale Standardbuchnummer, sozusagen das amtliche Kennzeichen deines Buches im Handel. Bei KDP gilt: Ein E-Book braucht gar keine ISBN. Amazon vergibt intern eine eigene Artikelnummer, die ASIN. Für Taschenbuch und Hardcover bietet Amazon dir eine kostenlose ISBN an, oder du bringst deine eigene mit, die du in Deutschland über die ISBN-Agentur kaufst.

Der Haken an der kostenlosen Amazon-ISBN: Sie gehört nicht dir. Sie ist an Amazon gebunden, du kannst dein Buch mit dieser Nummer nicht zusätzlich über den Buchhandel oder andere Plattformen vertreiben, und als Verlag erscheint „Independently published“, nicht dein Name.

Meine Empfehlung fällt je nach Projekt unterschiedlich aus. Planst du ein einzelnes Herzensprojekt nur für Amazon, ist die kostenlose ISBN völlig in Ordnung. Willst du dein Buch breiter aufstellen – Buchhandel, Lesungen, mehrere Plattformen – nimm von Anfang an eine eigene; der Wechsel hinterher bedeutet technisch eine neue Ausgabe mit neuer Produktseite. Wichtig zu wissen: Kahawa Medien vergibt selbst keine ISBN, aber wir beraten dich ehrlich, welcher Weg zu deinem Projekt passt, und zeigen dir, wo du sie bekommst.

KDP Select: Kindle Unlimited gegen 90 Tage Exklusivität

KDP Select ist ein optionales Programm für dein E-Book: zusätzliche Sichtbarkeit gegen Exklusivität. Du verpflichtest dich, dein E-Book für jeweils 90 Tage ausschließlich bei Amazon anzubieten, nicht bei anderen Shops, nicht auf deiner eigenen Website, nirgendwo sonst in digitaler Form. Das gedruckte Buch ist davon nicht betroffen, das darfst du weiterhin überall verkaufen.

Im Gegenzug landet dein E-Book in Kindle Unlimited, Amazons Lese-Flatrate. Abonnenten können es dort lesen, ohne es zu kaufen und du wirst pro gelesener Seite vergütet. Amazon rechnet dafür in KENP, „Kindle Edition Normalized Pages“: eine normierte Seitenzählung, damit ein Buch mit großer Schrift nicht mehr „Seiten“ bekommt als eines mit kleiner. Der Betrag pro Seite stammt aus einem monatlichen Fonds und schwankt. Dazu bekommst du Werbewerkzeuge wie zeitlich begrenzte Gratis-Aktionen.

Ob sich das lohnt kommt auf dein Buch an. Für Vielleser-Genres – Liebesroman, Fantasy, Krimi-Reihen – kann Kindle Unlimited ein echter Reichweitenhebel sein. Für ein Sachbuch oder ein Buch, das du auch über eigene Kanäle verkaufen willst, wiegt die Exklusivität oft schwerer als der Nutzen. Und ein Detail, das viele übersehen: Die Teilnahme verlängert sich automatisch um weitere 90 Tage, wenn du sie nicht aktiv beendest.

Ehrlich gesagt: Die Druckqualität bei Amazon schwankt

Jetzt der Teil, den dir kaum jemand sagt, der dir KDP schmackhaft machen will. Print-on-Demand bei Amazon ist beeindruckend günstig und schnell, aber es ist Industriedruck in riesigen Mengen, und das sieht man manchmal. Aus vielen Projekten wissen wir: Farben können je nach Druckcharge unterschiedlich ausfallen, satte Cover wirken mal kräftig, mal etwas matschig. Und der Zuschnitt hat Toleranzen. Deshalb gehören in die Druckdaten großzügiger Beschnitt und Abstand zum Rand.

Das ist kein Grund, die Plattform zu meiden, es ist ein Grund, sie richtig einzuordnen. Für einen Roman mit cremefarbenem Papier und gut angelegtem Cover ist die Qualität absolut solide. Wenn dein Buch aber von präziser Farbwiedergabe lebt – ein Fotobuch, ein Bildratgeber, ein Vitrinen-Hardcover als Vermächtnis – dann würde ich dir raten, Alternativen mit anzuschauen oder das Projekt mit jemandem durchzusprechen, der die Plattformen im Vergleich kennt. Solche Abwägungen treffen wir in der Beratung ständig: Welcher Vertriebsweg passt zu welchem Buch? Darauf gibt es keine Pauschalantwort, aber für dein konkretes Projekt gibt es eine richtige.

Der eigentliche Engpass: alles, was vor dem Hochladen passiert

Und damit sind wir beim Kern. Wenn die Veröffentlichung bei Amazon so einfach ist, warum verkaufen sich dann so viele selbst veröffentlichte Bücher kaum? Weil zwischen „hochgeladen“ und „verkauft sich“ vier Dinge liegen, die mit dem KDP-Dashboard nichts zu tun haben:

  • Manuskriptreife. Lektorat und Korrektorat entscheiden, ob Leser nach der Leseprobe kaufen und ob die erste Rezension von Tippfehlern handelt oder vom Inhalt.
  • Buchsatz. Das professionelle Innenlayout: Schrift, Zeilenabstand, Seitenränder, Kapitelanfänge. Ein Buch aus Word erkennt man am ersten aufgeschlagenen Blick und Leser spüren das, auch wenn sie es nicht benennen können.
  • Cover. Es muss in Briefmarkengröße im Shop funktionieren und auf den ersten Blick das richtige Genre signalisieren. Das ist Handwerk, kein Geschmacksthema.
  • Metadaten. Beschreibung, Kategorien, Schlagwörter. Sie entscheiden, ob dein Buch gefunden wird oder auf Seite 14 der Suchergebnisse verschwindet.

Du musst das nicht alles selbst können. Dahinter stecken mehrere eigene Berufe. Entscheidend ist nur, dass du weißt: Hier liegt die eigentliche Arbeit. Das Hochladen ist der letzte Schritt von vielen, nicht der erste.

Aus der Praxis: Wenn der Eigenversuch ins Tal der Tränen führt

Wie sich das anfühlt, hat uns Heiko Scharfenort sehr offen erzählt. Er wollte sein Nachschlagewerk für Menschen mit Diabetes selbst fertig machen, doch das erste selbst erstellte PDF war, in seinen Worten, „sehr enttäuschend“. Jede kleine Änderung verschob die Umbrüche: „Da bin ich schier wahnsinnig geworden. Mit Word genauso.“ Er stand kurz davor aufzugeben. Erst mit professioneller Begleitung wurde daraus ein richtiges Buch und als er es zum ersten Mal in der Hand hielt, wusste er: „Die Entscheidung war richtig, das nicht selbst zu machen.“

Und Wiebke Tillenburg, die bei uns eine Kurzgeschichte hat setzen lassen, bringt es auf den Punkt: „Wenn man Bücher nebeneinanderlegt, die selbst mit Word gesetzt wurden, gegenüber professionell gesetzten, sieht man den Unterschied. Und die Leser sehen das auch.“ Genau darum geht es. Nicht um Perfektionismus, sondern darum, dass dein Buch im Shop neben Verlagsbüchern bestehen kann.

Häufige Fragen zum Veröffentlichen bei Amazon

Was kostet das Veröffentlichen bei Amazon?

Die Veröffentlichung über KDP selbst ist kostenfrei. Es gibt keine Einstellgebühr und keine laufenden Kosten. Amazon verdient über einen Anteil am Verkaufspreis und bei gedruckten Büchern über die Druckkosten pro verkauftem Exemplar.

Wie lange dauert es, bis mein Buch online ist?

Nach dem Klick auf „Veröffentlichen“ prüft Amazon dein Buch; in der Regel ist es laut KDP-Hilfe innerhalb von 72 Stunden im Shop verfügbar. Einzelne Elemente wie die „Blick ins Buch“-Leseprobe brauchen etwas länger.

Kann ich Fehler nachträglich korrigieren?

Ja, jederzeit. Du lädst eine korrigierte Datei hoch, Amazon prüft sie, und nach kurzer Zeit wird die neue Version ausgeliefert. Produktseite und Rezensionen bleiben erhalten. Dank Print-on-Demand gibt es keine fehlerhafte Restauflage. Aber Achtung: Bei vielen Korrekturen handelt es sich um eine neue Auflage, was im Impressum angegeben werden muss.

Eigene ISBN oder die kostenlose von Amazon?

Fürs E-Book brauchst du gar keine. Beim gedruckten Buch reicht die kostenlose Amazon-ISBN, wenn du nur bei Amazon verkaufen willst, sie ist aber an Amazon gebunden. Willst du auch in den Buchhandel oder auf andere Plattformen, nimm von Anfang an eine eigene.

Darf ich gleichzeitig woanders veröffentlichen?

Ja, solange du nicht bei KDP Select bist. Erst dieses optionale Programm verlangt für jeweils 90 Tage digitale Exklusivität für dein E-Book. Dein gedrucktes Buch darfst du in jedem Fall parallel überall anbieten.

Was sind die häufigsten Fehler bei KDP?

Ein Word-Export statt echtem Buchsatz, ein Cover ohne Genre-Signal, zu knapper Beschnitt, lieblose Metadaten und die Preisfestlegung ohne Tantiemen-Rechnung. Keiner dieser Fehler hat mit der Technik zu tun. Alle passieren vor dem Hochladen.

Dein Buch hat es verdient, dass der einfache Teil einfach bleibt

Lass dich von Dashboard-Begriffen und Tantiemen-Formeln nicht einschüchtern. Amazon KDP ist eine durchdachte, faire Plattform, und den technischen Teil kriegst du hin. Die wirkliche Frage ist, ob dein Buch bereit für diesen Moment ist, innen wie außen.

In einer kostenlosen, ca. 60-minütigen Buchberatung entwickeln wir gemeinsam einen Plan für deine Buchveröffentlichung. Du wirst herausfinden, wo und wie dein Buch in den Vertrieb kommt und welche Veröffentlichungsstrategie zu deinem Projekt passt. Dafür gehst du jetzt auf www.buchagentur.de und trägst dich ein. Erzähl ein bisschen von deinem Buch und von deinen Zielen und wir sprechen in den nächsten 2 bis 5 Tagen persönlich über deine geplante Buchveröffentlichung.

Buch veröffentlichen: So wird aus deinem Manuskript ein echtes Buch

Buch veröffentlichen: So wird aus deinem Manuskript ein echtes Buch

Um ein Buch zu veröffentlichen, braucht man einen Verlag, gute Beziehungen und eine Portion Glück – so haben es die meisten von uns gelernt. Das Schöne ist: Davon stimmt heute kein einziger Punkt mehr.

Vielleicht liegt dein Manuskript schon als Word-Datei auf deinem Rechner. Vielleicht fehlen noch ein paar Kapitel, aber die Geschichte steht. Du hast lange daran gearbeitet, vieles davon ist sehr persönlich – und jetzt kommt diese eine Frage, die so viele Autoren genau an diesem Punkt haben: Wie geht es weiter? Wie wird aus meinem Word-Dokument ein echtes Buch, das man in den Händen halten und kaufen kann?

Genau hier fühlen sich viele zum ersten Mal überfordert. Plötzlich tauchen Begriffe auf wie ISBN, Buchsatz, Print-on-Demand, Metadaten und irgendwie weiß man nicht, wo man anfangen soll und welcher Weg überhaupt der richtige ist. Die gute Nachricht: Ein Buch zu veröffentlichen ist Handwerk, kein Hexenwerk. Es hat eine klare Reihenfolge, und jeden Schritt kann man verstehen. In diesem Leitfaden gehen wir den ganzen Weg einmal gemeinsam durch.

Kurz gesagt: Ein Buch zu veröffentlichen geht heute auf drei Wegen: über einen klassischen Verlag (Bewerbung nötig, oft ein bis zwei Jahre Wartezeit, du gibst Rechte ab), im Selfpublishing (du veröffentlichst selbst, behältst alle Rechte und bestimmst Tempo und Gestaltung) oder über einen Druckkostenzuschussverlag – von Letzterem raten wir klar ab. Für die meisten Erstautoren ist Selfpublishing der direkteste Weg: Manuskript fertigstellen, Lektorat und Korrektorat, Buchsatz, Cover, dann über eine Selfpublishing-Plattform mit ISBN und Print-on-Demand veröffentlichen. Vom fertigen Manuskript bis zum kaufbaren Buch vergehen so Wochen bis wenige Monate, nicht Jahre.

Drei Wege zur Veröffentlichung – nur zwei verdienen dein Vertrauen

Wenn du dein Buch veröffentlichen willst, hast du grundsätzlich drei Möglichkeiten: den klassischen Verlag, das Selfpublishing oder einen sogenannten Druckkostenzuschussverlag. Schauen wir uns alle drei ehrlich an.

Der klassische Verlag übernimmt Lektorat, Gestaltung, Druck und Vertrieb. Dafür gibst du Rechte an deinem Werk ab und bewirbst dich mit Exposé und Leseprobe um einen Platz im Verlagsprogramm. Das heißt: Der Verlag entscheidet, ob dein Buch erscheint, wie das Cover aussieht und wann es in den Handel kommt. Für die meisten Erstautoren ist das der steinigste Weg, denn die Programmplätze sind knapp, die Wartezeiten lang, und ein automatisches Marketing gibt es auch dort nicht. Ein passender Verlag kann im Einzelfall trotzdem sinnvoll sein. Zum Beispiel, wenn dir der Verlagsname wichtiger ist als Kontrolle und Tempo.

Das Selfpublishing dreht die Logik um: Du bist der Herausgeber deines eigenen Buches. Immer mehr Autoren veröffentlichen ihre Bücher heute selber. Sie behalten alle Rechte, bestimmen Cover, Titel, Preis und Erscheinungstermin selbst, und die Tantiemen, also dein Anteil an jedem verkauften Exemplar, sind deutlich höher als beim Verlag. Die Verantwortung für die Qualität liegt dafür bei dir. Das klingt erst mal nach viel, ist aber lösbar: Die einzelnen Gewerke – Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Cover – kannst du dir von Profis machen lassen, genau wie es ein Verlag intern auch tut. Entweder einzeln, oder gebündelt bei einem Selfpublishing-Dienstleister, der alle Gewerke aus einer Hand koordiniert. So entsteht ein Buch, dem man das Selfpublishing nicht ansieht.

Der Druckkostenzuschussverlag schließlich nennt sich Verlag, funktioniert aber andersherum: Du zahlst dafür, dass dein Buch „verlegt“ wird; oft mit sehr viel Geld für Leistungen, die du im Selfpublishing selbst beauftragen und kontrollieren könntest. Eine einfache Faustregel hilft dir, seriöse Wege zu erkennen: bei einem echten Verlag fließt Geld immer zum Autor, nie vom Autor weg. Verlangt ein „Verlag“ einen Zuschuss, lass die Finger davon. Diesen Weg lassen wir ab hier bewusst weg.

Der größte Unterschied: Jahre beim Verlag, Wochen im Selfpublishing

Wie lange es dauert, ein Buch zu veröffentlichen, hängt fast vollständig vom gewählten Weg ab. Beim klassischen Verlag rechnest du realistisch in Jahren: Erst die Suche nach einem Verlag, der dein Manuskript überhaupt annimmt, was allein viele Monate und etliche Absagen bedeuten kann. Und selbst nach der Zusage wird dein Buch in ein Programm eingeplant, das oft ein bis zwei Jahre im Voraus steht.

Im Selfpublishing bestimmst du das Tempo selbst. Sobald dein Manuskript fertig ist und die Gewerke Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Cover durchlaufen sind, ist die eigentliche Veröffentlichung über eine Selfpublishing-Plattform eine Sache von Tagen. Realistisch gerechnet liegen zwischen „Manuskript fertig“ und „Buch ist kaufbar“ wenige Wochen bis ein paar Monate, je nachdem, wie gründlich du die Qualitätsschritte angehst. Das heißt: Was beim Verlag Jahre dauert, schaffst du selbst in einem Bruchteil der Zeit, ohne dabei Abstriche bei der Qualität machen zu müssen.

Das ist der Punkt, der vielen Autoren ein gutes Gefühl gibt: Dein Buch erscheint dann, wenn es fertig ist. Nicht dann, wenn ein Programmplatz frei wird.

Vom Manuskript zum fertigen Buch: die sieben Stationen

Autorin prüft ihr ausgedrucktes Manuskript am Schreibtisch mit Laptop
Lektorat, Korrektorat, Buchsatz: Jedes Gewerk bringt dein Manuskript ein Stück näher ans fertige Buch.

Ein eigenes Buch zu veröffentlichen folgt immer derselben Grundreihenfolge, egal ob Roman, Erfahrungsbericht oder Ratgeber. Hier ist die Landkarte:

  1. Manuskript fertigstellen. Fertig heißt durchgeschrieben und von dir selbst mindestens einmal überarbeitet. Es muss nicht perfekt sein, dafür kommen die nächsten Schritte. Aber es sollte vollständig sein, bevor Profis daran arbeiten.
  2. Lektorat und Korrektorat. Das Lektorat schaut auf Inhalt, Aufbau und Stil, und ein gutes Lektorat bewahrt dabei deine Stimme, statt sie glattzubügeln. Das Korrektorat ist danach der letzte Feinschliff für Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung. Zwei verschiedene Schritte, beide wichtig.
  3. Buchsatz. Das ist das Innenlayout, die Kunst, aus deinem Word-Dokument echte, angenehm lesbare Buchseiten zu machen: Schriftwahl, Seitenränder, Kapitelanfänge, saubere Umbrüche. Den Unterschied zwischen einem in Word gebastelten und einem professionell gesetzten Buch sieht jeder Leser sofort, auch wenn er ihn nicht benennen kann.
  4. Cover und Klappentext. Das Cover ist das Genre-Signal deines Buches: Es muss auf einen Blick transportieren, was drinsteckt. Der Klappentext – der kurze Text auf der Buchrückseite – ist dein wichtigstes Verkaufsargument neben dem Cover.
  5. ISBN, Impressum und Metadaten. Die ISBN ist die internationale Nummer, über die dein Buch im Handel identifizierbar und bestellbar wird; im Selfpublishing bekommst du sie in der Regel über deine Veröffentlichungsplattform. Das Impressum ist die Pflichtangabe, wer für das Buch verantwortlich ist. Und die Metadaten wie Titel, Beschreibung, Kategorien, Schlagworte entscheiden mit, ob dein Buch online gefunden wird.
  6. Veröffentlichen über eine Selfpublishing-Plattform. Hier lädst du die fertigen Druckdaten hoch und entscheidest über die Formate: Taschenbuch, Hardcover, E-Book oder alles zusammen. Die meisten Plattformen arbeiten mit Print-on-Demand. Das heißt: Dein Buch wird erst gedruckt, wenn jemand es bestellt. Kein Lager, kein Karton voller Bücher im Keller, kein Risiko.
  7. Vertrieb und Tantiemen. Über das Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB), das zentrale Katalogsystem des Buchhandels, wird dein Buch auch in jeder Buchhandlung bestellbar. Und bei jedem Verkauf bekommst du deine Tantiemen, also deinen Autorenanteil am Verkaufspreis.

Das ist der Weg in der Vogelperspektive. Welches Format zu deinem Genre passt, welche Plattform für dein Projekt die richtige ist und in welcher Reihenfolge die Gewerke bei dir am meisten Sinn ergeben, hängt von deinem Buch ab und lässt sich pauschal nicht seriös beantworten. Genau dafür gibt es eine persönliche Beratung.

Kostenlos veröffentlichen geht, aber Qualität gibt es nicht geschenkt

Ja, du kannst ein Buch kostenlos veröffentlichen: Die großen Selfpublishing-Plattformen verlangen keine Gebühr für die Veröffentlichung selbst, und durch Print-on-Demand entstehen auch keine Druckkosten im Voraus. Die reine Veröffentlichung kostet dich also tatsächlich nichts.

Aber es gibt da einen Punkt, den du kennen solltest: kostenlos veröffentlicht ist nicht dasselbe wie gut veröffentlicht. Was Geld kostet, ist die Qualität: ein Lektorat, das deinen Text auf Verlagsniveau hebt. Ein Buchsatz, der aus der Word-Datei echte Buchseiten macht. Ein Cover, das in seiner Buchkategorie bestehen kann. Diese Gewerke sind Handwerk von Profis, und sie sind der Unterschied zwischen einem Buch, das man verschenkt und sich dabei ein bisschen unwohl fühlt, und einem Buch, das du voller Stolz in jede Hand geben kannst.

Wovon die Investition abhängt, ist übrigens keine Blackbox: vor allem vom Umfang deines Manuskripts und davon, welche Gewerke du brauchst. Manche Autoren haben schon ein starkes Cover und brauchen nur Korrektorat und Satz; andere wollen das Rundum-Paket. Deshalb gibt es keinen seriösen Pauschalpreis, wohl aber eine ehrliche Einschätzung, was dein Projekt wirklich braucht und was nicht. Auch das gehört zu guter Beratung: dir zu sagen, worauf du verzichten kannst.

E-Book veröffentlichen: der einfachste Einstieg, nicht das Ende

Ein E-Book veröffentlichst du über dieselben Plattformen wie das gedruckte Buch, nur ohne Druckdaten: Statt einer Druck-PDF brauchst du eine EPUB-Datei. Das ist das Standardformat für E-Reader, bei dem sich der Text der Bildschirmgröße anpasst. Lektorat, Korrektorat und Cover brauchst du genauso wie beim gedruckten Buch; nur der klassische Buchsatz wird durch die E-Book-Konvertierung ersetzt.

Viele Autoren starten mit dem E-Book, weil es schnell geht und keine Druckfragen offen sind. Ich würde dir trotzdem raten, das gedruckte Buch von Anfang an mitzudenken. Denn gerade bei persönlichen Geschichten, Erfahrungsberichten und Ratgebern wollen viele Leser etwas in der Hand halten, und für dich selbst ist der Moment, dein eigenes gedrucktes Buch zum ersten Mal aufzuschlagen, durch nichts zu ersetzen. E-Book und Taschenbuch schließen sich nicht aus; sie ergänzen sich. Die meisten veröffentlichen am Ende beides.

Aus der Praxis: Wenn das Buch fast nicht entstanden wäre

Aus der Praxis: Gisela Jung hatte ihren Gedichtband im Kopf und im Herzen und fühlte sich vom Selfpublishing erst einmal schlicht überfordert. Ihr war klar: Wenn sie sich für die Dinge, die sie nicht kann wie Buchsatz, Korrektorat, Cover keine Unterstützung holt und alles allein machen will, stirbt ihre Idee. Also hat sie sich Begleitung gesucht. Wir haben Cover, Korrektorat, Buchsatz und Bildgestaltung übernommen, und aus der Idee wurde in wenigen Monaten ein fertiges Buch. Sie sagt heute selbst: „Allein wäre das Buch wahrscheinlich noch nicht da.“ Und der Moment, in dem sie ihren ersten Verkauf gesehen hat? „Den Moment werde ich nicht vergessen.“

Ähnlich ging es Maren Sturny. Ihr Manuskript über den Familienalltag mit Diabetes Typ 1 war fertig und dann stand sie vor der Frage, um die es in diesem Artikel geht: Wie mache ich mit der Veröffentlichung weiter, und welche Gewerke nehme ich dazu, damit etwas wirklich Professionelles entsteht? Sie ist dabei über den Begriff Buchsatz gestolpert und hat sich gefragt, was das überhaupt ist. Heute ist ihr Buch draußen, sie bekommt wunderbare Rückmeldungen von Familien, denen es hilft, und sie beschreibt die Zusammenarbeit mit einem Satz, der uns sehr berührt hat: „Man nimmt mich wahr, man sieht mich. Ich bin nicht nur eine Nummer.“

Beide Geschichten zeigen dasselbe: Die Überforderung am Anfang ist normal. Sie ist kein Zeichen, dass du es nicht kannst, sondern nur, dass ein Buch eben aus mehreren Gewerken besteht, die man nicht alle selbst beherrschen muss.

Frau liest entspannt ein gedrucktes Buch mit einer Tasse Kaffee in der Hand
Der Moment, das fertige Buch in den Händen zu halten, ist durch nichts zu ersetzen.

 

Häufige Fragen zum Veröffentlichen eines Buches


Wie veröffentliche ich ein Buch?

Manuskript fertigstellen, dann Lektorat und Korrektorat, Buchsatz, Cover und anschließend über eine Selfpublishing-Plattform mit ISBN und Print-on-Demand veröffentlichen. Das ist der direkte Weg, bei dem du alle Rechte behältst. Alternativ kannst du dich bei Verlagen bewerben, was deutlich länger dauert und mit Rechteabgabe verbunden ist.

Brauche ich einen Verlag für mein Buch?

Nein. Im Selfpublishing veröffentlichst du dein Buch selbst, mit eigener ISBN, als Taschenbuch, Hardcover oder E-Book und es ist genauso im Buchhandel bestellbar. Die Qualität, die ein Verlag intern organisiert, kannst du dir von Profis dazuholen.

Wie lange dauert es, ein Buch zu veröffentlichen?

Im Selfpublishing: vom fertigen Manuskript bis zum kaufbaren Buch wenige Wochen bis ein paar Monate, je nach Umfang der Gewerke. Beim klassischen Verlag rechnest du mit ein bis zwei Jahren, Verlagssuche nicht eingerechnet.

Was kostet es, ein Buch zu veröffentlichen?

Die Veröffentlichung selbst kostet auf den gängigen Plattformen nichts, und Print-on-Demand vermeidet Druckkosten im Voraus. Investieren solltest du in die Qualität: Lektorat, Korrektorat, Buchsatz und Cover. Wie viel das ist, hängt vom Umfang deines Manuskripts und den benötigten Gewerken ab. Das klärt man am besten in einer persönlichen Beratung.

Wie veröffentliche ich ein Buch in Österreich oder der Schweiz?

Genauso wie in Deutschland: Die großen Selfpublishing-Plattformen, die ISBN-Vergabe und der Weg über die Gewerke funktionieren im gesamten deutschsprachigen Raum gleich, und dein Buch ist in Österreich, Deutschland und der Schweiz bestellbar. Auch die Buchpreisbindung – also der feste Verkaufspreis für Bücher – gilt in Österreich genauso.

Woher weiß ich, ob mein Manuskript fertig ist?

Fertig genug für den nächsten Schritt ist es, wenn du alles erzählt hast, was du erzählen wolltest, und du selbst einmal gründlich drübergegangen bist, um die gröbsten Fehler und Ungereimtheiten zu beseitigen. Es muss nicht fehlerfrei und nicht perfekt sein; genau dafür sind Lektorat und Korrektorat da. Warte nicht auf Perfektion, die erreichst du allein ohnehin nie ganz.

Dein Buch ist näher, als du denkst

Zwischen deinem Manuskript und deinem fertigen Buch liegt kein Glück, kein Gatekeeper und kein Geheimnis, sondern eine überschaubare Reihe von Handwerksschritten, die alle lösbar sind. Und den nächsten Schritt musst du nicht allein gehen.

In einer kostenlosen, ca. 60-minütigen Buchberatung entwickeln wir gemeinsam einen Plan für deine Buchveröffentlichung. Du wirst herausfinden, wo und wie dein Buch in den Vertrieb kommt und welche Veröffentlichungsstrategie zu deinem Projekt passt. Dafür gehst du jetzt auf www.buchagentur.de und trägst dich ein. Erzähl ein bisschen von deinem Buch und von deinen Zielen und wir sprechen in den nächsten 2 bis 5 Tagen persönlich über deine geplante Buchveröffentlichung.

Dos und Donts für Selfpublisher – eine Wunschliste?

Dos und Donts für Selfpublisher – eine Wunschliste?

Disclaimer: Dieser Bericht bezieht sich auf ein Event im Jahr 2017 und wird nicht mehr überarbeitet. Angaben und Aussagen könnten entsprechend veraltet sein.

Dos und Donts für Selfpublisher – das klingt aus dem Mund von Books on Demand wie eine Wunschliste. Ich bin gespannt.

Die vierte Session am Samstag, die ich besuche, findet um 16:30 in der Halle statt und wird live übertragen. Ich konnte mich nur ganz spontan entscheiden zwischen einer Session über Verlagsautoren vs. Selfpublishing, dem Konzipieren meiner eigenen Session (17:30 Uhr), der Datenwiederherstellung einer überschriebenen Word-Datei und dieser Session. Letztlich habe ich mich dafür entschieden, der Session von BoD beizuwohnen. Alles andere würde schon irgendwie funktionieren.

Gleich auf dem @LitcampHD im Raum „Fairer Buchmarkt“. 😉 #litcamp17 #selfpublishing pic.twitter.com/QBQYyVDWDN

— BoD Books on Demand (@booksondemand) 24. Juni 2017

Wie die Session beginnt, weiß ich selbstverständlich nicht, denn Pünktlichkeit ist bei mir persönlich irgendwie nicht vorgesehen auf dem Literaturcamp in Heidelberg. Den Einstieg in diese Session finde ich erst mit der Grafik, die einen Kreis darstellt und die drei wichtigen Schritte des Veröffentlichens beleuchtet. Es geht ums Schreiben, Veröffentlichen und Vermarkten.

Dos und Donts für Selfpublisher: zunächst viel zu banal

dos-und-donts-fuer-selfpublisher-bod-3Thorsten Simon beginnt mit banalen Tipps:

      1. Macht nicht alles allein.
    • Benutzt Tools wie Scrivener oder Papyrus Autor.
    • Spart nicht am Cover.

    Natürlich sind wir Selfpublisher keine eierlegenden Wollmilchsäue, aber wenn man sich das Überangebot müheloser Veröffentlichungen ansieht, sind solche Tipps wohl zu jeder Zeit am rechten Platz. Letzteres scheint ebenso banal wie die Tipps davor, ist aber unheimlich wichtig. Den Fehler habe ich selbst gemacht und mit der Krankheitensammlerin* gelernt, dass ein zu schlichtes, zu günstiges Cover verkaufsschädigend sein kann. Heute würde ich vieles anders machen, beziehungsweise einen Profi an die Covergestaltung heranlassen. Timon neben mir atmet schon wieder tief durch, offenbar ist es ihm zu banal. Ich bin auch noch nicht mitgenommen und begeistert – aber nach dem Vortrag von Benjamin Spang kann mich eigentlich nahezu nichts vom Hocker hauen, fürchte ich. Gleichzeitig halte ich es für jeden, der sich noch nicht mit Selfpublishing auseinandergesetzt hat, wichtig, dass dieser Einstieg genau so gemacht wird.

    Plötzlich wird’s interessant: Covergestaltung

    Die Kosten bei einem Grafiker für ein Cover sollen bei etwa 220 Euro plus liegen. Die Cover müssen auch im kleinen Format funktionieren, aber ebenfalls im Barsortiment begeistern. Der Vortrag geht auf ein paar wichtige Eigenheiten eines Covers ein und fordert zur Plakativität auf. Dos und Donts für Selfpublisher: Cover

        • Do: Investiere Geld!
      • Do: Suche dir einen Profi, der wirklich weiß, was er tut!
      • Don’t: Spare nicht am Cover
      • Do: Das Cover muss auch auf dem Handy in kleinster Vorschau erkennbar sein
      • Don’t: Das Cover darf nicht zu simpel sein
      • Do: Das Cover muss im Barsortiment überzeugen
      • Do: Vergleiche dein Cover mit denen von Vergleichstiteln!

      Books on Demand hat einen Tool zum Vergleichen von Covern. Jetzt wird es spannend: Das wusste ich noch nicht. Und dieses Tool hilft jedem von uns, die Dos und Donts für Selfpublisher im Bezug auf Cover besser nachvollziehen zu können, denn die Schwierigkeit hinter den zahlreichen Tipps ist die Balance. Das „Vergleichen Sie Ihr Cover“-Tool von Books on Demand bietet die Funktion, dass man sein eigenes Cover in das Tool zieht und mit anderen Covern des ausgewählten Genres vergleichen kann. Worüber der Stellvertreter von BoD leider kein Wort verliert: Irgendwo muss es passen, aber gleichzeitig auch herausstechen.

      Weiter geht’s mit Standard-Tipps – das ist nicht verwerflich

      Ein Tipp, der sich aus dem bisher Gesagten erschließt: Baut ein Team um euch auf. Man braucht Lektor, Grafiker, Korrektor, Testleser… das wissen wir eigentlich schon.

      dos-und-donts-fuer-selfpublisher-bod-2

      Sorry fürs Multitasking! Habe trotzdem eine Menge mitbekommen!

      Aufgrund meines ärgerlichen Datenverlustes bin ich an dieser Stelle der Session eher mies gelaunt. Die Mitschrift bei der ersten Session ist offenbar unwiderruflich verloren. Mir dabei einen Vortrag anzutun, den ich gefühlt schon tausend Mal gehört habe, bessert das nicht. Also beginne ich Multi-Tasking, arbeite mit einer Testversion eines Data Rescue Programms und notiere nebenbei in zwei Word-Dateien Infos für meine folgende Session und in der anderen stichpunktartig, was ich vom BoD-Vortrag mitbekomme. Letzteres möchte ich euch nicht vorenthalten. Ihr müsst wissen, für wen ihr schreibt. Definiert eure Zielgruppe nicht nur anhand oberflächlicher Daten. Kommt dir das bekannt vor? Na, egal, hier die Liste:

          • Alter
        • Geschlecht
        • Wohnort
        • Schulabschluss
        • Ausbildung
        • Beruf
        • Familienstand
        • Hobbies
        • Ziele
        • Werte
        • Abneigungen
        • Lieblingsbuch
        • Lieblingsfilm
        • Lieblingszeitschrift

        Hier greift Thorsten die Buyer Persona auf, die ich schon in der Content-Strategie-Session auf interessantem Wege beleuchtet bekommen habe. Beim nächsten Tipp horche ich wieder auf: Wattpad ist eine Social Writing Community. Dort bekommt man besonders schnell Feedback der Leser aus der Zielgruppe. Eine tolle Möglichkeit, um die Zielgruppe besser kennenzulernen. Diesen Tipp halte ich für genial, denn wenn man seine Zielgruppe nicht aus Erfahrung und eigener Logik heraus festlegen kann, ist es hilfreich, sie selbst empirisch zu analysieren. Lasst Menschen eure Texte oder Textausschnitte lesen und erstellt anschließend selbst eine Buyer Persona, wenn ihr euch jeden Leser genauestens anseht.

        Von der Quantität der Selfpublisher

        Weiter geht es mit dem Schubladen-Tipp. Füttert eure Leser! Und zwar regelmäßig. Besser: oft!

        Macht es nicht wie George R R Martin. Aber habt die Fortsetzung in der Schublade. #litcamp17 #bod — Kia (@KiaKahawa) June 24, 2017

        Habt die Fortsetzung in der Schublade, sodass der zweite Teil eures Romans so zeitnah erscheint, dass der Leser noch den ersten Teil im Kopf hat.

        An dieser Stelle geht ein kurzes Gelächter durch den Raum: „Macht es nicht wie George R. R. Martin.“ Ich befinde mich unter Menschen, die sich auskennen und wissen, was gemeint ist. Yay!Bei Genreliteratur sollte ein Selfpublisher allerdings alle 3-4 Monate ein neues Buch veröffentlichen.Einmal gewonnene Leser wollen mehr. Serien funktionieren gut im Self-Publishing.

        Jetzt wird es etwas kontrovers: Timon L. Thöne ergreift das Wort und fragt, ob die Qualität der Bücher nicht darunter leide. Er möchte gerne Statistiken haben und betont den Unterschied von „geschriebenen Telenovelas“ und komplizierter, tiefgreifender Science Fiction.

        Die Antwort schweift ein bisschen ab und betont, wie wichtig es ist, dass der Leser vom Autor lesen will. Thorsten empfiehlt Timon Prequels, Kurzgeschichten und ähnliches, was die Leser bei Laune hält, wenn man die drei bis vier Bücher pro Jahr nicht veröffentlichen kann.

        Wichtig ist dabei immer die Qualität. Die darf nicht vergessen werden, wenn man den Quantitätsstandards hinterher hechtet.

        Wir Autoren haben es schon hart. Liefern, Liefern, Liefern!

        Und das möglichst exzellent in Quantität und Qualität, um bloß nicht vergessen zu werden!

        Wisst, was ihr wollt!

        Seien wir doch mal ehrlich: Books on Demand hat viele Vorteile gegenüber anderen Distributoren. Ich selbst bin mit epubli nicht mehr zufrieden, weil die Erstellung einer Neuauflage kompliziert ist und ich einige Probleme mit der Integration in den Amazon-Shop hatte. Seit dem readfy-Wettbewerb habe ich einen 19-Euro-Gutschein, der mir die Gebühr für eine Veröffentlichung bei BoD schenkt, und so bin ich ein BoD-Fan und würde mein nächstes Buch dort veröffentlichen.

        Wer noch nicht weiß, was er oder sie will, kann sich mit folgenden Fragen Abhilfe verschaffen:

        Soll alles aus einer Hand geschehen? Oder wollt ihr möglichst viel selbst machen?

        Wollt ihr Exklusivität? Oder soll euer Buch überall erhältlich sein?

        Alles hat Vor- und Nachteile. Eine exklusive Veröffentlichung könne zu mehr Sichtbarkeit führen und man könne mehr mit dem Titel machen. Ist das Buch überall erhältlich, so hat es den großen Vorteil, dass Leser, die beispielsweise Amazon boykottieren, nicht auf euer Buch verzichten müssen. Außerdem kann man so den lokalen Buchhandel unterstützen, was mir inzwischen tagtäglich immer wichtiger wird.

        Informiert euch über den Buchhandel! Und über Verlage, besondere Vorsicht ist natürlich bei DKZV geboten.

        Die Wunschliste von BoD oder: die Dos für Selfpublisher

        Setzt Metadaten (Katalogdaten) effektiv für die Auffindbarkeit ein! Metadaten sind solche wie Titel, Schlagworte, ISBN, Klappentext und Autorenname.

        dos-und-donts-fuer-selfpublisher-bod-1Setze Schlagworte kreativ ein. Nutzt euer Wissen über Leser und deren Suchverhalten.Das gefällt mir, aber mir fehlen ein wenig die „Donts“ bei den Dos und Donts für Selfpublisher. Dass an dieser Stelle der Bogen zwischen den Zielgruppen-Tipps und der Veröffentlichung eines Buches als Selfpublisher gezogen wird, lässt mein Multitasking unbedeutender werden. Ich bin wieder voll dabei.

        Und wieder kommt ein Tipp, der von andere Sessions wiederzukehren scheint: Corporate Identity. Tretet einheitlich auf, macht euch zur Marke, die nicht verwechselbar ist.Dazu gehört eine Website. Sie sollte möglichst professionell sein, denn sie ist für Selfpublisher ein zentraler Ankerpunkt.

        Dos und Donts für Selfpublisher sind beim Thema Website einfach auszumachen:• Wählt ein elegantes, stilvolles Design, das euch und der Zielgruppe gefällt.• Ladet nur qualitativ hochwertige Texte hoch.• Beschreibt euch, eure Tätigkeit und eure Werke.• Bietet einen Newsletter an.• Verzichtet auf Pop-Ups und Werbung.• Verlinkt Social Media mit der Website und umgekehrt.• Zieht Leser auf Website und setzt Kaufimpulse.• Bietet den Lesern einen Mehrwert. Recherchiert ggfs. über Content Marketing.

        Nutzt Newsletter! Sie sind das effektivstes Instrument bei der Vermarktung! Bietet euren Lesern dabei einen echten Mehrwert. Die Newsletter einer Website ohne integrierten Blog sollten alle drei bis vier Wochen versendet werden.

        Setzt den Buchpreis fest. Orientiert euch bei der Preisgestaltung am Genre sowie am Wettbewerb.Ein weiterer Tipp, der mich persönlich weiterbringt: Bevor man in die Vollen geht, was das Marketing und die Verbreitung des neuen Werkes angeht, sollte man fünf bis zehn gute Rezensionen haben.

        Dos und Donts für Selfpublisher: mein Fazit

        Insgesamt empfand ich Dos und Donts für Selfpublisher als gute Balance zwischen Interessierten-Info und Tipps für Selfpublisher, die bereits Erfahrung haben. Die Tipps, die mir zum größten Teil nicht neu waren, aus der Perspektive von Books on Demand zu hören, war dennoch enorm wertvoll.

        Das war jetzt noch mal ein bewegendes Ende im Livestream vom #litcamp17. Danke für’s Zuschauen & bis 2018. Talks kommen alle auf YouTube. pic.twitter.com/0Oa4xTfuvo

        — Livestream.watch (@Livestream_DE) 25. Juni 2017

        Es ist wichtig, dass wir Selfpublisher uns ein Team aufbauen und uns auf das konzentrieren, was wir können. Niemand ist eine eierlegende Wollmilchsau, die in allen Disziplinen 100 % geben kann. Setzt auf Qualität, aber beachtet auch die Quantität. Haltet eure Leser bei der Stange, präsentiert euch professionell und wisst, was ihr und eure Zielgruppe wollt. Ich bedanke mich für den tollen Vortrag.

        P.S.: Die Session zu „Autoren an die Steuer“ habe ich erfolgreich während dieses Vortrags konzipiert. Die Datensicherung ist nicht geglückt, da ich dazu ein Software-Abo hätte abschließen müssen. Wer diesen Vortrag vollständig nachschauen möchte, kann dies auf Youtube tun.

        Zum Twitter-Account: @booksondemandZur Website: bod.deZum Pressesprecher von BoD: @Thorsten_Simon

        Alles Liebe,

        Kia

        Danke, liebe Sponsoren:

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Einfuhrumsatzsteuer – Was ist das und wann wird sie bei der Vermarktung eigener Bücher interessant?

Einfuhrumsatzsteuer – Was ist das und wann wird sie bei der Vermarktung eigener Bücher interessant?

Die Einfuhrumsatzsteuer – kurz auch als EUSt bezeichnet – ist eine Steuer, die nur anfällt, wenn Produkte aus einem nicht europäischen Land – aus steuerlicher Sicht handelt es sich hierbei um ein Drittland – nach Deutschland importiert werden. Sie wird zusammen mit weiteren Zollgebühren entrichtet.

Die EUSt gilt für Bekleidungen und Autos ebenso wie für Computer und Bücher oder andere Gegenstände. Ob die Produkte von einem Unternehmen oder einer Privatperson eingeführt werden, spielt für die Besteuerung keine Rolle. Für die eigenen Finanzen finde ich es aber wichtig, den Entstehungszeitpunkt und den Fälligkeitszeitpunkt zu kennen.  

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